Volle Freiheit fürs HMI

Wie eine neue Bedienphilosophie die Nutzung von Schleifmaschinen verändert

KEBA Industrial Automation GmbH

Die neue Bedienphilosophie macht Schleifmaschinen intuitiver, flexibler und präziser in der täglichen Anwendung.

Bild: Keba
11.05.2026

WMT Leipzig ist ein junges Unternehmen im technologisch anspruchsvollen Markt der Rund- und Spitzenlosschleifmaschinen. In diesem Markt sind Präzision, Prozessstabilität und eine hochwertige Konstruktion entscheidend. Mit nur 25 Mitarbeitenden entwickelt WMT Leipzig Maschinen für den Mutterkonzern Jiangsu Xinsu Group. Eine der Herausforderungen bei dieser Entwicklung war es, ein Bedienkonzept zu entwickeln, das den besonderen Anforderungen der Industrie und der Innovationskraft des Unternehmens gerecht wird.

2021 kam es zum ersten Kontakt: Auf der EMO in Mailand sprach WMT Leipzig das Keba-Team an – mit einer klaren Vision: eine moderne, völlig frei gestaltbare HMI-Oberfläche, die unabhängig vom Steuerungshersteller ist.

Die Herausforderung: volle Freiheit, volle Daten, volle Kontrolle

WMT Leipzig stand im Jahr 2021 vor dem kompletten Neuaufbau der Anlagen. Es gab weder ein bestehendes Bedienpult noch eine passende HMI-Software. Für ihre anspruchsvollen Anforderungen bot der Markt allerdings kaum Optionen.

Die Lösungen namhafter Anbieter waren zwar für Dreh- und Fräsaufgaben sehr gut geeignet, für Schleifanwendungen, insbesondere für das Spitzenlosschleifen, jedoch nur sehr rudimentär. Hinzu kam, dass WinCC Unified für die Sinumerik-Anbindung weder freigegeben noch die Unterstützung sichergestellt war. Dadurch war vor allem die zentrale Anforderung schwierig zu erfüllen.

Stefan Cämmerer, Leiter der Software-Entwicklung und Elektrokonstruktion bei WMT Leipzig, sagt: „Wir waren auf der Suche nach einer HMI-Software, die uns volle Freiheit bei der Gestaltung der Oberfläche gibt und uns Zugriff auf alle NCK-Daten ermöglicht.“ Für die High-End-Maschinen von WMT Leipzig war die Bedienoberfläche das Herzstück und sollte ein einzigartiges Nutzererlebnis ermöglichen.

Und dieses Vorhaben war durchaus ehrgeizig. Denn nicht nur inhaltlich, sondern auch zeitlich war es eine große Herausforderung: Das Ziel war, innerhalb von nur zehn Monaten eine lauffähige HMI auf der ersten Maschine von WMT Leipzig auf der CIMT 2023 in Peking zu präsentieren.

Die Lösung: Keba-Software als Gamechanger

Mit dem für WMT Leipzig maßgeschneiderten Bedienpanel AP 524 mit Force Feedback, dem KeWheel und der klaren „Software First“-Strategie fand WMT Leipzig, wonach sie suchten. Besonders entscheidend waren die Offenheit und Leistungsfähigkeit der Software. „Keba ist einzigartig, was Software-Funktionalitäten angeht“, so Cämmerer. „Das gesamte Framework von Keba ermöglicht es uns, unsere eigene Bedienphilosophie ohne Einschränkungen umzusetzen. Diese Art der Flexibilität und Offenheit kannten wir bis dato nicht.“

Die Entwickler von WMT Leipzig schätzen, dass das Keba Software Framework volle JavaFX-Funktionalität unterstützt. Dadurch können sie sämtliche Java-Applikationen, -Schnittstellen, -Visualisierungen und -Bibliotheken integrieren und nutzen.

