Verdunkelt nur die blendenden Bereiche: die durchsichtige Sonnenblende von Bosch.

Bild: Bosch
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Oldie neu erfunden Digitale Sonnenblende für mehr Durchblick beim Fahren

07.01.2020

Seit knapp 100 Jahren hat sie sich kaum verändert: die Sonnenblende in Autos. Heruntergeklappt schirmt sie zwar Sonnenstrahlen ab, nimmt dem Fahrer aber auch einen großen Teil der Sicht auf die Straße. Bosch hat deshalb eine neuartige Sonnenblende entwickelt, die nur die Teilbereiche verdunkelt, durch die der Fahrer geblendet wird.

Blendendes Sonnenlicht verursacht mehr als doppelt so viele Verkehrsunfälle wie Nebel, Glätte oder andere Witterungsbedingungen – 3.756 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2018 in Deutschland. Auch wenn Sonnenblenden Autofahrer vor störendem Gegenlicht schützen, versperren sie oft auch große Teile des Sichtfeldes.

Mit dem Virtual Visor, einer transparenten und digitalen Sonnenblende, erfindet Bosch den „Oldie“ neu. Es handelt sich dabei um ein transparentes LCD-Display und eine auf den Fahrer ausgerichtete Kamera. Durch intelligente Algorithmen wird auf dem Display immer nur der Teil verdunkelt, aus dem die Sonne den Fahrer sonst blenden würde. Der Rest des Displays bleibt durchsichtig.

„Besonders wenn Autofahrer morgens und abends von der tiefstehenden Sonne geblendet werden, geraten klassische Sonnenblenden an ihre Grenzen“, sagt Dr. Steffen Berns, Vorsitzender des Bereichsvorstands des Geschäftsbereichs Car Multimedia bei Bosch. Der Virtual Visor soll dieses Problem nun lösen.

Digitale Sonnenblende lässt Sichtfeld so groß wie möglich

Der Virtual Visor arbeitet mit einer Innenraumkamera, die das Gesicht des Fahrers während der Fahrt erfasst. Intelligente Algorithmen auf Basis von Künstlicher Intelligenz erkennen dabei sowohl die Gesichtspartien wie Augen, Nase und Mund als auch den Schatten, den die Sonne auf das Gesicht des Fahrers wirft.

Die Kamera analysiert so permanent, wohin der Fahrer gerade blickt, und verdunkelt nur einen kleinen Bereich auf dem Display. Dadurch entsteht ein Schatten ausschließlich im Bereich der Augen des Fahrers.

„Viele Autofahrer stellen die traditionelle Sonnenblende dauerhaft so ein, dass ihre Augen im Schatten sind“, sagt Jason Zink, Technikexperte bei Bosch in Nordamerika und einer der Miterfinder des Virtual Visor. „Diese Erkenntnis war für unser Konzept von entscheidender Bedeutung.“ Denn deswegen entstand im Entwicklungsprozess die Idee, LCD-Technologie zu nutzen, um das Sichtfeld des Autofahrers so groß wie möglich zu belassen.

Prototyp aus der Recyclingtonne

Entwickelt wurde der Virtual Visor von drei Ingenieuren, die sonst Antriebslösungen entwickeln. Das Team um Zink baute nach einer Konzeptphase erste Muster, um sich für eine interne Finanzierung ihres Projekts zu bewerben.

„Wie bei vielen Ideen, die sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden, hatten wir am Anfang kaum Geld und andere Ressourcen“, erzählt Zink. „Der erste Prototyp, den wir zur Präsentation unseres Konzeptes genutzt haben, entstand aus einem alten LCD-Bildschirm, den wir in einer Recyclingtonne gefunden hatten.“

Die Idee und der erste Prototyp konnten letztendlich überzeugen. Das Team sicherte sich die Unterstützung von Führungskräften und entwickelte weitere Versionen des Systems. Heute ist der Virtual Visor Teil des Entwicklungsangebots von Bosch Car Multimedia.

Premiere auf der CES 2020

Der Virtual Visor hatte auf der CES 2020 in Las Vegas seine Weltpremiere. Die Organisatoren der Elektronikmesse zeichneten die digitale Sonnenblende hierbei mit dem Best of Innovation Award aus. Eine Jury aus Designern, Ingenieuren und Vertretern von Technikmedien vergaben in der Kategorie In-Vehicle Entertainment & Safety ihre höchste Wertung an die Bosch-Innovation. In einer weiteren der insgesamt 28 Kategorien wurde der Virtual Visor zudem mit einem Honoree-Award prämiert.

Bildergalerie

  • Die altbekannte Sonnenblende nimmt heruntergeklappt einen beträchtlichen Teil des Sichtfelds ein.

    Bild: Bosch

  • Im Gegensatz dazu ermittelt der Virtual Visor mittels intelligenter Algorithmen die Augenpartie des Fahrenden und schirmt diese gezielt ab.

    Bild: Bosch

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