Wenn wir auf die Lieferkette in der Elektrobranche blicken: Was sind aus Ihrer Erfahrung die drei häufigsten Ursachen für Verzögerungen oder Lieferausfälle?
Aus unserer Erfahrung lassen sich die Ursachen für Lieferprobleme auf drei wesentliche Faktoren zurückführen: Erstens sind es Störungen in den Transportwegen, die durch geopolitische Konflikte, Embargos oder veränderte Zollregime ausgelöst werden und globale Lieferketten empfindlich beeinträchtigen können. Zweitens spielen Abhängigkeiten von Zulieferern eine entscheidende Rolle – der Ausfall einzelner Lieferanten kann die gesamte Produktions- und Lieferkette ins Stocken bringen. Drittens ist eine unzureichende Vorratshaltung von Rohstoffen und Halbfertigerzeugnissen ein strukturelles Risiko. Zwar bindet eine höhere Bevorratung Kapital, bietet jedoch im Gegenzug die notwendige Pufferfunktion, um Schwankungen in der Verfügbarkeit auffangen zu können. Unternehmen, die auf diesen Puffer aus Kostengründen verzichten, sind deutlich anfälliger für Engpässe.
Wie schafft es Finder, diesen Ursachen wirksam vorzubeugen oder ihre Folgen spürbar zu reduzieren?
Finder begegnet diesen Risiken durch eine Kombination aus strategischer Standortentscheidung, konsequentem Lieferantenmanagement und vorausschauender Planung. Durch unsere Produktion in Europa vermeiden wir lange Importstrecken und die damit verbundenen Unwägbarkeiten in der Logistik beziehungsweise der Lieferkette. Bei der Auswahl unserer Zulieferer legen wir besonderen Wert auf Qualität und Verlässlichkeit und steuern aktiv gegen einseitige Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten. Darüber hinaus arbeiten wir mit längerfristigen Planungshorizonten, die eine höhere Bevorratung sowohl von Rohstoffen als auch von unfertigen Erzeugnissen ermöglichen. Dieser Ansatz reduziert unsere Anfälligkeit gegenüber kurzfristigen Marktschwankungen erheblich.
Bleiben wir beim Standortfaktor: Wie unterscheidet sich hier die Situation eines europäisch produzierenden Unternehmens von der eines asiatisch produzierenden Wettbewerbers?
Der entscheidende Vorteil liegt in der geografischen Nähe unserer Produktionsstätten zu unseren Kunden. Produkte, die in Europa gefertigt werden, müssen für den deutschen Markt schlicht nicht importiert werden – das eliminiert Zollverzögerungen und schützt vor den Auswirkungen schwankender Importkosten, wie sie in Zeiten von Handelskonflikten und veränderten Zollregimen regelmäßig auftreten. Wettbewerber mit Produktion in Asien sehen sich hingegen mit deutlich längeren und damit auch störungsanfälligeren Lieferketten konfrontiert. Jede Disruption auf dem Seeweg beispielsweise in der Straße von Hormus oder im Rahmen politischer Spannungen kann dort zu Versorgungsunterbrechungen führen, die sich für uns als europäischen Hersteller schlicht nicht stellen.
Gerade in stark nachgefragten Produktbereichen kommt es häufig zu Lieferengpässen. Wie gelingt es Finder, hier trotzdem lieferfähig zu bleiben?
Unsere Lieferfähigkeit auch in nachfragestarken Phasen ist das Ergebnis konsequenter, langfristiger Unternehmensplanung. Durch unseren erweiterten Planungshorizont – der Beschaffung, Bevorratung und Produktionskapazität gleichermaßen umfasst – sind wir in der Lage, Nachfrageschwankungen und temporäre Engpässe abzufedern, ohne die Versorgung unserer Kunden zu gefährden. Darüber hinaus schließen wir mit ausgewählten Großkunden Rahmenverträge ab, die uns als verlässliche Planungsgrundlage für Produktion und Auslieferung dienen. Dieses Instrument stärkt sowohl unsere eigene Planungssicherheit als auch die unserer Partner.
Welche Puffer- oder Notfallstrategien hat Finder etabliert, um Lieferschwankungen abzufedern?
Die bei anderen Unternehmen als Sondermaßnahmen geltenden Instrumente sind bei Finder integraler Bestandteil unseres operativen Standards. Langfristige Planung in den Bereichen Beschaffung, Bevorratung und Produktionskapazität ist bei uns kein Krisenmanagement, sondern gelebte Unternehmenspraxis. Flexible Produktionskapazitäten an mehreren Standorten sowie eine eigene Logistikinfrastruktur ergänzen diesen Ansatz. Entscheidend ist dabei, dass wir diesen langfristigen Blick nicht nur intern anwenden, sondern auch in unsere Kundenbeziehungen einbringen: Wir streben bewusst langfristige Partnerschaften an, die eine gemeinsame Planung ermöglichen und damit für beide Seiten Stabilität schaffen.
Wie geht Finder vor, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt – nach welchen Kriterien wird hier priorisiert?
Oberste Priorität haben rahmenvertragliche Vereinbarungen – diese Verpflichtungen stehen für uns nicht zur Disposition und werden auch in Engpasssituationen zuverlässig erfüllt. Diese Priorisierung ist nicht willkürlich, sondern spiegelt den Wert langfristiger, verlässlicher Geschäftsbeziehungen wider – und schafft für unsere Partner die Planungssicherheit, auf die sie sich verlassen können.
Wie hat sich die europäische Wertschöpfungskette mit sehr kurzen Lieferzeiten, teilweise von ein bis zwei Wochen in der Praxis bewährt – insbesondere bei Sonderprojekten und Neugeschäft?
Die Praxis bestätigt die Stärken unserer europäischen Wertschöpfungskette eindrucksvoll. Gerade bei Sonderprojekten oder kurzfristig entstehendem Lieferbedarf konnten wir unseren Kunden in der Vergangenheit wiederholt helfen, wo andere Lieferanten aufgrund langer Importwege schlicht nicht reaktionsfähig waren. Besonders während der Coronapandemie haben wir das als unabhängiger europäischer Hersteller unter Beweis gestellt. Die Möglichkeit, Ware direkt aus der europäischen Produktion zum Großhändler zu liefern, ist dabei kein Marketingversprechen, sondern ein konkreter Wettbewerbsvorteil – insbesondere dort, wo Zeit ein kritischer Faktor ist. In der Kombination aus verlässlicher Lieferfähigkeit, hochwertigen Produkten „Made in Europe“ und kompetenter Begleitung durch unseren Außendienst leisten wir einen konkreten Beitrag zur Realisierung von Projekten. Das ist ein wesentliches Wertschöpfungsmerkmal: Unternehmen werden für abgeschlossene Projekte beziehungsweise hergestellte Produkte bezahlt – und genau dabei unterstützen wir sie mit unseren Komponenten.