Mit oder ohne? Plastikverpackungen sind gerade bei Obst und Gemüse eher unbeliebt.

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Studie zur Nachhaltigkeit Verbraucher würden mehr für nachhaltige Lebensmittelverpackungen zahlen

26.04.2022

Kunden sind bereit, mehr Geld für Verpackungen auszugeben, die sie selbst für nachhaltig halten. Das hat eine aktuelle Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ergeben. Konventionelles Plastik schneidet dabei erwartungsgemäß schlecht ab, ebenso aber Biokunststoff.

In die Auswertung der nicht-repräsentativen Studie flossen Angaben von rund 260 Personen ein. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) hat sie durchgeführt, da frühere Studien zur Akzeptanz von Verpackungsmaterialien ihren Fokus oft auf wenige Verpackungsalternativen legten. Befragte konnten sich beispielsweise nur zwischen konventionellem und Bioplastik entscheiden. Bei Letzterem handelt es sich um eine Gruppe von Kunststoffen, die biologisch abbaubar sind und/oder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. „Eine breitere Optionsvielfalt, die beispielsweise auch unverpackte Produkte einbezieht, wurde in der Forschung bislang zu wenig berücksichtigt“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Sebastian Rhein.

In der neuen Studie konnten die Befragten deshalb, ähnlich wie bei einem Einkauf im Supermarkt, zwischen verschiedenen Produktalternativen mit unterschiedlichen Verpackungen wählen, die sich auch im Preis unterschieden. Zusätzlich sollten sie eine Rangfolge für Verpackungsmaterialien nach ihrer Nachhaltigkeit erstellen und Angaben zu ihrem Wissen über einzelne Verpackungsmaterialien sowie ihren Wünschen bezüglich Produktverpackungen beim täglichen Einkaufen machen.

Unverpacktes als Spitzenreiter

Besonders beliebt waren in der Untersuchung unverpackte Lebensmittel, vor allem bei Obst und Gemüse. Aber auch Recyclingplastik- und Papierverpackungen wurden gegenüber konventionellem Plastik bevorzugt. „Die von uns befragten Konsumentinnen und Konsumenten zeigten sich durchaus bereit, mehr Geld für Alternativen zu konventionellen Plastikverpackungen auszugeben, wenn sie diese als nachhaltiger empfinden. Selbst wenn sie dafür, wie im Falle von unverpackten Lebensmitteln, quasi weniger erhielten“, sagt Dr. Katharina Sträter, Wirtschaftswissenschaftlerin an der MLU.

Es zeigte sich außerdem, dass die Wahrnehmung der Befragten nicht mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema übereinstimmen muss. Problematisch ist dabei vor allem, dass es bisher keinen generellen Konsens darüber gibt, welches Verpackungsmaterial tatsächlich nachhaltig ist. Hier sehen die Forschenden die Wissenschaft und die Politik in der Verantwortung, Klarheit zu schaffen.

Biokunststoff mit schlechtem Ergebnis

Bioplastik schnitt in der Erhebung besonders schlecht ab, obwohl frühere Studien das Gegenteil gezeigt hatten. Die Befragten gaben an, zu wenig über das Material und seine Eigenschaften zu wissen. „Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass hinter dem Begriff Bioplastik eher ein Produkt vermutet wird, das für die Umwelt genauso schlecht ist wie konventionelles Plastik“, erklärt Co-Autor Christoph Herrmann.

Die Ergebnisse liefern dem Team zufolge auch für den Einzelhandel wichtige Ansatzpunkte. „Bislang gingen viele Unternehmen davon aus, dass ihre Kundschaft nicht dazu bereit ist, mehr Geld für nachhaltigere Verpackungen zu zahlen. Das können wir zunächst einmal nicht bestätigen“, sagt Rhein. „Vielmehr sehen wir: Die Unzufriedenheit mit Plastikverpackungen ist enorm, darin steckt ein großes Potenzial.“

Die Studie des halleschen Teams gibt einige Hinweise für die Lebensmittelbranche, ist allerdings nicht repräsentativ für Deutschland. Ob sich die Ergebnisse auf die gesamte Bevölkerung verallgemeinern lassen, müsste im Rahmen weiterer Untersuchungen überprüft werden.

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