Photovoltaik und Windenergie sind gesetzlich bereits als „von überragendem öffentlichem Interesse“ eingestuft, Wasserstoff nicht.

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Analyse von EWI-Daten H2-Bilanz: Deutschland ist nicht Wasserstoff-ready

16.11.2022

Deutschland ist nicht ausreichend auf den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft vorbereitet. So lautet das Ergebnis der H2-Bilanz von E.on. Mit Blick auf das Jahr 2030 stellt sich heraus, dass weder die inländische Erzeugungskapazität von grünem Wasserstoff ausreicht, noch der Importbedarf gedeckt werden kann. Außerdem mangelt es an Infrastruktur zu den Endverbrauchern.

E.on hat auf Basis von Daten des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) seine H2-Bilanz über die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis: Nach jetzigem Stand erreicht die Bundesregierung nur gut die Hälfte ihres Wasserstoff-Ziels für 2030. Unter Berücksichtigung aller bis zu diesem Jahr geplanten Projekte zum Aufbau von Elektrolysekapazität ergibt sich eine Erzeugungsleistung von 5,6 GW. Wenn der Aufbau von nationaler Wasserstoffproduktion nicht schneller voranschreitet, erhöht sich der vorhandene Importbedarf noch weiter.

Auch hier zeigt die H2-Bilanz eine große Lücke auf: Ausgehend von der Dena-Leitstudie, die einen Wasserstoffbedarf von 66 TWh bis 2030 zugrunde legt, beträgt die Importlücke Stand heute 50,5 TWh. Das entspricht etwa dem monatlichen Erdgasverbrauch in Deutschland im September 2022.

Darüber hinaus fehlt es an Infrastruktur, um den Wasserstoff von den Grenzen des Landes – insbesondere den Häfen – bis zu den Kunden zu transportieren, die für ihre Umstellung auf grüne Technologien darauf angewiesen sind. Aktuell gibt es 417 km Wasserstoffnetze, das sind weniger als 0,1 Prozent des deutschen Gasnetzes.

Es fehlt eine eindeutige Definition

„Wir brauchen einen Markt für grünen Wasserstoff – für eine nachhaltige Dekarbonisierung, aber auch für die Diversifizierung von Energiequellen“, sagt E.on-Vorstand Patrick Lammers. „Der globale Wettbewerb um Investitionen in die Wasserstoffindustrie hat nun begonnen. Wir stehen in Deutschland und Europa an einem Scheideweg: Jetzt wird sich zeigen, ob der Aufbau dieses neuen Marktes bis 2030 gelingt. Unsere Wettbewerbsfähigkeit und das Gelingen des Wasserstoff-Hochlaufs sind davon abhängig, ob nun zügig die richtigen Weichen in Politik und Regulierung gestellt werden.“

E.on weist darauf hin, dass es auf EU-Ebene immer noch keine Definition von grünem Wasserstoff gibt. Das hemmt laut dem Energieunternehmen Investitionsentscheidungen, weil Anlagenbetreiber nicht wissen, ob ihre heutige Planung die Kriterien erfüllen wird.

Unsicherheit bremst auch den Aufbau eines Wasserstoffnetzes. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Entflechtung, das sogenannte Unbundling, würde es langfristig nicht erlauben, Erdgas- und Wasserstoffnetze innerhalb eines Unternehmens zu führen. Damit würde den Gasnetzbetreibern der Anreiz fehlen, ihre Netze auf H2 umzurüsten.

Warum H2 „von überragendem öffentlichem Interesse“ sein sollte

Darüber hinaus sieht E.on das Förderumfeld in Deutschland als noch nicht ausgereift genug, damit bis 2030 eine vollständig neue Industrie entstehen kann. Der Markthochlauf erfordert demnach einen pragmatischen Finanzierungsrahmen für Investitionen in Wasserstoffprojekte. Um Unternehmen zur Umstellung auf grüne Alternativen zu bewegen, bedarf es zudem einer Unterstützung bei den Betriebskosten.

Die H2-Bilanz legt nahe, dass die Genehmigungsverfahren für Produktion und Import von Wasserstoff eine massive Beschleunigung benötigen. Die für Windenergie und Photovoltaik geplante gesetzliche Einstufung als „von überragendem öffentlichem Interesse“ sollte laut E.on auch für Wasserstoffprojekte gelten. Für den Bau neuer Wasserstoffleitungen ist diese Regelung in der aktuellen Gesetzgebung bereits aufgenommen worden, allerdings nur befristet bis Ende 2025. Die große Investitionsphase wird nach Einschätzungen von E.on aber erst danach eintreten. Nur, wenn diese Befristung aufgehoben wird, kann es langfristige Planungssicherheit geben.

E.on will seine H2-Bilanz ab sofort alle sechs Monate veröffentlichen. Die datenbasierte Herangehensweise soll einen Beitrag dazu leisten, dass an den richtigen Stellschrauben für einen erfolgreichen Wasserstoff-Hochlauf gedreht wird. In die Analyse fließen außerdem konkrete Projektvorhaben bis 2030 und darüber hinaus ein. Indikatoren sind unter anderem die Erzeugungskapazität von grünem Wasserstoff, Importmengen, Infrastruktur und Kosten.

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