Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Vogt-Plastic verarbeitet pro Jahr die Kunststoff-Abfälle von rund fünf Millionen Einwohnern. Im Fokus steht der vollumfängliche Recycling-Prozess von Leichtverpackungen – also allem, was im Gelben Sack oder der gelben Tonne landet. „Dieses Material wird bei uns getrennt, gewaschen, sortiert, aufbereitet und schlussendlich zu einem Granulat weiterverarbeitet“, sagt Benjamin Vogt, Projektleiter in der Anlagenplanung des Unternehmens. Dieses Konzept ist in der Branche durchaus ungewöhnlich, denn meist kümmern sich jeweils verschiedene Firmen um die Sortierung und das Recycling.
1978 hat Namensgeber Josef Vogt die Firma gegründet, inzwischen arbeiten rund 380 Mitarbeiter an den Standorten im südbadischen Rheinfelden, in Rickenbach sowie im Werk Premnitz in Brandenburg. Das Granulat kommt in verschiedenen Anwendungen zum Einsatz, darunter in Rohren, in Gartengeräten, im Transport oder in Drogerieprodukten. „Wir verkaufen vornehmlich im DACH-Raum“, erklärt Vogt. Während des Recyclingprozesses ist man in den Werken des Unternehmens an verschiedenen Stellen darauf angewiesen, die Produkte von A nach B zu bringen. Dazu nutzt man bei Vogt Rohrkettenförderer von Wessjohann fördertechnische Systeme.
Flexibilität gab den Ausschlag
Über eine Messe kam der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen zustande. Überzeugend war für Vogt Plastic vor allem die Flexibilität der Wessjohann-Rohrkettenförderer. Die Platzverhältnisse in den Werken sind eng, gleichzeitig sind die Verfahrwege für die Kunststoffe sehr komplex. Ergänzend dazu war man auf der Suche nach einem System, das nur eine kleine Anschlussleistung benötigt, ohne auf die Förderleistung zu verzichten. All das konnte Wessjohann liefern.
Die Rohrkettenförderer sind passgenau auslegbar, bieten eine gute Energieeffizienz und stellen die zuverlässige Förderung vieler Schüttgüter sicher. Das Unternehmen von Geschäftsführer Hubertus Weßjohann hat in der Vergangenheit auch bereits Systeme für Kohle-, Glas-, Viskose-, Zellulose- und sogar für Getreidefasern umgesetzt.
Geringer Stromverbrauch
Rohrkettenförderer zeichnen sich nicht nur durch ihre Flexibilität aus, sie arbeiten gegenüber anderen Systemen, die beispielsweise auf pneumatischer Förderung basieren, sehr energieeffizient. Die Antriebsmotoren haben einen Stromverbrauch von lediglich 0,75 kW. Die Kunststoffe bei Vogt-Plastic laufen in den Förderstrecken durch ein 60er-Edelstahlrohr. Das System ist vollständig abgedichtet, sodass nichts nach außen gelangt. Bei Vogt-Plastic werden ausschließlich Kunststoff-Flakes nach dem Wasch- und Mahlprozess gefördert, sie weisen eine Größe von bis zu sechs mm auf. Die Förderstrecke im Recycling-Unternehmen liegt im Schnitt zwischen 30 und 50 m, wobei vereinzelt auch längere Strecken realisiert wurden.
„Für diese Entfernung sind die Rohrkettenförderer tatsächlich prädestiniert“, erklärt Benjamin Vogt. Die in der Lösung verbauten Edelstahlketten weisen so gut wie keinen Verschleiß auf, die Förderteller können schnell ausgetauscht werden. Generell hat Vogt-Plastic nur sehr wenig Wartungsaufwand, was für den Projektleiter ein weiterer Pluspunkt ist. Den bestehenden Wartungsaufwand möchte man sogar noch senken: Während die Ketten derzeit regelmäßig nachgespannt werden müssen, arbeiten Wessjohann und Vogt-Plastic aktuell daran, eine automatische Kettennachspannung zu realisieren. „Wir sind dazu in Gesprächen und möchten das künftig bei uns testen“, sagt Vogt.
Für die beiden Unternehmen ist es ganz typisch, gemeinsam neue Wege zu gehen. In der Vergangenheit hat Vogt-Plastic auch einmal das damals neue 90er-System von Wessjohann getestet. Von den Ergebnissen profitierten beide Partner. „Wir sehen uns ein Stück weit auch als Entwicklungspartner und sind immer offen dafür, neue Produkte zu testen“, versichert Vogt. Steht ein neues Projekt an, dann verlässt sich das Projektteam auf den kurzen Draht zu Wessjohann. „Wir haben über die Jahre eine wirklich sehr gute Zusammenarbeit mit Wessjohann etabliert“, so Benjamin Vogt. Er profitiert von den schnellen Antwortzeiten, die Ausfälle maßgeblich verkürzen. „Ich kann wirklich nichts Negatives berichten, wir sind sehr zufrieden und arbeiten gerne mit Wessjohann zusammen“, heißt es von den Badenern.
STEP-Dateien für CAD-Planung
Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Firmen ist sehr transparent, was sich auch in der Anlagenplanung zeigt. Anders als andere Firmen plant Vogt-Plastic seine Förderstrecken komplett selbst, ist dazu auch auf die CAD-Dateien der verbauten Komponenten angewiesen. „Wir haben inzwischen eine Sammlung an STEP-Dateien von Wessjohann erhalten, mit denen wir die Anlagen bequem planen können“, erklärt Benjamin Vogt. Sollte es dennoch einmal zu Fragen kommen, dann steht Wessjohann den Kunststoffrecyclern beratend zur Seite.
Zuverlässigkeit rund um die Uhr
Mit den Rohrkettenförderern von Wessjohann hat sich Vogt-Plastic für ein zuverlässiges System entschieden, das einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb möglich macht. Das Team der Firma arbeitet im 24/6-Betrieb bis in den Sonntagmorgen hinein, die Ausfallsicherheit ist für die Recycler zentral. „Die Anlage wird aus diesem Grund auch per Drehgebersignal überwacht“, sagt Benjamin Vogt. Sollte einmal eine Kette brechen, dann würde das System sofort stoppen. Bisher ist es noch nicht zu einem Kettenbruch gekommen.
Dass man bei Vogt-Plastic weiterhin auf das Fördersystem von Wessjohann vertraut, das ist im Unternehmen gesetzt. Für Benjamin Vogt ist die Förderung die Grundlage für einen effizienten Prozess und somit ein wichtiger Baustein in der Steigerung der Recyclingquote von Kunststoffen.