Erst durch Gemeinschaftsforschung zwischen kleinen und mittleren Unternehmen sowie Hochschulen und Instituten werden sichere Batteriekästen für Elektroautos, grüner Wasserstoff in der Glasherstellung, Palmölalternativen in Backwaren, Düngemittel aus Hüttenschlacken oder wärmereflektierende Möbel realisierbar. Doch im Bundeshaushalt 2027 sollen die Förderungen für die angewandte Forschung erheblich reduziert werden. „Es ist der falsche Weg, in einer derart wirtschaftlich angespannten Situation ausgerechnet bei den Programmen zu kürzen, die auf Innovationen aus dem Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, einzahlen“, so AIF-Vorstand Thomas Reiche.
Mittelstand als Rückgrat und doch wird hier gespart
„Die Mittelstandsforschung braucht Rückendeckung statt Kürzungen. Die sich abzeichnenden Einschnitte sind inakzeptabel“, reagiert Thomas Reiche, Vorstand der AIF – Allianz für Industrie und Forschung auf die Zahlen im aktuellen Bundeshaushaltsentwurf 2027. „Es ist der falsche Weg, in einer derart wirtschaftlich angespannten Situation ausgerechnet bei den Programmen zu kürzen, die auf Innovationen aus dem Mittelstand, dem Rückgrat der deutschen Wirtschaft, einzahlen.“ Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) machen mittelständische Unternehmen 99 Prozent der deutschen Wirtschaft aus.
Die Zahlen hinter den Einschnitten
Für die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) sowie die Förderung der Innovationskompetenz mit gemeinnützigen Industrieforschungseinrichtungen (INNO-KOM), allesamt BMWE-Förderprogramme für die angewandte Forschung, sind erhebliche Kürzungen geplant. So plant die Regierung für ZIM und IGP im kommenden Jahr 539 Millionen Euro ein; im Haushalt für 2026 waren es noch 558 Millionen Euro. Auch bei der IGF wären die Einschnitte massiv: Hier soll 2027 um 11,5 Millionen Euro (2026: 178,5 Millionen Euro) auf 167 Millionen Euro gekürzt werden. INNO-KOM würde im kommenden Jahr 65 Millionen Euro erhalten, 2026 waren es noch 71,5 Millionen Euro.
Mit Bezug auf die europaweit einzigartige Gemeinschaftsforschung betont Reiche die Schlüsselrolle der Forschungsvereinigungen der AIF und beschreibt sie als „Katalysatoren im deutschen Innovationssystem“. Er erklärt: „Sie sind das Dach, unter dem mittelständische Unternehmen gemeinsam mit Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen ergebnisorientiert forschen können. Förderungen wie die der IGF oder des ZIM schaffen die Voraussetzungen dafür, dass innovative Produkte und Technologien schnell, praxisnah und bedarfsgerecht entwickelt werden. Sie machen sichere Batteriekästen für E-Autos, Grünen Wasserstoff in der Glasherstellung, Palmölalternativen in Backwaren, Düngemittel aus Hüttenschlacken oder wärmereflektierende Möbel erst real.“ Hier liege das klare Potenzial für den Aufschwung und eine dauerhafte Weltmarktfähigkeit des deutschen Mittelstands.
Innovationsbremse in der Krise
Der AIF-Vorstand äußert sich zum am 7. Juli 2026 vom BMWE beschlossenen Antragsstopp für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM): „Das bremst Innovationen aus dem Mittelstand in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage sehr stark aus. Das ZIM gilt als Flaggschiff unter den Förderprogrammen für den Mittelstand. Die AIF steht zur Verfügung, um gemeinsam eine Lösung zugunsten des forschenden Mittelstandes zu finden. ZIM muss offen bleiben!“
Laut AIF, die seit mehr als sieben Jahrzehnten als Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik agiert, wären eine Milliarde Euro für die Mittelausstattung der BMWi-Forschungsförderprogramme nötig: 600 Millionen Euro für das ZIM, 300 Millionen Euro für die IGF und 100 Millionen Euro für INNO-KOM.