Einsatz von Wärmetauschern Trinkwasserverordnung ändern, um Haushalte zu heizen?

Im Trinkwassernetz steckt viel ungenutzte Energie. Mit Wärmetauschern ließe sie sich zum Heizen verwenden.

18.03.2024

Mittels Wärmetauschern ließe sich Heizenergie klimafreundlich aus Trinkwasser gewinnen. Aktuell verhindert die Trinkwasserverordnung aber einen Einsatz entsprechender Technologien. Der Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft fordert eine Anpassung der Regularien.

60.000 Haushalte in Schleswig-Holstein durch Wärme aus dem Trinkwassernetz heizen – das ist die Idee hinter einem Einsatz von Wärmetauschern. Der Verband der Schleswig-Holsteinischen Energie- und Wasserwirtschaft (VSHEW) fordert hierfür eine Anpassung der Trinkwasserverordnung. Denn die verhindert aktuell eine Wärmeauskopplung aus Trinkwasser.

Das Prinzip ist einfach: Trinkwasser wird im Leitungsnetz durch den Einsatz von Wärmetauschern abgekühlt und die dabei freiwerdende Wärme in Heizenergie umgewandelt. Bei besonders langen Trinkwasserleitungen kann dieses Prinzip mehrfach wiederholt werden, da sich das Wasser im Leitungsnetz durch die Erdwärme immer wieder erhitzt. Die Wärmetauscher-Technologie ist durch die Nutzung anderer natürlicher Wärmequellen wie Oberflächengewässer, Grundwasser, Untergrund (Geothermie) oder Außenluft bekannt und erprobt.

Abschied von „unsinnigen Tabus“

Die 47 größten Wasserversorgungsunternehmen in Schleswig-Holstein liefern jährlich 163 Millionen Kubikmeter Wasser, woraus sich eine nutzbare Wärmemenge von knapp 1 TWh pro Jahr ergibt. Damit könnten 60.000 Haushalte im Land beheizt werden. Das entspricht in etwa der Zahl der Haushalte im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde.

„In Zeiten der Energieknappheit müssen wir uns von unsinnigen Tabus verabschieden und die gesetzlichen Rahmenbedingungen so anpassen, dass sie den heutigen Gegebenheiten entsprechen und mehr Klimaschutz ermöglichen“, sagt Andreas Wulff, Vorstandsvorsitzender des VSHEW und Geschäftsführer der Stadtwerke Brunsbüttel sowie der Stadtwerke Steinburg.

Keine Einbußen bei der Hygiene, sondern Verbesserung

Der VSHEW fordert die Landesregierung auf, sich im Bundesrat für eine Novellierung der Trinkwasserverordnung einzusetzen oder eine entsprechende eigene Landes-Trinkwasserverordnung zu erlassen. „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie ausgerechnet im Klimaschutzland Schleswig-Holstein in großem Stil nachhaltige Energie verschwendet wird“, sagt Wulff.

Dem stimmt auch Prof. Oliver Opel von der Fachhochschule Westküste zu: „Trinkwasser bietet ein großes ungenutztes Potenzial für die Wärmeversorgung. Es wird ohnehin gefördert, und eine Wärmeentnahme stellt keine negative Beeinträchtigung dar. Im Gegenteil, die technische Abkühlung des Trinkwassers würde sogar zu einer hygienischen Verbesserung führen.“

Der VSHEW vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von rund 50 kommunalen Stadt- und Gemeindewerken sowie Versorgungsbetrieben mit einem Gesamtumsatz von zusammen über einer Milliarde Euro. Die VSHEW-Mitgliedsunternehmen versorgen knapp eine Millionen Schleswig-Holsteiner mit Strom, Gas, Wasser und Kommunikationstechnik und beschäftigen über 2.500 Mitarbeiter.

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  • Andreas Wulff, VSHEW-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Stadtwerke Brunsbüttel und Steinburg: „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie ausgerechnet im Klimaschutzland Schleswig-Holstein in großem Stil nachhaltige Energie verschwendet wird.“

    Andreas Wulff, VSHEW-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer der Stadtwerke Brunsbüttel und Steinburg: „Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie ausgerechnet im Klimaschutzland Schleswig-Holstein in großem Stil nachhaltige Energie verschwendet wird.“

    Bild: VSHEW

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