In der Industrie ist der Einsatz von KI grundsätzlich gern gesehen. Trotzdem findet eine überwältigende Mehrheit der Befragten (85 Prozent): Der Mensch sollte immer die Kontrolle behalten.

Bild: Ralf Grömminger, Bosch

Repräsentative Umfrage Mehr als ein Drittel der Deutschen betrachtet KI als negativ

17.11.2020

Im Bosch-KI-Zukunftskompass sind 1.000 Deutsche ab 18 Jahren zu ihrer Meinung nach Künstlicher Intelligenz befragt worden. Das Ergebnis: Eine Mehrheit befürwortet den Einsatz von KI im industriellen Umfeld. In Branchen wie der Medizin oder im Personalwesen hingegen sind die Ansichten weniger eindeutig.

„Deutschland und Europa haben in der industriellen KI das Zeug zur Weltspitze“, ist Dr. Michael Bolle, Bosch-Geschäftsführer sowie Chief Digital Officer und Chief Technology Officer, überzeugt. Gerade im industriellen Umfeld, etwa in der Qualitätskontrolle, zur Verbesserung der Energieeffizienz oder der Effizienz in der Fertigung, sei das Fach- und Domänenwissen in Deutschland und Europa einzigartig.

Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen des KI-Zukunftskompasses wider, der von der Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) erstellt wurde. Eine klare Mehrheit der Deutschen (60 Prozent) wünscht sich hier einen vermehrten Einsatz von industrieller KI, zum Beispiel bei der Herstellung von Autos oder Flugzeugen. Mehr als zwei Drittel befürworten zudem KI-basierte Lösungen bei der Diagnose von Maschinenfehlern sowie in Hightech-Bereichen wie der Raumfahrt.

Diese relativ hohe Zustimmung zur industriellen KI sei ermutigend, sagt Bolle: „Für den deutschen und europäischen Wirtschaftsstandort ist der Rückhalt in der Bevölkerung und den entscheidenden Institutionen von enormer Bedeutung.“

Vertrauen in KI entscheidend

In anderen Einsatzbereichen, etwa in der Krankenpflege oder bei der Anlageberatung, sind die Zustimmungsraten für den KI-Einsatz mit 40 Prozent beziehungsweise 31 Prozent allerdings deutlich geringer. Auch bei juristischen Entscheidungen oder der Vorauswahl von Kandidaten für eine offene Stelle vertrauen die Deutschen einem Menschen deutlich mehr als einer Maschine.

Über alle Bereiche hinweg bewerten 53 Prozent der Deutschen den Einsatz von KI positiv. 36 Prozent sind eher negativ eingestellt.

Für Bolle zeigt das, dass es klare, moralisch begründete Leitlinien nicht nur in Deutschland, sondern auf europäischer Ebene braucht. Bosch habe sich mit einem KI-Kodex hier bereits einen ethischen Rahmen gesteckt: „Wir haben uns klar verpflichtet, dass KI dem Menschen dienen soll und nicht umgekehrt. Der Mensch muss immer die Kontrolle über die KI behalten.“ Das sehen 85 Prozent der Befragten genauso.

Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer fordern weiter, dass Künstliche Intelligenz nur dem Allgemeinwohl dienen darf. Ebenfalls rund zwei Drittel wünschen sich, dass auf internationaler Ebene über die rechtlichen und ethischen Maßstäbe beim Einsatz von KI entschieden wird (38 Prozent global und 27 Prozent europäisch), lediglich 35 Prozent setzen auf eine nationale Strategie.

Nachvollziehbare Entscheidungen

Laut dem Kompass denkt eine Mehrheit der Deutschen (53 Prozent), dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz für Unternehmen notwendig sei, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. 42 Prozent der Befragten glauben, dass sich große Probleme, wie beispielsweise Pandemien oder der Klimawandel, durch KI besser lösen lassen.

Unabhängig von der grundsätzlichen Einstellung gegenüber KI sind sich die Befragten über die Chancen und Risiken weitgehend einig. Zu den am häufigsten genannten Vorteilen gehören Stichworte wie „Effizienz“, „Fortschritt“ und „bessere (Arbeits-)Ergebnisse“, während Begriffe wie „Überwachung“, „Gefühllosigkeit“ oder „fehlender Datenschutz“ die Negativskala anführen.

„Der KI-Zukunftskompass zeigt, dass wir noch mehr über Künstliche Intelligenz sprechen müssen“, schlussfolgert Bolle. „Kunden und Anwender müssen nachvollziehen können, auf welchen Grundlagen eine KI bestimmte Entscheidungen trifft.“ Das sei ein Diskurs, der auf gesellschaftlicher und nicht allein auf wirtschaftlicher Ebene zu führen sei.

„KI muss in die Schulen“

Der KI-Zukunftskompass zeigt auch: je ausgeprägter die Kenntnisse im Bereich KI, desto höher ihre Akzeptanz in der Bevölkerung. So bewerten 81 Prozent der Befragten, die sich selbst als technologieaffin bezeichnen und nach eigener Einschätzung über fundiertes Wissen in dem Bereich verfügen (22 Prozent), Künstliche Intelligenz als grundsätzlich positiv. In der Gruppe derjenigen, die sich selbst als wenig techniknah und eher uninformiert einschätzen (20 Prozent aller Befragten), liegt die Zustimmung bei lediglich 27 Prozent.

Bolle: „Chancen und Risiken jeder KI müssen offen und faktenbasiert diskutiert werden.“ Für einen konstruktiven und vorurteilsfreien Austausch sei dabei eine verbesserte Vermittlung der Funktionsweise von Künstlicher Intelligenz notwendig. Nach Meinung von Bolle „muss KI auf den Lehrplan der Schulen, zumindest als freiwilliges Zusatzangebot.“

Bosch will sich in jedem Fall verstärkt mit KI auseinandersetzen: Innerhalb der kommenden zwei Jahre sollen 20.000 Mitarbeiter fit in diesem Feld werden. Zudem ist geplant, dass alle Bosch-Produkte ab 2025 über KI verfügen, damit entwickelt oder hergestellt werden.

Details zum KI-Zukunftskompass

Interessiert Sie das Thema Künstliche Intelligenz? Alle Artikel dazu finden Sie in unserer Hot Topic „Künstliche Intelligenz“.

Bildergalerie

  • Welche Vorteile erhoffen sich Befürworter von KI?

    Bild: Bosch

  • Und welche Nachteile befürchten die Gegner?

    Bild: Bosch

  • Mensch oder Maschine: Wo wird wem mehr vertraut?

    Bild: Bosch

  • Wo sollte KI verstärkt zum Einsatz kommen?

    Bild: Bosch

  • Die vier KI-Typen und ihre Einstellung zu der Technologie

    Bild: Bosch

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel