Marco Beicht ist Gründer und CEO von Powercloud. Der Unternehmer gründete bereits davor mehrere Firmen, darunter 2004 Intellishop, die er bis 2010 als Vorstand führte. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft, Karemha Holding, ehemals MBB Technologies Group, ist er zudem an weiteren Unternehmen beteiligt, wie dem Elektromobilitäts-Spezialisten Chargecloud. Beicht studierte unter anderem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), bevor er seinen MBA-Abschluss erlangte.

Bild: Powercloud

Transformation Dynamische Software für dynamische Märkte

07.12.2020

Der Ersatz der SAP-Lösungen bei EnBW und Eon durch die SaaS-Cloud-Lösung von Powercloud war ein Paukenschlag in der Branche. Damit drückt das Unternehmen mit agilen Arbeitsmethoden weiter auf das Gaspedal und will so dem Markt ein Stück voraus sein.

Marco Beicht ist mit diesem Beitrag im Energy 4.0-Kompendium 2020 als einer von 50 Machern der Energiebranche vertreten. Alle Beiträge des Energy 4.0-Kompendiums finden Sie in unserer Rubrik Menschen.

In Zeiten der Corona-Krise gibt es wenige Optimisten, Marco Beicht ist einer davon. Der Chef des IT-Unternehmens Powercloud geht davon aus, dass Deutschland vermutlich binnen 18 Monaten zu alter Stärke zurückfindet. In der Energiewirtschaft beschleunigt die Pandemie nach seiner Einschätzung den Trend zur Digitalisierung und Kundenzentrierung weiter. „Wir werden in der Folge mehr mutige Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle sehen“, prognostiziert der IT-Experte. Mut ist sicherlich eine Eigenschaft, die auf den 36-Jährigen besonders gut zutrifft. Direkt nach dem Abitur entwickelte er mit einem Startkapital von 25.000 Euro, das er von seinem Vater bekommen hatte, den E-Commerce-Softwarehersteller Intellishop, der unter anderem für Unternehmen wie T-Mobile und Eismann arbeitet. Damit war auch die Basis gelegt für den Weg in die Energiewirtschaft mit der Gründung von Powercloud. Nachdem er das Unternehmen lange alleine finanziert hatte, ist 2019 der US-Investor General Atlantic mit über 100 Millionen Euro eingestiegen.

Das Unternehmen mit Hauptsitz im südbadischen Achern, sorgte spätestens seit EnBW und Eon zum Kundenkreis seiner Software-as A-Service (SaaS)-Lösung zählen für großes Aufsehen in der Branche. Beicht erläutert die entscheidenden Eigenschaften so: „Wir stellen unseren Kunden eine standardisierte Cloud-Plattform für die energiewirtschaftlichen Prozesse rund um Abrechnung, Marktkommunikation, Zählwesen und Buchhaltung bereit. Alle regulatorischen Änderungen erledigen wir zentral und ohne zusätzlichen Aufwand für die Kunden, so dass diese sich voll und ganz auf Ihre Kundenbeziehungen und die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen konzentrieren können.“ Mittlerweile verwaltet Powercloud nach eigenen Angaben sieben Millionen Endkundenverträge.

Apps für die Energiezukunft

Geschwindigkeit ist dabei für Beicht das entscheidende Kriterium. „Wir sind schneller und agiler als bestehende Systeme und Akteure.“ Zudem konzentriere man sich strikt auf die Ver- und Entsorgungswirtschaft. Der Gründer fasst die DNA seines Unternehmens so zusammen: „Uns umgibt die Gunst der jungen Geburt. Wir sind der frische Wind der Branche.“ Dabei ist ihm durchaus bewusst, dass es nicht sinnvoll ist, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Deshalb arbeite man permanent an der IT-Architektur: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir uns fortlaufend selbst herausfordern müssen, um langfristig erfolgreich am Markt zu sein“, betont Beicht. Derzeit steht der Powercloud App-Store im Fokus. Darüber bieten auch Drittanbieter heute schon zahlreiche Apps an, die weitere Funktionen auf die Plattform bringen. Damit ist laut dem Unternehmer das System so flexibel, dass neue Ideen in kürzester Zeit und mit sehr geringem Aufwand umgesetzt und abgewickelt werden können. „Das Ökosystem wächst mit jedem Partner und Kunden“, betont Beicht.

Dies befeuert eine Marktdynamik, der auch die Kunden des IT-Start-ups ausgesetzt ist. Beicht sieht die Situation so: „Es wird mehr neue Anbieter geben, die mit günstigen Preisen oder innovativen Angeboten um Kunden kämpfen. Gleichzeitig rüsten die bisherigen Player nach und nach auf und wollen mit neuen Plattformen und neuer Stärke Innovationen weiter vorantreiben.“ Einige Marktteilnehmer werden laut dem Badener dieses Innovationsrennen nicht mitgehen können, viele andere werden gestärkt aus diesem herausgehen. Damit schließt er auch Konsolidierungen nicht aus.

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