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Cloud-Computing in der Energiewirtschaft Wachstumspotenzial mit Hilfe der Cloud

06.04.2018

Im Zuge der Energiewende war die Energiewirtschaft in der Vergangenheit einer ganzen Reihe von Veränderungen unterworfen. Durch die zunehmenden Digitalisierung bieten sich jetzt ganz neue Chancen – zum Beispiel in Verbindung mit Cloud-Computing.

Neben der Liberalisierung der Märkte und einem damit einhergehenden stärkeren Wettbewerb erlebte die Branche durch die Energiewende einen geradezu atemberaubenden Wandel. Wie auch in anderen Industriezweigen vollzieht sich darüber hinaus momentan ein weiterer Trend, der insbesondere im Hinblick auf die Energiewende für die Branche von enormer Bedeutung ist: Durch die zunehmende Digitalisierung wird es im Grunde jetzt erst möglich, den Herausforderungen zu begegnen, die mit dem abnehmenden Anteil zentral gewonnener Energie einhergehen.

Im Zuge dieser Digitalisierung halten auch verschiedenste neue Technologien Einzug im Energiesektor. Neben digitalen Verbrauchsmessgeräten (Smart Meter) und intelligenten Stromnetzen (Smart Grids), die vor allem aufgrund der zunehmend dezentralen Energieerzeugung beziehungsweise aufgrund des Bedarfs an einer effizienteren Energieverteilung eingesetzt werden, rückt das Thema Cloud-Computing in den Fokus des Interesses. Gerade für Unternehmen aus der Energiewirtschaft bietet Cloud-Computing im Rahmen der digitalen Transformation viele Vorteile.

Anforderungen an die IT wachsen

Die Herausforderungen, die mit den Umwälzungen der vergangenen Jahre einhergingen und noch immer nicht bewältigt sind, führen bei einer Vielzahl von Unternehmen zu einem Umdenken hinsichtlich der Bedeutung von IT. War diese früher oftmals nur ein Hilfsmittel, um das Unternehmen am Markt zu unterstützen, so ermöglicht IT heute, weiteres Wachstum zu generieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Zum Beispiel lassen sich die durch IoT-Geräte wie Smart Meter generierten Daten analysieren und daraus Trends für zukünftige Entwicklungen ableiten. Dabei muss eine moderne Unternehmens-IT, besonders im Falle der Energiewirtschaft, wesentliche Anforderungen erfüllen, um die digitale Transformation zu bewältigen. Dazu zählen:

  • Flexibilität: eine gesteigerte Reaktionsfähigkeit hinsichtlich der Kundenbedürfnisse und der Marktentwicklung durch eine vereinfachte Integration von neuen Funktionen

  • Agilität: die Anpassungsfähigkeit und -geschwindigkeit bei der Entwicklung und dem Einsatz neuer Verfahren mit dem Ziel, Produkte und Services schneller bereitstellen zu können

  • Skalierbarkeit: die Anpassungsfähigkeit der vorhandenen IT-Ressourcen an den jeweils aktuellen Bedarf

  • Stabilität: die Absicherung der Unternehmensprozesse mit Hilfe ausfallsicherer, hochverfügbarer IT-Systeme.

Um die IT eines Betriebes auf diese Anforderungen vorzubereiten, stellen sich vor allem Unternehmensentscheider in kleinen und mittelständischen Unternehmen zusehends die Frage, wie der Transformationsprozess möglichst kosten­effizient gestaltet werden kann. Im Rahmen dieser Überlegungen lohnt sich eine nähere Betrachtung des Potenzials von Cloud-Computing.

Vielfältiges Cloud-Computing

Die Einsatzmöglichkeiten von Cloud-Computing sind vielfältig. Angefangen mit dem Auffangen von Bedarfsspitzen bei den eigenen Rechenkapazitäten, über die Migration der eigenen IT in eine virtuelle Umgebung, bis hin zum Aufbau eigener cloudbasierter Kundenportale, sind eine ganze Reihe von Verwendungszwecken vorstellbar. Speziell für die Energiewirtschaft ist es zunehmend von Bedeutung, regionale Stromerzeuger und ihre Abnehmer zusammenzubringen. Denkbar ist hier der Aufbau eines so genannten Smart Market, also einer intelligenten Cloud-Plattform, mit der das verfügbare Energieangebot (von Energie-Speichern beziehungsweise -Erzeugern) und die Nachfrage in Einklang gebracht und somit gesteuert werden kann. Zusätzlich bietet Cloud-Computing Verbesserungschancen für den Vertrieb und die damit verbundenen Prozesse. Nach der flächendeckenden Einführung der Smart Meter wird es bei Anbieterwechseln möglich werden, schnelleren Zugriff auf die relevanten Daten zu erhalten und den Wechsel somit in kürzerer Zeit und für den Kunden reibungsloser zu vollziehen.

Interessant für Energieversorger ist auch die Verfügbarkeit von zusätzlicher Rechenleistung. Diese kann zum Beispiel benötigt werden, um eine Simulation mit großen Datenmengen durchzuführen. Denkbar sind auch andere rechenintensive Aufgaben wie die Verbesserung von Windkraftanlagen mit Hilfe von ausgefeilten Analysemodellen. Derzeit wird von Energieversorgern Cloud-Computing bereits für Predictive Analytics auf der Grundlage von Machine-Learning-Verfahren eingesetzt. Durch diese Echtzeitanalyse von Daten können sie Vorhersagen von Fehlerfällen treffen. Die Netzstabilität wird somit erhöht.

