Joachim Liedtke, Konstruktionstechniker bei J. Engelsmann, über Siebmaschinen und Siebtechnik.

Bild: J. Engelsmann
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Kurzinterview zu Siebtechnik „Hygienische Maschinen sind im Trend“

16.09.2019

Siebtechnik zählt zu den ältesten Technologien bei der Verarbeitung von Schüttgut. Die P&A sprach mit Joachim Liedtke, Konstruktionstechniker bei J. Engelsmann, über die Anforderungen an Siebmaschinen sowie die Trends in der Siebtechnik.

Welche Faktoren müssen bei der Auslegung von Siebmaschinen berücksichtigt werden? 

Grundlegend für die Auswahl der passenden Siebtechnik ist die Funktion, die die Maschine im Prozess übernehmen soll. Typische Trennverfahren sind die Schutzsiebung, Grob- oder Feinkornabtrennung, Klassier- und Passiersiebung und die Desagglomeration. Ist die grundlegende Funktion des Siebes geklärt, wird die Zielsetzung des Kunden besprochen. In wie viele Fraktionen und in welcher Kornverteilung soll das Siebgut getrennt werden? Wie hoch ist die gewünschte Durchsatzleistung? Eine große Rolle spielen auch die spezifischen Eigenschaften des Schüttguts wie Feuchtigkeitsgehalt, Fließverhalten, Bruchempfindlichkeit und auch die Form des Produkts. Um auch bei schwierigen Produkten optimale Siebergebnisse zu erhalten, ist nicht selten Zusatzequipment erforderlich: Neigt das Produkt zu Steckkornbildung, sollte eine Siebabreinigung installiert werden. Vorgaben bezüglich der Druckdichtigkeit oder ob die Maschine in einer Atex-Zone aufgestellt werden soll, müssen natürlich ebenfalls berücksichtigt werden. Genau wie unterschiedliche Ansprüche an die Reinigbarkeit der Maschine, die Werkstoffe oder Oberflächenbehandlungen.

In der Praxis werden Vibrations-, Zentrifugalsiebe und Hub- beziehungsweise Schwingsiebmaschinen unterschieden. Für welche Anwendungen eignen sich Vibrationssiebe?

Vibrationssiebe haben einen sehr weiten Anwendungsbereich und erreichen trotz der relativ kleinen Amplituden hohe Beschleunigungen, die Steckkorn reduzieren und eine hervorragende Siebleistung garantieren. Die wesentlichen Parameter wie beispielsweise Siebneigung, Einstellwinkel und die Unwucht der Vibrationsmotoren lassen sich schnell und einfach an unterschiedliche Siebaufgaben anpassen und auch dokumentieren. Seitlich angeordnete Vibrationsmotoren ermöglichen sehr kompakte Siebmaschinen mit geringer Bauhöhe, die sich platzsparend in beengten Umgebungen integrieren lassen.

Inwiefern haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an Siebtechnik verändert und mit welchen Trends rechnen Sie in den nächsten fünf Jahren?

Es ist uns wichtig, Trends früh zu erkennen und in unsere Produktentwicklung mit einfließen zu lassen. In den letzten Jahren konnten wir durch modernste Konstruktionsmethoden wesentliche Bauteile unserer Siebmaschinen optimieren. Dadurch sind heute beispielsweise Gehäuseabdeckungen leichter und die Siebmaschinen energieeffizienter. In den nächsten fünf Jahren rechnen wir damit, dass vor allem die Nachfrage nach hygienischen Maschinen steigen wird. Gleichzeitig werden die Ansprüche an die technische Dokumentation sowie die Qualifizierung von Maschinen und Anlagen immer komplexer.

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