Vor dem Hintergrund der aktuellen EU-Vorgaben und Anreize für nachhaltiges Wirtschaften (EU Green Deal, EU-Taxonomie) gewinnt das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen, aber auch für ihre Kunden weiter an Bedeutung. Bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen steigen damit die Ansprüche sowohl an die eigenen Produktionsprozesse als auch an die Nachhaltigkeitsstandards von Lieferanten und Lieferketten. Ein wesentliches Element stellt in diesem Zusammenhang die Umwelt-Produktdeklaration (Environmental Product Declaration, EPD) dar. Dieses Dokument informiert detailliert über alle umweltrelevanten Parameter eines Produkts wie etwa Materialzusammensetzung, Recyclingfähigkeit oder CO2-Fußabdruck und schafft somit Transparenz bei der Komponentenauswahl.
Auch Siemens hat sich – als Zulieferer wie auch als Unternehmen insgesamt – hohe Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Vor diesem Hintergrund arbeitet das Unternehmen konsequent daran, die Auswirkungen auf die Umwelt für jedes einzelne Produkt zu minimieren. In den Bereichen Niederspannungs-Energieverteilung und industrielle Schalttechnik bietet Siemens deshalb inzwischen viele Sentron- und Sirius-Komponenten mit einer EPD an.
End-of-life-Management
Ergänzt wird dieses Konzept durch konkrete Ansätze im End-of-life-Management der produzierten Produkte. Das gesamte CE-zertifizierte Produktportfolio von Siemens verfügt bereits über eine WEEE-Kennzeichnung gemäß der europäischen Richtlinie 2012/19/EU (Waste of Electrical and Electronic Equipment, in Deutschland umgesetzt als Elektrogesetz, ElektroG).
Zum End-of-Life-Management gehört auch, Transparenz über die spezifischen Kreislaufeigenschaften der Produkte zu schaffen. Dies erfolgt bei Siemens über produktspezifische Circularity Instructions. Sie enthalten Empfehlungen für die Wiederverwendung, Aufarbeitung und das Recycling vorhandener Materialien und Produkte über einen möglichst langen Zeitraum. Darüber hinaus enthalten sie Anleitungen für das Recycling-Personal, wie die jeweiligen Produkte sicher zerlegt werden können, um die Rückgewinnung von Ressourcen zu maximieren.
Nachhaltigkeit im Produktlebenszyklus
Typische Produkte zeigen, wie sich Nachhaltigkeit in den unterschiedlichen Phasen des Produktlebenszyklus – Herstellung, Betrieb, Ende des Lebenszyklus – praktisch realisieren lässt: Im Rahmen eines umfassenden Ecodesign-Projekts wurde das Sirius Drucktaster- und Leuchtmelder-Portfolio gezielt auf minimale Umweltauswirkungen und Materialeinsatz angepasst. Beim Leuchtdrucktaster Sirius 3SU1 etwa konnten durch das nachhaltigere Redesign jährlich bis zu 390 t CO2-Äquivalente eingespart werden: Der universelle Halter reduziert den CO2-Fußabdruck um 40 Prozent, Kontaktmodule je nach Variante um bis zu 84 Prozent, und der Not-Halt-Taster um 14 Prozent. Auch der Einsatz von Technologiemetallen wurde deutlich verringert.
Auch der Versand von in Trutnov produzierten Komponenten bietet Optimierungspotenziale: So wurden für die Sanftstarter Sirius 3RW30/40 neue Verpackungen entwickelt. Eine spezielle Einlage aus recyclebarem Karton-Inlay ersetzt dort künftig den bisher verwendeten Polyethylen-Schaum. Dadurch werden 7 t Kunststoff vermieden. Bei unverminderter Stabilität bringt allein diese vermeintlich kleine Maßnahme CO2-Einsparungen von 24 t jährlich.
Noch deutlicher werden die Auswirkungen des Geräts auf die Nachhaltigkeit im Betrieb, denn die Verlustleistung und damit auch der Eigenstrombedarf konnten minimiert werden. Dank integrierter Bypass-Schaltung wird die Verlustleistung in der Nutzungsphase um bis zu 90 Prozent reduziert. Die Hybridschalttechnik sorgt für minimalen Verschleiß und verlängert die Lebensdauer des Geräts. Zusätzlich bietet der integrierte Geräteschutz zuverlässige Sicherheit im Betrieb.
Siemens-Werk in Trutnov
Alle genannten Beispiele entwickelt und fertigt die zu Siemens Smart Infrastructure gehörende Geschäftseinheit Electrical Products entweder komplett oder teilweise im tschechischen Trutnov. Neben dieser wichtigen Rolle bei Engineering und Produktion nachhaltigerer Lösungen für Niederspannungs-Energieverteilung und industrielle Schalttechnik ist der Standort auch ein weiteres aktuelles Beispiel für ein CO2-neutrales Siemens-Werk: Seit Juli 2025 arbeitet es offiziell zu 100 Prozent klimaneutral (Scope 1, Scope 2 bereits seit Februar 2024). Der klimaneutrale Betrieb ist das Ergebnis von drei Maßnahmenbündeln: Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz.
