Unter anderem in Zoos sind Kabel im Einsatz, die mit Nagetieren in Kontakt kommen und durch eine zusätzliche Stahlummantelung, einer Stahlrille, besonders widerstandsfähig sind.

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Lichtwellen-Kabel Nager-getestet und scherbenfest

03.11.2016

LWL-Kabel, die in Brauereien zum Einsatz kommen, müssen auch für außergewöhnliche Belastungen gerüstet sein. Als eine große deutsche Brauerei ihr Datennetzwerk erweiterte, war bei der Verkabelung unter anderem Scherbenfestigkeit gefragt.

Die Krombacher-Brauerei ist Deutschlands größter Privatbierbrauer. Täglich verlassen Tausende Flaschen den Warenausgang im nordrhein-westfälischen Kreuztal. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 717 Mio. Euro. Ausschlaggebend für diese Zahlen ist auch die hochfunktionale Produktion, die nach modernen Standards stark automatisiert ist. Von der Reinigung, über die Abfüllung bis hin zum Etikettieren fahren die Flaschen größtenteils autonom per Fließband durch die Anlagen. Auftragsverwaltung und Logistik sind ebenfalls an das Netzwerk angeschlossen. Muss Krombacher doch trotz Auftragsvolumens sicherstellen, dass alle Paletten den richtigen Empfänger erreichen. „Diese Prozesse verbessern wir ständig weiter, was allerdings auch bedeutet, dass unser Datenvolumen stetig höher wird“, berichtet Timo Kleinsorge vom Krombacher Betriebsengineering.

„Um dabei den reibungslosen Betrieb sicherzustellen, erneuern wir unsere Netzwerke. Hinzu kommt eine weitere Innovation, denn auch abseits der Produktionsprozesse ändert sich einiges“, so Kleinsorge weiter.

Er bezieht sich darauf, dass Krombacher die Telefonie auf Voice over IP umstellt. Sämtliche Anrufe laufen damit mittelfristig durch das Computernetzwerk anstatt wie früher durch die Telefonleitung. Beide Netzwerke, jenes für die EDV und jenes für die Produktion, verzweigen sich über eine Fläche von über 200.000 m2. „Insgesamt werden bei uns rund 20 wichtige Datenpunkte mit vielen Zwischenstationen miteinander verbunden, darunter Bereiche wie das Sudhaus oder die Abfüllung“, sagt Kleinsorge. „An keiner Stelle darf es zu Ausfällen kommen, da uns schon wenige Minuten Standzeit hohe Kosten verursachen.“

Bei der Auswahl der richtigen LWL-Kabel für die Netzwerke konnte Krombacher durch die besondere Einbausituation nicht auf Standardlösungen zurückgreifen. Die Kabel verlaufen im Brauereibetrieb nicht wie üblich ausschließlich in unsichtbaren Kanälen, sondern teilweise durch offenliegende Trassen. „Unsere Anlagen sind sehr komplex, wir müssen sie aber auch flexibel umstrukturieren können – etwa wenn sich der Prozess verändert“, sagt Kleinsorge. Die LWL-Kabel sind durch die offene Situation ungeschützt und müssen auch standhalten, wenn sie mit Scherben in Berührung kommen – und das kann in einer Brauerei durchaus passieren. „Herkömmliche Lichtwellenleiter sind dem nicht gewachsen“, sagt Kleinsorge.

Stahlmantel gegen Mäusezähne

Krombacher beauftragte schließlich den süddeutschen Kabelhersteller Helukabel. Für die besonders robusten LWL-Kabel bediente sich das Unternehmen aus einem gänzlich anderen Bereich: Unter anderem in Zoos sind Kabel im Einsatz, die mit Nagetieren in Kontakt kommen und durch eine zusätzliche Stahlummantelung, einer Stahlrille, besonders widerstandsfähig sind. „Was Mäusezähnen widersteht, dem können auch Scherben nichts anhaben“, sagt Kenny Fuchs, Experte für Daten-, Netzwerk- und Bustechnik bei Helukabel.

Zum Einsatz kommen deshalb das Single-Mode-Kabel Helucom A-DQ(ZN)(SR)2Y 2x12 E9/125 für das EDV-Netzwerk und das Multimode-Kabel Helucom A-DQ(ZN)(SR)2Y 2x12 G50/125 OM3 für die kürzeren Leitungswege in der Produk­tion. Die Kabel zeichnen sich durch eine kompakte Konstruktion mit Quellmaterial aus. Dies verhindert, dass sich bei einer lokalen Beschädigung des Außenmantels Wasser im Kabel ausbreiten kann und gewährleistet damit die sogenannte Längswasserdichtigkeit.

Halogenfrei und UV-beständig

In Kombination mit der Stahlrillenbewehrung und dem Außenmantel aus Polyethylen sind die Kabel äußerst robust. Zudem sind sie halogenfrei sowie UV-beständig und für einen Temperaturbereich im Betrieb von -20 °C bis +70 °C geeignet. Und auch die maximale Zugkraft entspricht besonderen Anforderungen: „Um jedes Risiko zu vermeiden, definierten wir eine sehr hohe Maximalbelastung. Die Krombacher-Kabel sind auf bis zu 2.500 Newton ausgelegt“, sagt Kenny Fuchs.

„Beide Kabel wurden selbstverständlich aufs Genaueste getestet, sodass wir die maximale Zugkraft von 2.500 Newton für Krombacher verifizieren konnten“, sagt Fuchs. Timo Kleinsorge von Krombacher bestätigt: „Als Pilotversuch verlegten wir zunächst eine begrenzte Strecke mit den Kabeln. Das klappte problemlos, die Kabel waren stabil, die Datenübertragung stimmte auch.“ Stück für Stück ersetzt Krombacher daher die alte Verkabelung. Bereits 16 km wurden verlegt, sodass bald das gesamte Netzwerk dem neuen Standard entsprechen wird.

Bildergalerie

  • 16 km besonders belastbares LWL-Kabel wurde in den Krombacher Brauereien verlegt.

    Bild: Helukabel

  • Für die besondere Widerstandskraft sorgt bei den LWL-Kabeln eine Stahlummantelung.

    Bild: Helukabel

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