Die Plattform Engineering Base soll die Anlagendokumentation stets aktuell halten und Änderungen am As-built-Stand sofort melden.

Bild: Pixabay, TheDigitalArtist

Namur-Konzept im Praxis-Einsatz Damit Anlage und Digitaler Zwilling immer ineinandergreifen

04.12.2018

„Automatisierte Aktualisierung der Anlagendokumentation“ war einer von vier Anwendungsfällen, die im November auf der Namur-Hauptsitzung in einem Workshop zum Praxis-Einsatz der Namur Open Architecture (NOA) vorgestellt wurden. Er veranschaulichte, wie das Engineering vom neutralen OPC-UA-Format auf Basis der NOA profitiert.

In einer Live-Demonstration mit Video-Schaltung in die Anlage demonstrierte der Initiator des Anwendungsfalls, Prof. Dr. Christian Diedrich vom Institut für Automation und Kommunikation (IFAK) der Otto-von-Guericke-Universität, mit Aucotec-Produktmanager Martin Imbusch, wie sich das physische Auswechseln eines Messumformers unmittelbar in der Anlagen-Dokumentation niederschlägt. Das Praxisbeispiel wurde gemeinsam vom IFAK, Aucotec und der Interessen-Gemeinschaft Regelwerke Technik (IGR) für die Präsentation auf der Namur-Hauptsitzung entwickelt. Alle vier Fälle basierten auf der IGR-Versuchsanlage im Industriepark Höchst.

Web-Anbindung und durchgängige Dokumentation

Die kooperative Plattform Engineering Base (EB) des System-Entwicklers Aucotec soll sich nicht nur wegen ihres OPC-UA-Verständnisses und ihrer Web-Anbindung für die Kommunikation mit einer Anlage eignen. EBs universelles Datenmodell zeigt zudem die Änderung eines realen Objekts in der Anlage automatisch in all seinen dokumentierten Repräsentanzen an, wie P&ID, Stromlaufplan, Stückliste und so weiter. Zusätzlich macht EB via Data-Tracking-Funktion und History-Anzeige nachvollziehbar, wer was wann geändert hat.

Zwillings-Status aufrechterhalten

Für die Live-Demonstration wurde die Versuchsanlage über ihren OPC-UA-Server mit Aucotecs Azure-Cloud verbunden. EB empfängt in bestimmbaren Intervallen die Live-Daten der Anlage. In EBs Datenmodell erscheinen dann an jeder Stelle, die den Sensor in irgendeiner Form darstellt, die Hinweise zur Änderung.

Jeder Bearbeiter jeder Disziplin soll dadurch sofort wissen, ob und welche Konsequenzen zu ziehen sind. Darunter fallen beispielsweise, die Verdrahtung anzupassen, Spezifikationsblätter zu aktualisieren oder neue Revisionsstände zu erzeugen.

Damit meldet die Anlage Änderungen ihres As-built-Stands automatisch, und die Dokumentation zeigt immer den neuesten Stand – ohne Redlining, Papier oder händische Übertragungen. Wartungs- und Umbauarbeiten sollen im Zuge dessen erheblich erleichtert und übersichtlicher werden. Der Digital Twin bleibt dabei keine Momentaufnahme; EB kann nach Herstellerangaben als erstes System den Zwillings-Status permanent aufrechterhalten.

Diedrich zeigte sich beeindruckt von der Lösung: „Sie bringt uns einen großen Schritt weiter. In wenigen Sekunden wird der Austausch nicht nur erkannt, sondern lässt sich automatisch in die Dokumentation, die so stets aktuell ist, eingliedern. Mit File-basierten Systemen wäre diese Art der Kommunikation mit der Anlage nur sehr bedingt hilfreich, da sie Änderungen nur blattbezogen umsetzen könnten.“

Bildergalerie

  • OPC-UA-Verständnis und Web-Anbindung sind Voraussetzungen für die Kommunikation von Anlage und Engineering-System.

    Bild: Aucotec

  • Änderungen in der realen Anlage schlagen sich direkt in EBs Dokumentation nieder.

    Bild: Aucotec

  • Prof. Dr. Christian Diedrich vom Institut für Automation und Kommunikation (IFAKT) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

    Bild: Wolfgang Krebs, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

  • Martin Imbusch, Produktmanager bei Aucotec.

    Bild: Aucotec

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