Die CO2-Neutralität im Zuge der Dekarbonisierung resultiert zum einen aus einer neuen, mit Biomasse betriebenen Wärmeleitung und zum anderen aus der Umstellung auf Strom aus ausschließlich erneuerbaren Energiequellen, die bereits 2018 erfolgt ist. Zudem wurde 2025 die komplette Fahrzeugflotte des Standorts auf Elektrofahrzeuge umgerüstet. Allein die Umstellung auf die Wärmeleitung vermeidet 260 t CO2 pro Jahr, der Einsatz von grünem Strom sogar 3000 t.
Durch die Digitalisierung papierbasierter Prozesse sowie den verstärkten Einsatz von Recyclingpapier können jährlich zusätzliche 5,4 t CO2 eingespart werden. Weitere Maßnahmen im Bereich der Kreislaufwirtschaft war die Einführung einer nachhaltigeren Logistik mit Mehrwegverpackungen, vor allem auch für den Verkehr zwischen Trutnov und anderen Siemens-Werken beziehungsweise Lieferanten. In der Fertigung anfallende Abfälle wie Kunststoff, Papier und Pappe werden konsequent getrennt und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt.
Als weitere Säule der Nachhaltigkeitsstrategie wurde die Energieeffizienz immer weiter verbessert: Bereits seit 2013 übernehmen Sonnenkollektoren die Warmwasserbereitung, was einer jährlichen Einsparung von 15.400 kWh entspricht. Weitere 114.000 kWh jährlich spart seit 2021 die Umstellung der Beleuchtung auf LED ein. Zuletzt wurde 2024 ein umfassendes Energieüberwachungssystem implementiert, das die transparente Verfolgung des Strom-, Stickstoff- und Druckluftverbrauchs auf Maschinenebene erlaubt. „Wir sind sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Durch konsequente Maßnahmen, wie den Einsatz erneuerbarer Energien und verbesserte Prozesse, haben wir Trutnov zu einem Vorreiter für nachhaltigere Produktion gemacht. Wir beweisen damit: Ökologische Verantwortung und Wirtschaftlichkeit gehen Hand in Hand und setzen ein starkes Zeichen für unsere nachhaltigere Zukunft.“, fasst Lukas Adamec, Leiter des Siemens-Werks in Trutnov, zusammen.
EcoTech-Label schafft Transparenz
Nachhaltigere Siemens-Komponenten der Niederspannungs-Energieverteilung sowie der industriellen Schalt- und Steuerungstechnik sind im Werk Trutnov natürlich auch im Einsatz und tragen dort zu einem nachhaltigeren Betrieb bei. Speziell für solche nachhaltigeren Produkte, wie sie in Trutnov entwickelt, gefertigt und eingesetzt werden, hat Siemens 2024 das Siemens EcoTech-Label veröffentlicht. Siemens EcoTech basiert auf einem Framework zur Definition von Ecodesign-Kriterien, welches als Leitlinie zur Entwicklung nachhaltigerer Produkte bei Siemens eingesetzt wird. Gleichzeitig liefert es Transparenz über die resultierenden Nachhaltigkeitseigenschaften.
Das Label bestätigt die Erfüllung umfassender ökologischer Anforderungen, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen. Bewertet werden unter anderem der Einsatz kohlenstoffarmer Materialien, energieeffizienter Technologien, die Verpackung, Langlebigkeit sowie die Recyclingfähigkeit im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Auf dieser Basis erstellt Siemens für jedes gekennzeichnete Produkt ein Siemens EcoTech Profile (SEP) – ein detailliertes Datenblatt, das die ökologische Leistungsfähigkeit entlang des gesamten Produktlebenszyklus transparent abbildet.
Fazit und Ausblick
Das seit Kurzem CO2-neutrale Siemens-Werk (Scope 1, 2) in Trutnov/Tschechien und das Umweltlabel Siemens EcoTech sind zwei aktuelle Beispiele dafür, wie Unternehmen den ökologischen Fußabdruck des eigenen Betriebs sowie ihrer Produkte minimieren und dadurch die nachhaltige Transformation ihrer Kunden unterstützen können. Insgesamt verfolgt Siemens mit Maßnahmen wie diesen ein wissenschaftlich fundiertes 1,5°C-Dekarbonisierungsziel. Die Umrüstung des Werks in Trutnov stellt dabei eine bedeutende Einzelmaßnahme unter vielen dar – ein greifbares Beispiel für den Fortschritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft.