Wie Datenanalyse Qualität stabilisiert

Vom schwankenden Rezyklat zur verlässlichen Alternative zur Neuware

Im Projekt „SmartReUSE“ werden Material- und Prozessdaten ausgewertet, um schwankende Eigenschaften von PIR und PCR zu verstehen und konkrete Empfehlungen für Mischung und Verarbeitung abzuleiten.

Bild: publish-industry, Gemini
31.03.2026

Die Kunststoffindustrie steht vor einem Spagat: mehr Rezyklate einsetzen – und dabei die Qualität von Neuware erreichen. Genau daran arbeitet das Projekt „SmartReUSE“. Gefördert von der Europäischen Union und dem Freistaat Bayern, verfolgt es ein klares Ziel: Kunststoffabfälle so aufzubereiten, dass daraus konstant hochwertige Rezyklate entstehen, die sich zuverlässig in neuen Produkten einsetzen lassen.

Unter Rezyklaten versteht man Kunststoffe, die aus Produktionsresten oder aus gebrauchten Produkten zurückgewonnen werden. Man unterscheidet dabei zwischen „Post Industrial Rezyklaten“ (PIR), also Resten aus der Industrieproduktion, und „Post Consumer Rezyklaten“ (PCR), die aus bereits genutzten Produkten wie Verpackungen stammen. Beide Arten sollen im Projekt künftig stärker genutzt werden, um Erdöl einzusparen und den CO2-Ausstoß zu verringern. „Wir wollen zeigen, dass Recycling-Kunststoffe kein Kompromiss sein müssen, sondern eine echte Alternative zu neuem Material sein können“, erklärt Michael Nase, Projektleiter und Leiter des Instituts für Kreislaufwirtschaft der Bio:Polymere der Hochschule Hof (ibp).

Datenanalyse statt langwieriger Testreihen

In der Praxis ist der Einsatz von Recycling-Kunststoffen oft schwierig, weil ihre Eigenschaften schwanken. Mal sind sie besonders fest, mal weniger belastbar, mal verändern sie sich bei Hitze anders als erwartet. Diese sogenannten thermischen Eigenschaften beschreiben das Verhalten bei Temperaturveränderungen. Die sogenannten rheologischen Eigenschaften geben Auskunft darüber, wie gut ein Kunststoff im geschmolzenen Zustand fließt und sich verarbeiten lässt. Physikalisch-chemische Eigenschaften betreffen zum Beispiel die Zusammensetzung und Struktur des Materials. Hinzu kommen die mechanischen Eigenschaften, also etwa Festigkeit oder Dehnbarkeit des fertigen Bauteils. Im Projekt werden all diese Eigenschaften genau untersucht und dokumentiert.

Die dabei entstehenden Material- und Prozessdaten werden mit Hilfe einer Mustererkennungssoftware ausgewertet. Das bedeutet: Ein Computerprogramm sucht in großen Datenmengen nach wiederkehrenden Zusammenhängen zwischen Materialzustand, Verarbeitungseinstellungen und der Qualität des Endprodukts. Auf dieser Grundlage entstehen konkrete Empfehlungen, etwa zum Mischverhältnis verschiedener Kunststoffe oder zum Einsatz von Additiven und Stabilisatoren. Additive sind Zusatzstoffe, die bestimmte Eigenschaften verbessern, beispielsweise die Haltbarkeit. Stabilisatoren sorgen dafür, dass das Material bei Hitze oder Licht weniger schnell altert.

„Unser Ziel ist es, Unternehmen klare und verständliche Handlungsempfehlungen zu geben“, so Michael Nase. „Sie sollen schneller entscheiden können, welche Mischung und welche Maschineneinstellung zum gewünschten Ergebnis führen.“

Enge Zusammenarbeit mit Unternehmen der Region

Das Projekt wird an der Hochschule Hof in enger Zusammenarbeit zwischen den Instituten ibp und dem Institut für Informationssysteme (iisys) sowie mehreren Industriepartnern umgesetzt. Letztere sind unter anderem Recycler KomRec-ReCond, die kunststoffverarbeitenden Unternehmen Kirschneck, BKW Kunststoff, Wikutec und Kunststofftechnik Schnitzler, der Analysegerätehersteller Erich Netzsch und das Softwareunternehmen Smartlytic. Durch auf die Unternehmen abgestimmte Recyclingprojekte wird die entwickelte Mustererkennungssoftware validiert und für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) nutzbar gemacht.

Das Projekt läuft von 2025 bis 2028. Im ersten Teilprojekt werden verschiedene Ströme aus gebrauchten Verpackungskunststoffen vom Typ PCR-HDPE untersucht. HDPE steht für „Polyethylen hoher Dichte“, einen besonders stabilen und weit verbreiteten Kunststoff, der häufig für Flaschen oder Kanister verwendet wird. Ziel ist es, dieses Material so aufzubereiten, dass daraus wieder hochwertige Folien hergestellt werden können.

Förderung

„SmartReUSE“ ist ein Technologietransferprogramm, das durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union und durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie kofinanziert wird.

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