An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit sich die Situation entscheidend verbessert?

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Umfrage: Der Windenergie-Ausbau stockt noch immer Wie lässt sich Hängepartie auflösen?

30.11.2020

Trotz aktuell leicht besserer Zubauzahlen bei Windenergieanlagen, liegen die Genehmigungen immer noch deutlich unter den erforderlichen 4.700 MW, die für die Erreichung der Klimaziele notwendig wären. Mit der auf den Weg gebrachten EEG-Novelle sollen diese Defizite beseitigt werden. Dabei stellt sich die Frage: An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit sich die Situation entscheidend verbessert?

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  • Wolfram Axthelm, Geschäftsführer Bundesverband WindEnergie: Deutschland als zentraler Ankermarkt der Windenergie hat zuletzt schwer gelitten. Für die Industrie wie für den Klimaschutz ist dies dramatisch. Nun wacht die Politik auf, beeindruckt durch die zig-tausende Jugendliche, die mit FridaysforFuture demonstrieren. Der Klimaschutz gewinnt an Bedeutung. Es scheint, dass der deutsche Windmarkt vor einem Comeback steht. Einen Baustein dafür sind die steigenden Genehmigungen, die sich die Branche eigenständig erarbeitet hat. Ein weiterer Baustein muss das Repowering werden. Während der Bestand eine durchschnittliche Anlagenkapazität von 1,8 Megawatt hat, sehen wir bei Neugenehmigungen bereits 4,2 Megawatt. Deutschland kann weltweit der größte Repowering-Markt werden. Die Politik hat in den letzten Jahren abwartend auf den Energiemarkt geschaut. Jetzt muss gehandelt werden. Das EEG 2021 kann Impulse setzen. Wenn dies gelingt, können wir Durchstarten. Die Branche ist vorbereitet.

    Bild: BWE

  • Hans-Dieter Kettwig, CEO von Enercon: Ein Meilenstein ist die Festschreibung, dass die Errichtung von EE-Anlagen im öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient. Wir begrüßen die Aufhebung der wirkungslosen Netzausbaugebiete, die Einführung einer Süd-Bundesländer-Quote und die Verlängerung der Förderkulisse bis auf 60-%-Standorte. Die Bundesländer stärker auf die Zielerreichung festzulegen und sie an umfangreiche Berichtspflichten zu knüpfen, ist ebenso zielführend wie eine Wertschöpfungsbeteiligung für Kommunen. Obwohl die drängendsten Probleme der Branche bereits vom BMWi zusammengefasst wurden, vermissen wir konkrete Lösungsvorschläge für den künftigen Ausbau. Denn ohne eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und weitere Flächenbereitstellung sowie eine Repowering-Strategie wird Deutschland die gesteckten Gigawatt-Ziele nicht erreichen. Die EEG-Novelle wird den Zielvorgaben hier leider nicht gerecht und führt in der Branche zur Verunsicherung.

    Bild: Enercon

  • Torsten Szielasko, Geschäftsführer von Gaia: Die EEG-Novelle enthält einige positive und einige problematische Themen. So ist der Eingriff in die Vergütungssicherheit des EEG durch die Änderung in §51 nicht annehmbar. Dadurch würden sich die Zeiten ohne EEG-Vergütung auf das Jahr gerechnet von neun auf zwölf Prozent erhöhen. Dieses unkalkulierbare Risiko trägt keine Bank mit, was die Finanzierung neuer Anlagen von normalen Planern und Betreibern erschwert. Zudem sollte die vorgeschlagene Einführung einer „Südquote“ statt bei 15 Prozent der Ausschreibungsmenge bei 20 Prozent beginnen und bereits ab 2022 auf 25 Prozent angehoben werden. Zudem sollte im Gebiet der „Südquote“ einen „Südbonus“ etwa in Höhe von 0,5 Cent/kWh geben. Ferner empfiehlt sich eine klare Repowering-Strategie und eine vernünftige Anschlussförderung für Anlagen, die ab 01.01.2021 aus der EEG-Vergütung fallen. Einige Ausarbeitungen kommen zum Ergebnis, dass diese Anlagen Preise von 4 bis 4,5 Cent/kWh benötigen, um wenigstens kostenneutral laufen zu können.

    Bild: Gaia

  • Markus Lesser, Vorstandsvorsitzender der PNE: Der Vorschlag zur EEG-Novelle enthält positive Ansätze: Dass die Erneuerbaren und damit auch Windenergie sowie PV nun als im öffentlichen Interesse definiert werden, ist ein wichtiger Punkt. Aktuell aber hakt es weiterhin. Bei der Windenergie an Land sind nach wie vor längere Genehmigungsverfahren zu beobachten. Das verzögert und behindert Projekte. Auch müssen Hürden gesenkt werden, um bestehende Standorte durch Repowering zu erhalten und im Interesse von Klima und Naturschutz effizienter zu gestalten. Erfreulich ist, dass die Bundesregierung über die Problematik der Altanlagen und bessere Möglichkeiten des Repowering diskutiert. Kontraproduktiv sehe ich die geplante Verschärfung für die Nichtvergütung von sauberem Strom bei negativen Strommärkten. Bei der Windenergie auf See warten wir trotz erhöhter Ausbauziele auf verlässliche Rahmenbedingungen. Nach wie vor wurde nichts zur Änderung eines uneffektiven Ausschreibungssystems getan.

    Bild: PNE

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