Kautschuk aus Löwenzahnsaft zu gewinnen könnte eine nachhaltige Möglichkeit für die Reifenproduktion darstellen.

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Kautschuk-Versuchslabor eröffnet Löwenzahn für die Winterreifen

13.12.2018

Die weiße Pflanzenmilch im Löwenzahn klebt: Sie enthält Kautschuk. Ein Reifenhersteller will sich das zunutze machen und künftig Kautschuk für Autoreifen aus Löwenzahnwurzeln statt ausschließlich aus tropischen Kautschukbäumen gewinnen.

Versuche, Kautschuk aus Löwenzahn für die Reifenproduktion zu verwenden, gab es unter anderem in der Sowjetunion schon in den 1930er Jahren sowie während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch es haperte an geeigneten Pflanzen und einer vernünftigen Extraktionstechnik, wie Professor Dirk Prüfer von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster darlegt.

Prüfer ist Leiter eines Teams, das gemeinsam mit dem Reifenproduzenten Continental nach Möglichkeiten sucht, den Kautschuk aus Löwenzahnwurzeln zu extrahieren. Kürzlich hat Continental in Anklam, Mecklenburg-Vorpommern, ein Forschungs- und Versuchslabor zur Kautschukgewinnung eröffnet. Naturkautschuk ist heute noch für Lkw-Reifen sowie für Winterreifen für Pkw unerlässlich.

„So gut wie vom Kautschukbaum“

An dem Projekt haben Wissenschaftler der Universität Münster und des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, das Julius-Kühn-Institut Quedlinburg und Continental sowie Pflanzenzüchter jahrelang gearbeitet. Als Rohstoff dient Russischer Löwenzahn. Er ist kleiner, besitzt aber einen viel höheren Kautschukgehalt als die einheimische Pflanze, wie Prüfer erläutert. Die Wurzel bestehe zu etwa 15 Prozent aus Kautschuk.

„Schon bei den ersten Experimenten zeigte sich, dass der Kautschuk so gut ist wie vom Kautschukbaum“, sagt der Wissenschaftler. Inzwischen sei der Löwenzahn züchterisch so optimiert worden, dass der Gehalt an Inhaltsstoffen stabil ist.

2017 bauten Landwirte von vier Unternehmen rund um das nahe gelegene Ducherow erstmals in größerem Umfang Löwenzahn an, auf etwa 30 Hektar. Vor Kurzem hat die Ducherower Agrar GmbH nun ihre zwölf Hektar große Fläche abgeerntet. Dabei ist das Blattgrün auf dem Acker verblieben, die Wurzeln wurden nach Anklam gebracht. Es bestünde dabei kein Grund zur Sorge, dass der Löwenzahn sich in der Region verbreitet: Denn der Russische Löwenzahn wildere nicht aus, wie Prüfer versichert.

Im Anklamer Labor werden die Wurzeln in Mühlen mit Wasser zerquetscht, wobei der Kautschuk ausgewaschen wird, ohne dass giftige Lösungsmittel nötig seien. Die Rückstände können in die Biogasanlage gehen oder zu Bioethanol verarbeitet werden. Laut Prüfer verhalte sich das ähnlich wie bei der Zuckerrübenverarbeitung.

Kautschukbedarf umweltfreundlich decken

Die Investition betrug nach Angaben von Continental 35 Millionen Euro, das Land steuerte 11,6 Millionen bei. Mittelfristig sollen auf dem 30.000 m2 großen Areal 20 Jobs entstehen.

„Als erster Reifenhersteller weltweit investieren wir einen derart signifikanten Betrag in die Industrialisierung des Löwenzahnkautschuks“, sagt Continental-Vorstandsmitglied Nikolai Setzer zur Eröffnung des Versuchslabors. Das Unternehmen sehe Russischen Löwenzahn als Alternative und Ergänzung zu dem Rohstoff aus dem Kautschukbaum, um den global steigenden Bedarf umweltverträglich und verlässlich zu decken.

Bei positiven Versuchsergebnissen will Continental den Rohstoff binnen zehn Jahren in der Serienproduktion einsetzen. Ziel sei es im Zuge dessen, größere Wurzeln und einen Ertrag von einer Tonne Kautschuk pro Hektar zu erreichen, so Professor Prüfer von der Wilhelms-Universität. Das entspräche dem Ertrag auf Kautschukplantagen.

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