Mehr Rechenkapazität? Cloud kann helfen

Jedoch steigt durch den Einsatz von Smart Meter und Smart Grid zwangsläufig auch die anfallende Datenmenge an. Zudem führen der zunehmende Informationsbedarf der Kunden sowie leichtere Anbieterwechsel der Endverbraucher zu einem höheren Kommunikationsbedarf, der unter Umständen passende Kundenportale nötig werden lässt. Um diesen Trends zu begegnen, bedarf es einer flexiblen und skalierbaren IT-Infrastruktur. Nicht immer sind Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische, in der Lage, dem zunehmenden Bedarf an Rechenleistung und Datenspeicher durch interne IT-Kapazitäten zu decken.

Die eigenen Kapazitäten der IT-Infrastruktur zu steigern, bedeutet in den meisten Fällen eine hohe Investition, die die betreffenden Firmen sich nicht immer leisten können. Folglich stellt sich diesen Unternehmen die Frage, wie sie kostengünstig ihre IT an die sich verändernden Bedürfnisse anpassen können. Genau an dieser Stelle kommen die Vorzüge von Cloud-Anbietern zum Tragen. Sie stellen Rechenkapazität auf Cloud-Servern sowie Speicherplatz auf Cloud-Speichern zur Verfügung, die je nach Bedarf skaliert werden können. Eine solche Skalierung bedeutet aber auch, dass nur die Rechenleistung Kosten verursacht, die auch tatsächlich genutzt wurde. Somit sind Unternehmen in der Lage, auf eigene IT-Ressourcen zu verzichten, sofern sie diese nur zur Abdeckung von Bedarfsspitzen nutzen.

Ein weiterer Vorteil von Cloud-Computing besteht in der Kostentransparenz – Cloud-Provider informieren in der Regel sehr klar und verständlich über ihre Preispolitik. Dadurch können Unternehmen ihre bedarfsabhängigen Kosten genau kalkulieren. Obgleich sich die Geschäftsfelder von Cloud-Providern und die von Unternehmen im Energiesektor auf den ersten Blick erheblich zu unterscheiden scheinen, gibt es durchaus Überschneidungen. Neben der bereits genannten Preisgestaltung, in der lediglich genutzte beziehungsweise gebuchte Services abgerechnet werden, sind beide Branchen darüber hinaus noch weiteren Zwängen unterworfen. Dazu zählt, insbesondere die Ausfallsicherheit des eigenen Dienstes sicherzustellen. Dies erfordert einen hohen technischen Sachverstand und technische Hardware auf allerhöchstem Niveau. Darüber hinaus sind beide Branchen mit den stetig steigenden Erfordernissen hinsichtlich der Daten- und generellen IT-Sicherheit befasst. Speziell, da es sich bei Energieversorgern um Betreiber einer kritischen Infrastruktur handelt, haben diese besondere Vorkehrungen zu treffen, die einen möglichen Cyberangriff unterbinden und die Kundendaten schützen müssen. Dies gilt gleichermaßen für die Anbieter von Cloud-Computing-Infrastruktur. Insbesondere beim Datenschutz empfiehlt es sich für Unternehmen, einen europäischen Cloud-Provider zu wählen. Denn diese haben aufgrund ihres Geschäftssitzes denselben hohen rechtlichen Datenschutzstandards zu entsprechen, wie die, die für die Energieunternehmen selbst gelten. Hierdurch wird sichergestellt, dass dem Thema Datenschutz beim Provider die nötige Aufmerksamkeit zuteilwird und die Kundendaten sicher sind.

Cloud-Computing als Wachstumsfaktor

Trotz der hohen Anforderungen an den Datenschutz, die Unternehmensentscheider bei der Wahl ihres Cloud-Providers bedenken müssen, bietet der Einsatz von Cloud-Computing viele Chancen, die sich beim Aufbau einer zukunftssicheren IT-Infrastruktur bei Energieanbietern sehr schnell bemerkbar machen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen wachsen durch die Vorteile der Cloud-Nutzung im Rahmen des ansteigenden Bedarfs, ohne eine Kostenexplosion bei neuen IT-Ressourcen zu riskieren. Zudem bietet eine Virtualisierung der eigenen IT-Infrastruktur Einsparpotenziale hinsichtlich der Wartung und der Administration. Darüber hinaus fallen für die zusätzliche Rechenleistung keine weiteren Kosten für Hardware-Upgrades an, da diese bereits in den Preisen der Cloud-Provider enthalten sind.

Neue Technologien wie beispielsweise die Smart Meter und Smart Grids lassen den Bedarf an Rechenkapazität in naher Zukunft sprunghaft ansteigen. Um diesem Trend zu begegnen, sind Cloud-Provider in der Lage, eine Reihe von Bausteinen zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe der Energiesektor Anwendungen entwickeln kann, um seine Kunden flexibel zu bedienen zu können. Flexibilität, Skalierbarkeit und die transparente Preispolitik sprechen für den Einsatz der Cloud in der Energiebranche.

Bildergalerie

  • Durch den Einsatz von Smart Meter und Smart Grid fallen auf der einen Seite viel größere Datenmengen an. Auf der anderen Seite erhöht sich auch der Informationsbedarf bei den Kunden. Viele Unternehmen lösen das über die Bereitstellung von Kundenportalen basierend auf Cloud-Computing.

    Bild: Exoscale

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