Ralf Pechmann, Telekom MMS

KI wirkt nicht von allein

Ralf Pechmann ist seit 2018 Geschäftsführer der Deutschen Telekom MMS GmbH und verantwortet das Portfolio „Digital Experience & IT“ für Deutsche Telekom Geschäftskunden. Seit mehr als 20 Jahren begleitet er Unternehmen bei der digitalen Transformation. Sein Fokus liegt darauf, KI so in Organisationen zu bringen, dass daraus messbarer Geschäftsnutzen entsteht. Die Telekom MMS unterstützt Unternehmen dabei, geschäftskritische Prozesse mit KI, digitalen Plattformen und souveränen Architekturen zukunftsfähig zu gestalten – von der Strategie bis zum Betrieb.

Bild: Telekom MMS
15.10.2026

Deutschland muss nicht die größten KI-Modelle entwickeln. Entscheidend ist, ob wir KI besser in industrielle Wertschöpfung übersetzen als andere. Was müssen Unternehmen dafür heute konkret verändern?

Viele Unternehmen investieren in KI. Trotzdem bleibt der Produktivitätsschub häufig aus. Nicht, weil die Technologie zu wenig kann, sondern weil Prozesse, Daten und Verantwortung nicht mitwachsen. Entscheidend ist deshalb nicht das nächste KI-Tool. Entscheidend ist, ob KI Teil der Wertschöpfung wird. Deutschland war immer dann besonders erfolgreich, wenn es neue Technologien in industrielle Stärke übersetzt hat. Nicht unbedingt, weil wir sie als Erste entwickelt haben. Sondern weil wir sie zuverlässig in Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle gebracht haben. Genau darin liegt auch heute unsere größte Chance.

In vielen Gesprächen mit Unternehmen geht es zunächst um Modelle, Anwendungen und technische Möglichkeiten. Die entscheidende Frage ist für mich jedoch eine andere: Wo entsteht aus KI ein messbarer Nutzen? KI führt nicht automatisch zu mehr Produktivität. Sie zeigt zunächst, wie gut ein Unternehmen tatsächlich aufgestellt ist. Sind die Daten verlässlich? Greifen Prozesse ineinander? Arbeiten die Systeme zusammen? Ist geregelt, wer entscheidet und Verantwortung trägt? Das ist eine entscheidende Grundlage. Ich erlebe immer wieder, dass Unternehmen KI vor allem nutzen, um bestehende Prozesse schneller zu machen. Das eigentliche Potenzial liegt darin, Arbeit grundsätzlich neu zu denken. Wer ineffiziente Abläufe automatisiert, skaliert am Ende nur ihre Schwächen. Gerade für die Industrie entscheidet sich hier, ob KI Wirkung entfaltet.

Die größte Herausforderung liegt heute nicht darin, KI einzuführen, sondern darin, Organisationen auf das KI-Zeitalter vorzubereiten. Deshalb beginnt der wirksame Einsatz von KI nicht beim Tool. Er beginnt damit, Arbeit neu zu organisieren. Unternehmen müssen prüfen, welche Arbeitsschritte überhaupt noch notwendig sind, welche Entscheidungen unterstützt werden können und wo Verantwortung eindeutig beim Menschen bleiben muss. Das gilt besonders für KI-Agenten. Wenn Systeme Aufgaben selbstständig bearbeiten und Entscheidungen vorbereiten, verändern sich Rollen und Zusammenarbeit. Mitarbeitende brauchen dabei vor allem Klarheit: Welche Aufgaben übernimmt die Technologie? Wie verändern sich Arbeitsabläufe? Welche Kompetenzen werden wichtiger? Und wie stellen wir sicher, dass Geschwindigkeit nicht auf Kosten von Qualität, Sicherheit oder Vertrauen geht?

Gerade die deutsche Industrie hat dafür gute Voraussetzungen: Unser Mittelstand verfügt über tiefes Prozesswissen, technische Erfahrung und eine starke Nähe zur realen Wertschöpfung. Diese Fähigkeiten sind im KI-Zeitalter kein Auslaufmodell. Sie sind ein Wettbewerbsvorteil. Dafür müssen Unternehmen erfolgreiche Pilotprojekte in den produktiven Einsatz überführen. Der Engpass ist dabei selten die Idee. Der Engpass ist die Skalierung. Sie gelingt nur, wenn Daten, Technologie, Prozesse und Verantwortung zusammen gedacht werden.

Unsere Aufgabe als Telekom ist es, genau diese Verbindung herzustellen: von einer souveränen und sicheren technischen Grundlage über die Integration in bestehende Systeme bis zum verlässlichen Betrieb. Nicht jede Anwendung muss spektakulär sein. Sie muss funktionieren, akzeptiert werden und einen konkreten Beitrag zum Geschäft leisten. Deutschland muss nicht jedes Rennen um das größte KI-Modell gewinnen. Aber wir sollten den Anspruch haben, KI besser in industrielle Wertschöpfung zu übersetzen als andere. Daran wird sich entscheiden, ob aus technologischem Fortschritt wirtschaftliche Stärke wird.

Verwandte Artikel