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Welche Fähigkeit braucht eine Organisation jetzt und morgen? Darüber spricht Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland, im Interview.

Bild: ABB; Andreas Henn

Interview mit Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender ABB Deutschland „Die Digitalisierung hebt die Automatisierungstechnik auf eine völlig neue Stufe“

26.04.2019

Welche Fähigkeit braucht eine Organisation jetzt und morgen? Eine der meist gestellten Fragen, auch wenn es um die Digitalisierung der Industrie geht. Welche Maßnahmen jetzt ergriffen werden müssen, welche Chancen ABB Ability für die Transformation bietet und wie ABB diesen Wandel bestreitet, erklärt Hans-Georg Krabbe, Vorstandsvorsitzender von ABB Deutschland, im Interview.

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publish-industry:

Stichwort: Digital Strategy. Wo steht ABB und wo wollen Sie hin?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Digitale Technologien sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil unserer DNA. Wir statten bei ABB seit über 40 Jahren Geräte und Systeme mit Software und Schnittstellen aus, die für einen reibungslosen Betrieb sorgen. Wir verstehen uns als richtungweisender Technologieführer in der digitalen Industrie und ermöglichen so unseren Kunden, ein neues Maß an Flexibilität, Effizienz und Leistungsfähigkeit. Dabei vereint ABB Ability unser branchenübergreifendes digitales Know-how und erstreckt sich vom einzelnen Gerät über den Netzwerkrand bis hin zur Cloud.

publish-industry:

Welche Innovation treibt ABB derzeit am meisten um?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Das ist eindeutig die Künstliche Intelligenz (KI)! Mit deren Hilfe kann die Autonomie von Systemen ein ganz neues Niveau erreichen. Erstmals in der Technikgeschichte stehen die notwendigen Rechenleistungen zur Verfügung und es existieren valide Daten als Input. Aktuell leisten unsere Forscher und Entwickler Pionierarbeit in den Themenfeldern autonome Systeme und industrielle KI.

publish-industry:

Und in welchen Bereichen macht der Einsatz dieser Sinn?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

In der Industrie der Zukunft werden autonome Systeme die Betreiber dabei unterstützen, rechtzeitig bessere Entscheidungen zu treffen. Dadurch wird das Fachpersonal von alltäglichen, sich wiederholenden Aufgaben befreit und kann sich auf höherwertige Tätigkeiten konzentrieren. ABB ist mit fünf Projekten auf der KI-Landkarte der Plattform Lernende Systeme vertreten, dazu zählen unter anderen Marine Pilot Control, ein dynamisches Positionierungssystem für die Schifffahrt mit automatisierten Navigationsaufgaben und Connected Services, unserer Fernüberwachung von Robotern.

publish-industry:

Hebt die Digitalisierung die Automatisierungstechnik auf eine völlig neue Stufe?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Ja, wir werden eine neue Stufe erreichen. Die aktuellen Digitalisierungstrends stärken Industrie 4.0 förmlich. Cloud, Edge-Computing, 5G – diese Technologien erhalten Einzug in die Fabriken. Gemeinsam mit dem schwedischen Telekommunikationsanbieter Ericsson vertiefen wir deshalb zum Beispiel unsere Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft in der Automatisierung sowie der drahtlosen Vernetzung von Produktionsanlagen. Fertigungsprozesse können so sukzessive verbessert und die Produktivität gesteigert werden.

publish-industry:

Was ist die größte Herausforderung bei der Digitalisierung Ihres eigenen Unternehmens?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Es sind viele Herausforderungen, die gleichzeitig bewältigt werden müssen. Unternehmen müssen vor allem schneller und agiler werden. Mit der strategischen Neuausrichtung fokussiert sich der ABB-Konzern vollständig auf digitale Industrien. Unsere Aktivitäten haben wir in vier unternehmerisch geführte Geschäftsbereiche gegliedert: Elektrifizierung, Industrieautomation, Robotik und Fertigungsautomation sowie Antriebstechnik. So vereinfachen wir unsere Organisation, ermöglichen eine noch stärkere Kundenorientierung und erhöhen unsere Agilität.

publish-industry:

Die Digitalisierung verändert aber auch das Ökosystem eines Unternehmens. Was muss hierbei beachtet werden?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Wir dürfen diesen Wandel nicht nur auf das eigene Unternehmen beziehen, sondern müssen in ganzen Netzwerken denken. Der gesamte Prozess – vom Lieferanten über die Logistik ins eigene Unternehmen und von uns zum Kunden – wird sich massiv ändern. Das heißt: Wir müssen neue Wege wagen. Dazu gehört etwa auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle gemeinsam mit anderen Unternehmen. In Deutschland sind die Freiräume für die gemeinsame Entwicklung von Innovation im vorwettbewerblichen Rahmen zum Teil sehr eng.

publish-industry:

Wie schafft es ABB als großes Unternehmen, dynamisch und agil zu arbeiten?

Hans-Georg Krabbe, ABB Deutschland:

Der Schlüssel zur Agilität liegt für ABB vor allem in Partnerschaften: So kooperieren wir zum Beispiel mit Start-Ups und haben Ende letzten Jahres ein Accelerator-Programm gestartet. Hier können sie, ihre KI-Lösungen im Industriebereich testen und vermarkten. Wir setzen außerdem auf strategische Kooperationen mit Digitalkonzernen wie Microsoft, Hewlett Packard Enterprise, IBM und neuerdings Dassault Systèmes. So wird technologische Digitalexpertise mit unserem Branchenwissen vereint. Gemeinsam mit Dassault Systèmes wollen wir zum Beispiel digitale Zwillings- und Fabrikmodellierungslösungen vorantreiben. IBM ist unser Partner für Anwendungen, welche die prädiktiven Fähigkeiten der Künstlichen Intelligenz nutzen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch Herr Krabbe.

Hans-Georg Krabbe ist Speaker des INDUSTRY.forward Summit 2019. Das Interview führte Anna Gampenrieder, Redakteurin bei publish-industry.

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