Cämmerer führt ein Beispiel an, das die Vorteile dieser JavaFX-Funktionalität verdeutlicht: „Wir können am HMI live vorberechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Werkstück beim Schleifen eine unerwünschte Polygonform bekommt, und dieses Ergebnis nutzen, um im Schleifprozess entsprechend entgegenzuwirken. Der mathematische Teil dieser Aufgabe stammt aus einer Optimierungsbibliothek der Java-Welt. Als Feature ist das von unschätzbarem Wert.“

Die Vorteile von Force Feedback und KeWheel

Die Force-Feedback-Technologie (haptisches Feedback am Panel) setzt WMT Leipzig vor allem bei sicherheitsrelevanten RealTime Widgets ein – etwa für Funktionen wie „Maschine Ein/Aus“ oder „Zyklus Start/Stopp“.

Bislang wurden dafür Hardware-Tasten verwendet. „Wir wollten eine saubere Oberfläche, sprich möglichst viel der Bedienung unter Glas, und hatten uns zum Ziel gesetzt, die Tastenleiste auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch steigt einerseits die Übersichtlichkeit (und somit die Bedienergonomie) andererseits die Flexibilität, in der HMI immer nur die Tasten anzuzeigen, die gerade benötigt werden. RealTime Widgets über Force Feedback waren hier die ideale Lösung“, so Cämmerer.

Auch das KeWheel findet bei WMT Leipzig großen Anklang. Die Ingenieure in Leipzig setzen es wahlweise als Vorschub-Override ein, um die Achsgeschwindigkeit bei Verfahrbewegungen zu verändern, als Spindel-Override, um die Drehzahl der Spindeln zu beeinflussen, oder als Handrad, um Achsen inkrementell zu verfahren und die Maschine µm-genau einzurichten.

Die Umschaltung der Modi des KeWheels erfolgt dabei wahlweise (und in Abhängigkeit von der Betriebsart der Maschine) durch „Durchtoggeln“ mittels „Klick“ (= Druck) auf das KeWheel bzw. durch direkte Anwahl über das HMI (Bedieneroberfläche) oder die SPS.

Zusätzlich nutzt WMT Leipzig die Möglichkeit, den Vorschub-Override gezielt aus dem NC-Programm oder der PLC heraus auf 0 Prozent zu setzen. Dadurch können sich Bediener, besonders vor kritischen Bewegungen der Maschine, zunächst mit langsamer Geschwindigkeit an eine neue Situation herantasten, ohne jedes Mal zuerst manuell den Override zudrehen zu müssen. Das erhöht die Ergonomie, besonders bei einrichtintensiven Prozessen, und vermindert das Risiko von ungewollten Kollisionen.

Cämmerer ergänzt: „Ein großer Vorteil liegt darin, dass ein einziges KeWheel für all diese Funktionen genutzt werden kann. Wir als Hersteller können selbst entscheiden, an welchen Maschinentypen welche Modi zur Verfügung stehen, und setzen trotzdem immer die gleiche Hardware ein.

Partnerschaft auf Augenhöhe

Was Keba und WMT Leipzig verbindet, ist nicht nur die Technik, sondern auch die Art der Zusammenarbeit. Cämmerer: „Wir haben einen echten Draht zueinander entwickelt. Die Zusammenarbeit mit Keba ist wie die Lösung, die sie uns angeboten haben: einzigartig.“ Offen, produktiv, wertschätzend und zielorientiert: Genau so beschreibt WMT Leipzig die Partnerschaft.

Blick nach vorne

Heute kommen bereits drei Maschinentypen mit Keba-Hardware und -Software zum Einsatz. Trotz aktueller wirtschaftlicher Herausforderungen durch Entwicklungen in den Märkten bleibt die Technologieausrichtung von WMT Leipzig eindeutig High-End und Keba ein zentraler Entwicklungspartner.

Die nächsten Schritte? Gemeinsam entwickeln WMT Leipzig und Keba eine neue HMI-Werkzeugverwaltung. Weitere Projekte sind bereits in Planung.

WMT Leipzig ist ein beeindruckender Beweis dafür, dass ein junges Unternehmen in einem Markt mit Mut zur Innovation und der richtigen Software-Plattform seinen Platz erkämpfen kann.

Bildergalerie

  • Stefan Cämmerer, Leiter Software-Entwicklung und Elektrokonstruktion bei WMT Leipzig

    Stefan Cämmerer, Leiter Software-Entwicklung und Elektrokonstruktion bei WMT Leipzig

    Bild: Keba

Verwandte Artikel