Vollvakuumtechnik gegen Chlorgasaustritt

Sichere Chlorgasdosierung für weltweite Trinkwasserversorgung

Die neue Anlage kann bis zu 35 kg Chlor pro Stunde dosieren.

Bild: Lutz-Jesco
27.08.2026

Obwohl Chlorgas als Gefahrstoff gilt, ist es in vielen Regionen der Welt für die sichere und wirtschaftliche Desinfektion großer Wassermengen unverzichtbar. Lutz-Jesco erweitert deswegen seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich sicherer Chlorgastechnologien. Mit dem Ziel den Umgang mit Chlorgas weiter zu verbessern und die Trinkwasserdesinfektion noch sicherer zu gestalten.

Chlorgas ist ein hochwirksames Desinfektionsmittel, gilt aber auch als Gefahrstoff. Es gibt immer wieder Medienberichte über Chlorgasaustritte in Schwimmbädern, Evakuierungen oder Verletzte nach technischen Defekten oder Bedienfehlern. „Entsprechend kritisch wird der Einsatz des Gases diskutiert. Dennoch bleibt es in Zukunft für die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen weltweit unverzichtbar“, sagt Dr. Helge Oesinghaus, Desinfektionsspezialist bei Lutz-Jesco.

Zwar existieren heute zahlreiche alternative Verfahren, darunter UV-Desinfektion, Ozonierung oder Membranverfahren. Doch für die wirtschaftliche Desinfektion großer Wassermengen gibt es vielerorts keine gleichwertige Alternative zu Chlorgas, davon ist Dr. Oesinghaus überzeugt. Entscheidend sei deshalb nicht die Frage, ob Chlorgas eingesetzt wird, sondern wie sicher damit umgegangen wird. „Lutz-Jesco will seine Investitionen in Forschung und Entwicklung künftig weiter ausbauen, um Chlorgasdosieranlagen kontinuierlich sicherer zu machen und den verantwortungsvollen Einsatz der Technologie weltweit zu unterstützen.“

Systemlösungen machen Chlorgasanlagen sicherer

Im Fokus der Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Lutz-Jesco stehen Systemlösungen, die Sicherheitsrisiken schon bei der Anlagenplanung minimieren. Lutz-Jesco entwickelt vollständig kompatible Gesamtsysteme, bei denen alle Komponenten aus einer Hand stammen, aufeinander abgestimmt sind und ihr Zusammenspiel umfassend getestet wurde. Auf Wunsch integriert Lutz-Jesco die Chlorgasanlagen in reisefertige Seecontainer, die beispielsweise in Krisengebieten zum Einsatz kommen. Die Chlorgasdosiersysteme arbeiten zudem im Vollvakuum. Bei einer mechanischen Beschädigung der Leitungen trägt das System dazu bei, einen unkontrollierten Austritt von Chlorgas zu verhindern. Und bei einer sachgerechten Auslegung und dem ordnungsgemäßen Aufbau des Gesamtsystems erscheint ein Chlorgasaustritt wenig wahrscheinlich. Zum Sicherheitskonzept zählen darüber hinaus Funktionen wie Gasfilter, Abblaseventile, Gaswarngeräte, Chlorwäscher und Wassersprühanlagen.

Auch Know-how aus der Normungsarbeit fließt in die Entwicklung neuer Sicherheitslösungen ein. Thomas Beutel, Experte für dosiertechnischen Anlagenbau bei Lutz-Jesco, engagiert sich seit vielen Jahren in der Normungsarbeit. Er ist unter anderem Obmann des DIN-Arbeitskreises DIN 19606 „Chlorgasanlagen in der Wasseraufbereitung“. Darüber hinaus arbeitet er in Fachgremien von DIN, DVGW, DGfdB, BSW und figawa mit. Seine Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung technischer Standards und neuer Sicherheitslösungen bei Lutz-Jesco ein.

Bevölkerungsschutz in einem Entwicklungsland

Wie moderne Chlorgastechnologie zur Verbesserung der Trinkwasserqualität beitragen kann, zeigt ein aktuelles Projekt in einem Entwicklungsland. Die bestehende Trinkwasserinfrastruktur war nicht mehr in der Lage, das Rohwasser ausreichend aufzubereiten. Dadurch bestand das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung durch mikrobiologische Verunreinigunger.

Im Rahmen einer Modernisierung wurde ein bestehendes Trinkwasserwerk daher mit einer zeitgemäßen Chlorgasdosieranlage ausgestattet. Das Herzstück der Anlage ist ein Vollvakuum-Chlorgasdosiergerät, das in Verbindung mit einer Mess- und Regeltechnik die Chlorgasmenge präzise steuert und über einen Injektor in den Wasseraufbereitungsprozess einbringt.

Die neue Anlage kann bis zu 35 kg Chlor pro Stunde dosieren. Dadurch konnte die tägliche Aufbereitungskapazität des Wasserwerks von rund 39 auf bis zu 72 Millionen l Trinkwasser erhöht werden. Dies verbessert die Versorgungssicherheit und trägt wesentlich zur hygienischen Qualität des Trinkwassers bei.

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