Michel Nicolai, Jahrgang 1981, war nach dem Studium des Wirtschafsingenieurwesens am Karlsruher Institut für Technologie zunächst als Project Lead Emobility bei Lichtblick SE in Hamburg tätig. 2011 wechselte er zur Stadtwerke-Kooperation Trianel nach Aachen, wo er das Plattform-Geschäft verantwortete. Im Sommer 2017 gründete Nicolai gemeinsam mit Szilard Toth, Rolf Benken und Johannes Alte-Teigeler epilot in Köln, deren Geschäftsführer er heute ist.

Bild: E-Pilot

Auf dem Weg in die neue digitale Energieproduktwelt „Energieversorger müssen ihre Kunden mündiger wahrnehmen“

16.09.2020

In den vergangenen Monaten hat der Onlinehandel einen enormen Schub erfahren. Die Vision von epilot ist es, dass auch EVU ihre Energieprodukte so einfach wie möglich online (ver-)kaufen können, ähnlich wie das Shoppen und Verkaufen von Schuhen.

Michel Nicolai ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

Wenn es nach dem Gründer und CEO von epilot geht, dann muss die eigentlich beschleunigte digitale Entwicklung der Energieversorger noch deutlich an Tempo aufnehmen. Seine Bestandsaufnahme beinhaltet eine ganze Reihe von To-dos: Nach wie vor gehe es vor allem darum, die Geschäfte aus der Offline- in die Online-Welt zu bekommen. Erforderlich hierfür sind End-to-end-Strukturen und Automatisierungsprozesse, denn in der eCommerce-Welt zählen laut Michel Nicolai vor allem Transparenz und Geschwindigkeit. „EVU müssen ihr Geld noch konsequenter in neue Geschäftsbereiche investieren. Sonst wird es nicht gelingen, das Zukunftsgeschäft aufzubauen und zu gestalten“, analysiert der Energie- und IT-Experte.

Kunden ins Boot holen

Nicolai sieht auf diesem Weg insbesondere den Bedarf, die Kunden ins Boot zu holen und gemeinsam mit ihnen zu agieren. Seine Botschaft ist eindeutig: „EVU müssen ihre Kunden mündiger wahrnehmen, ihnen mehr Entscheidungskompetenz geben. Wer Kunden nur als reine Abnehmer seiner Produkte und Dienstleistungen sieht, verpasst eine große Chance, sich weiterzuentwickeln und sich Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten.“ Diese Denkweise müsse sich schleunigst ändern.

Stromvertrag und Netflix

Mittlerweile begleitet das Unternehmen mit seinen über 70 Mitarbeitern mehr als 60 Stadtwerke und Energieversorger aller Größen auf ihrem Weg in die neue digitale Energieproduktwelt. Zum Produktportfolio der Kölner zählt unter anderem das Angebot „Commodity plus X“. Im Fokus stehen hier Lösungen, mit denen Versorger ihr Brot- und Buttergeschäft über interessante Bundles sexier und emotionaler machen können. Endkunden haben so die Option, beim Abschluss eines Stromvertrags bei ihrem Stadtwerk zum Beispiel zwei Jahre Netflix gratis dazu zu buchen. Diese Cross- und Upselling-Möglichkeiten werden nach der Beobachtung Nicolais leider viel zu häufig vernachlässigt.

Genau dies ist nach der Einschätzung des Wirtschaftsingenieurs, der im Sommer 2017 gemeinsam mit Szilard Toth, Rolf Benken und Johannes Alte-Teigeler epilot gründete, der USP der IT-Lösung: „Wir bilden alle Prozesse und Produkte ab – von Commodity über Non-Commodity bis Netz. Als besonderen Pluspunkt bewertet er die epilot-Community. „Unsere Kunden prägen unsere Roadmap ganz entscheidend mit – und zwar online wie offline oder technologisch. Hier haben wir unsere Power gebündelt.“ Über das gemeinsame Agieren seien so auch die Kleinen in der Lage, mit den Großen mitzuhalten. Nicolais Fazit ist hier klar: „Die Zeiten, in denen jeder sein eigenes Ding gemacht hat, sind vorbei. Und die, die so weitermachen, wird es nicht mehr lange geben.“

Veränderungen nicht ohne Nebenwirkungen

Dabei weiß der Branchenkenner auch, dass die Veränderungen nicht ohne Nebenwirkungen sind. Als zwangsläufig erachtet er neben einem kulturellen Wandel auch größere Personaleinschnitte. Begleiten will epilot den Weg künftig auch über ein datengetriebenes Entscheidungsmodell. „Die großen Player verfügen über so etwas, wir wollen dies auch bis zum kleinsten Versorger bringen“, sagt Nicolai.

Das Kölner IT-Unternehmen selbst ist schon von Beginn an auf die dynamische Zukunft ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen hier neben einer Kundenzentrierung und einer ausgeprägten Fehlertoleranz- sowie Teamkultur das Thema Transparenz. „Jeder Mitarbeiter weiß zu jeder Zeit, warum er etwas tut und wie sich sein Handeln auf unsere Vision auswirkt und darauf einzahlt“, erläutert Nicolai. Schließlich sei es von großer Bedeutung, dass jeder seinen Mehrwert für das Unternehmen kenne.

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