Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung kommentiert Embargo von Energielieferungen aus Russland?

Kerstin Andreae – Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung und Mitglied des Präsidiums

Bild: Trutschel/BDEW
14.03.2022

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zu den aktuellen Diskussionen über ein Embargo beziehungsweise einen Stopp von Energielieferungen aus Russland über Nord Stream 1.

Es ist verständlich, dass angesichts des Ukraine-Krieges drastische Forderungen aufgestellt werden. Ein Embargo für Energielieferungen aus Russland allerdings hätte massive negative Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und auch auf die Verbraucherinnen und Verbraucher. Bei jeder Maßnahme muss abgewogen werden, ob sie nicht zu untragbaren Verwerfungen führt.

Wir können den Import russischen Erdgases Stand heute nur zum Teil ersetzen. Alternativen wie Flüssigerdgas können helfen, fehlende Mengen auszugleichen. Auch Optionen wie zum Beispiel Biogas stehen aber nur begrenzt zur Verfügung.

Für diese Heizperiode ist auch bei einem Lieferstopp die Gasversorgung gesichert. Ein Lieferstopp würde die Energiewirtschaft und die Industrie vor enorme Herausforderungen stellen. Die Energiewirtschaft arbeitet mit Hochdruck an der Diversifizierung und an Energieeinsparungen und prüft alle Optionen, Gaslieferungen aus Russland möglicherweise zu substituieren. Wir haben in Europa und in Deutschland Sicherungsmechanismen, die in einer Engpasssituation greifen.

In jedem Fall sind Haushaltkunden und Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. Auch würden vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie oder der Wechsel auf andere Energieträger die Nachfrage nach Gas drosseln. Klar ist aber auch, dass ein Lieferstopp starken Einfluss auf die Beschaffung und damit auf die Endkundenpreise hätte.

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