„Im chinesischen Marktumfeld wird Made in Germany sehr geschätzt“.

Bild: Knick

Prozessautomation & Messtechnik „Einen Mehrwert auf Datenbasis erzeugen“

04.09.2015

Dirk Steinmüller, Leiter Marketing und Vertrieb bei Knick, über den steinigen Weg zur Digitalisierung, die Eigenheiten einzelner Branchen und über die Schwierigkeiten, die die Expansion nach China oder Brasilien mit sich bringt.

P&A:

Sie haben erklärt, dass gerade bestimmte Branchen wie die Chemie- und Pharma-Branche eher zurückhaltend in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 sind. Aber ist dieses konservative Denken in diesem Fall nicht auch gerechtfertigt?

Dr. Dirk Steinmüller:

Es gibt wohl kaum eine Branche, die so stark reglementiert ist wie die Pharma-Branche. Jeder Anbieter wird da gerade bei bestehenden Prozessen davor zurückschrecken, auch nur ansatzweise etwas zu ändern. Auf der anderen Seite ist diese Branche aber auch extrem datenhungrig und strengsten Protokollpflichten unterworfen – und das ist eine Chance. Es gibt beispielsweise Pharmakunden von uns, die durchgängig auf Profibus setzen. Und was die Chemie betrifft: Ich glaube schon, dass die Chemie im Grunde in der Akzeptanz für neue Messtechnologien weiter ist als so manch andere Branche. Wenn Sie in einer Brauerei schauen, da gibt’s gar nicht so viele, die wirklich was von Analysemesstechnik verstehen, dagegen ist die Chemie hier schon führend – zumal sie auch selbst neue Analyseverfahren mit selbst gebastelten Schnittstellen einsetzt.

Sehen Sie denn auch Bereiche, in denen sich die digitale Bustechnologie schwer tun wird oder sogar gänzlich ausgeschlossen ist?

Ein Hindernis bei der Verbreitung von Bustechnologie ist speziell der gesamte Ex-Schutz-Bereich. Das Thema Eigensicherheit des Busses ist ein Hindernis, auch wenn da auf der Achema jetzt erste Beispiele gezeigt wurden. Das Vordringen von Ethernet ist dabei eher schwierig. Und Smartphones und Tablets in Chemieanlagen beispielsweise sind für mich aus heutiger Sicht noch schwer vorstellbar. Aber ich glaube, dass die Akzeptanz dafür steigen wird, wenn jüngere Mitarbeiter diese Geräte wie selbstverständlich einsetzen. Für die heutige Generation sind solche Mobilgeräte so geläufig, dass es ganz logisch in alle Industriezweige vordringen werden.

Die Digitalisierung mit dem Ziel der Smart Factory trage, das wird oftmals kritisiert, zum Abbau von Arbeitsplätzen bei. Ist das so oder ändert sich nur die Aufgabe der Mitarbeiter?

Das sind die ganz normalen Prozesse der fortschreitenden Industrialisierung. Genauso wie wir heute viele Roboter sehen, die die Handgriffe des Menschen übernehmen, werden Anlagen in Zukunft auch erleben, dass die Machine-to-machine-Kommunikation zunimmt. Dabei geht 
es nicht nur darum, dass die Maschine Material nachbestellt oder der Kühlschrank sich selber füllt, sondern dass sich auch ganze Produktionsprozesse anders gestalten. Das schließt die Möglichkeit ein, dass man auf die Daten über definierte Schnittstellen zugreifen kann, sodass Dritte die Möglichkeit haben, einen Mehrwert allein auf Basis der verfügbaren Daten zu erzeugen.

Sie sind auch in einigen Auslandsmärkten aktiv, namentlich in China und Brasilien. Wie schaffen sie es, in diesem preissensitiven Märkten das europäische Preisniveau zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben?

Es gibt sicher auch in China einen Massenmarkt, aber den bedienen wir gerade nicht. Da gibt es etablierte Wettbewerber, die genau so etwas machen. In unserem Marktumfeld wird dagegen das „Made in Germany“ sehr geschätzt. Gerade dort setzen wir übrigens überwiegend auf digitale Sensoren und Memosens-Technik. Unser Wettbewerbsvorteil ist vielmehr auch, dass wir im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern dort ein Lager haben und so die Lieferfähigkeit sicherstellen können. Nein – meiner Erfahrung nach ist Südeuropa deutlich preissensitiver als Brasilien oder China – Italien, Frankreich, Spanien zum Beispiel, auch weil dort der Wettbewerb größer ist.

Spielt insbesondere in China das Thema Produktpiraterie und Patentverletzungen eine Rolle?

Ich kenne Fälle, in denen komplette Klemmen kopiert wurden, sodass sich selbst Spezialisten der Firmen schwer tun, Plagiate zu erkennen. In der Regel sind die Kopien aber minderwertig. Man hat auch den Markennamen Knick schon nachgemacht. Da sind wir aber dagegen vorgegangen. Damit muss man leben, wenn man in diesem Marktumfeld Geschäfte macht. Es ist übrigens für kleinere Unternehmen eine echt schwierige Aufgabe, seinen Patentanspruch auch durchzusetzen.

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