Axians IT Security GmbH

Die Basis zur ISA/IEC-62443-Norm ist das sogenannte Defense-in-Depth-Prinzip: Die Absicherung der Automatisierungstechnik wird wie eine Zwiebel aufgebaut, sodass jeder durchbrochenen Schutzschicht eine weitere Schicht folgt, die Angreifer stoppen kann.

Bild: Pixabay, stux

Defense-in-Depth-Prinzip ISA/IEC 62443: Bürokratie oder greifbarer Nutzen?

13.06.2019

Sabotageangriffe auf industrielle Anlagen können enorme Schäden verursachen. Unternehmen müssen sich deshalb konsequent mit der Sicherung ihrer Netze und Systeme auseinandersetzen. Ein passendes Rahmenwerk bildet hierbei die ISA/IEC-62443-Normenreihe. Doch wie lässt sich der Standard in der Praxis implementieren und welche Vorteile ergeben sich daraus? Eric Dreier, Business Development Manager bei Axians IT Security, fasst die wichtigsten Aspekte zusammen.

Sponsored Content

Ihren Ursprung nahm die Diskussion um die IoT- und OT-Security im Jahr 2010, als die Malware Stuxnet entdeckt wurde. Spätestens seit WannaCry und NotPetya im Jahr 2017 steht fest, dass sich Industrieunternehmen konsequent mit der Sicherung ihrer Netze und Systeme auseinandersetzen müssen. Die ISA/IEC-62443-Normenreihe bildet dafür einen passenden Rahmen.

Die Basis zur ISA/IEC 62443 ist das sogenannte Defense-in-Depth-Prinzip. Es kommt ursprünglich aus dem militärischen Bereich und beschreibt einen Ansatz, bei dem Angriffserfolge durch Ausschaltung oder Umgehung einzelner Sicherheitsmaßnahmen unmöglich gemacht werden. Die Absicherung der Automatisierungstechnik wird nach dem Defense-in-Depth-Ansatz wie eine Zwiebel aufgebaut: Unter jeder durchbrochenen Schutzschicht befindet sich eine weitere Schicht, die Angreifer stoppen kann.

Um dies zu realisieren, müssen sämtliche Komponenten und Systeme sowohl einzeln als auch im Bezug aufeinander abgesichert werden. Hierbei empfiehlt sich ein Vorgehen in vier Schritten, welche im Folgenden erläutert werden.

Schritt 1: Risiken analysieren

Die Praxisumsetzung des ISA/IEC-62443-Standards beginnt mit einer Risikoanalyse der vorhandenen Infrastruktur. Die Norm fordert an dieser Stelle eine sehr detaillierte Bewertung. Zu berücksichtigen sind die Grenzen des zu betrachtenden Systems, grundsätzliche Risiken der Cybersecurity (externe Bedrohungen, interne Schwachstellen) und Auswirkungen von Bedrohungen auf die Infrastruktur.

Zudem müssen mögliche Sicherheitsmaßnahmen identifiziert werden. In der Praxis heißt das: Jede Komponente im ICS (Industrial Control System) muss hinsichtlich ihrer Eigenschaften, ihrer Beziehungen und ihres Kommunikationsverhaltens untersucht werden. Hierfür sind Lösungen erforderlich, die gezielt in das Netzwerk blicken und sämtliche Bausteine automatisiert identifizieren (Stichwort: Asset Discovery).

Schritt 2: Umfassende Absicherung

Für den zweiten Schritt hält die ISA/IEC 62443 einen umfassenden Maßnahmenkatalog bereit. Die Basisanforderungen lauten wie folgt:

  • komplette Identifikation und Authentifizierung der Komponenten

  • Nutzungskontrolle

  • Systemintegrität

  • Vertraulichkeit der Daten

  • eingeschränkter Datenfluss

  • rechtzeitige Reaktion auf Ereignisse

  • Verfügbarkeit der Ressourcen

Übergeordnetes Ziel ist es, Vorgänge, Veränderungen und Zugriffe im ICS vollständig zu kontrollieren. An dieser Stelle empfiehlt sich der Einsatz spezialisierter Lösungen, die Anomalien erkennen und Vorgänge im Industrial Control System transparent machen.

Schritt 3: 24/7-Überwachung

Um den Forderungen der ISA/IEC 62443 zu entsprechen, reicht eine stichprobenartige Überprüfung des Systems nicht aus. Vielmehr fordert die Norm eine vollständige Überwachung in Echtzeit. Für Betreiber von ICS bedeutet das: Sie müssen ein System aufbauen, das sämtliche Vorgänge innerhalb des ICS rund um die Uhr überwacht und bei Abweichungen sofort alarmiert.

Schritt 4: Gefährdungen rechtzeitig beseitigen

Liegen die Daten eines ICS vollständig vor, können Unternehmen optimal auf Gefährdungen reagieren. Die ISA/IEC-62443-Norm fordert jedoch nicht nur eine Überwachung im Hinblick auf Schadsoftware. Auch technische Fehler, welche die Produktion gefährden könnten, müssen betrachtet werden. Hierzu zählen etwa Kommunikationsprobleme oder Überlastungen.

Sämtliche Anomalien – vom Fehler bis zum Schadcode – sollten schnell gefunden, analysiert und behoben werden. In Summe lassen sich ungeplante Stillstände hierdurch auf ein Minimum reduzieren.

Whitepaper zur Thematik

Die skizzierten Schritte erfordern einerseits spezialisierte Ansätze für die industrielle Anomalieerkennung, andererseits Know-how und 24/7-Einsatzbereitschaft. Axians bietet an dieser Stelle mit individuell zugeschnittenen SOC-Dienstleistungen passende Lösungen an, die Unternehmungen jeder Größenordnung dabei unterstützen können, ein ganzheitliches Security-Konzept umzusetzen.

Whitepaper: Security Operations Center (SOC)

Angriffe in IT-Systeme betreffen heutzutage nicht mehr nur den Enduser. Vielmehr sind immer öfter Industrieunternehmen betroffen und das vermehrt am Herzstück ihres Business: der Produktionsanlage. In seinem Whitepaper über Sicherheitskonzepte für industrielle Anlagen informiert Axians über die richtigen Lösungen gegen IT- und OT-Schwachstellen in der Ära des IIoT.

Whitepaper: IT- und OT-Sicherheitskonzept

Bildergalerie

  • Mehr als eine Barriere: das ISA/IEC-62443-Defense-in-Depth-Prinzip.

    Bild: Cyber Internet Security

  • Für die Umsetzung des Defense-in-Depth-Prinzips empfiehlt sich ein Vorgehen in vier Schritten.

    Bild: Axians

Firmen zu diesem Artikel
Verwandte Artikel