Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Herausforderung heute weniger im Bewusstsein für Risiken liegt als in deren Einordnung, Priorisierung und konsequenten Berücksichtigung im Unternehmensalltag. Aus den Erkenntnissen lassen sich sechs zentrale Handlungsempfehlungen ableiten.
Sechs Handlungsempfehlungen für Unternehmen
1. KI als Risiko und Chance bewerten
In vielen Unternehmen wird KI vor allem als Treiber neuer Cyberrisiken wahrgenommen. Tatsächlich verschärft die Technologie bestehende Bedrohungen, etwa durch glaubwürdigeres Phishing oder die automatisierte Erstellung betrügerischer Inhalte. Gleichzeitig eröffnet sie aber auch neue Möglichkeiten für die Erkennung, Analyse und Abwehr von Angriffen. Der AI-Security-Report 2026 zeigt, dass lediglich 27 Prozent der Befragten KI gleichermaßen als Chance und Risiko für die Cybersicherheit betrachten. Wer KI ausschließlich als Risiko bewertet, läuft Gefahr, ihre Potenziale für die eigene Sicherheitsstrategie zu übersehen.
2. Transparenz über KI-Einsatz schaffen
Laut AI-Security-Report wissen 24 Prozent der Befragten nicht, ob im eigenen Unternehmen bereits KI zur Cyberabwehr eingesetzt wird. Diese Unsicherheit deutet auf fehlende Transparenz hin. Wer den aktuellen Status nicht kennt, kann weder Risiken noch Potenziale realistisch bewerten. Ein klarer Überblick über vorhandene KI-gestützte Sicherheitsfunktionen bildet deshalb die Grundlage für fundierte Entscheidungen und gezielte Weiterentwicklungen. Hilfreich kann dabei eine Bestandsaufnahme sein, die vorhandene KI-Tools, Verantwortlichkeiten und Anwendungsbereiche systematisch erfasst.
3. Prioritäten an KI-Risiken ausrichten
Die Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und Priorisierung wird besonders deutlich: Während 55 Prozent der Befragten KI-gestütztes Phishing als größte Sorge nennen, messen lediglich 19 Prozent Investitionen in KI-gestützte Cybersicherheit höchste Priorität bei. Zwischen Risikowahrnehmung und Investitionsbereitschaft entsteht dadurch ein Widerspruch.
Sicherheitsverantwortliche sollten deshalb regelmäßig überprüfen, ob ihre Prioritäten tatsächlich der aktuellen Bedrohungslage entsprechen und ob vorhandene Budgets, Ressourcen und Projekte diesem Anspruch gerecht werden. Ein sinnvoller erster Schritt kann sein, bestehende Security-Roadmaps daraufhin zu überprüfen, ob KI-bezogene Risiken und Schutzmaßnahmen ausreichend berücksichtigt werden.
4. KI-Pilotanwendungen strategisch verankern
Viele Unternehmen setzen KI vor allem in klar abgegrenzten Bereichen wie der E-Mail-Filterung oder der Phishing-Erkennung ein. Solche Anwendungsfälle liefern wichtige Erfahrungen, entfalten jedoch nur begrenzte Wirkung, wenn sie isoliert bleiben. Entscheidend ist der nächste Schritt: erfolgreiche Einzelinitiativen in übergreifende Sicherheitskonzepte einzubetten und systematisch weiterzuentwickeln. IT-Verantwortliche sollten deshalb prüfen, in welchen Bereichen KI bereits eingesetzt wird und wie sich diese Ansätze in bestehende Sicherheitsprozesse und Governance-Strukturen integrieren lassen.
5. Mitarbeitende auf KI-basierte Angriffe vorbereiten
Die Sorge vor KI-gestütztem Phishing und Deepfakes zeigt, dass Unternehmen die Risiken zunehmend erkennen. Gleichzeitig werden Phishing-Nachrichten, Deepfakes und andere Formen digitaler Täuschung zunehmend professioneller und schwerer zu erkennen. Klassische Awareness-Maßnahmen stoßen dadurch an ihre Grenzen. Gefragt sind praxisnahe Konzepte, die Mitarbeitenden Orientierung im konkreten Ernstfall geben: Wie lassen sich verdächtige Inhalte bewerten? Wann sollte ein Vorfall gemeldet werden? Und an wen?
Je klarer diese Fragen beantwortet sind, desto schneller und sicherer können Organisationen reagieren. Dazu sollten Unternehmen klare Meldewege, Eskalationsprozesse und Entscheidungsverantwortlichkeiten für verdächtige Vorfälle definieren und regelmäßig üben.
6. Reaktionsfähigkeit regelmäßig prüfen
Der Report zeigt: Lediglich acht Prozent der Unternehmen schätzen ihre Fähigkeit, auf neuartige Bedrohungen und Zero-Day-Angriffe zu reagieren, als sehr hoch ein. Absolute Sicherheit bleibt deshalb ein unrealistisches Ziel. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, neue Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen, Vorfälle schnell einzuordnen und wirksam einzudämmen. Resilienz entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Geschwindigkeit, Transparenz und eingespielte Prozesse. Regelmäßige Übungen, Simulationen und die Überprüfung bestehender Incident-Response-Pläne helfen dabei, die eigene Reaktionsfähigkeit realistisch einzuschätzen und gezielt zu verbessern.
Fazit: KI ist noch nicht operative Realität
Der AI-Security-Report 2026 zeigt vor allem eines: Die Diskussion über KI hat die Unternehmen längst erreicht, die operative Realität jedoch vielerorts noch nicht. Die meisten Organisationen erkennen die wachsenden Risiken, haben daraus aber noch keine durchgängigen Konsequenzen für ihre Sicherheitsstrategie abgeleitet.
Wer KI-Risiken wirksam begegnen will, muss die Technologie nicht nur beobachten, sondern gezielt in Prozesse, Prioritäten und Entscheidungsstrukturen integrieren. Die entscheidende Herausforderung liegt damit weniger in der Technologie selbst als in ihrer konsequenten Anwendung.
Informationen zur Umfrage
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 03. bis 11.03.2026 insgesamt 517 Unternehmensentscheider befragt. Die Erhebung wurde quotiert und die Ergebnisse gewichtet. Die Befragten setzen sich repräsentativ nach Beschäftigtenanteil pro Unternehmensgröße, nach Geschlecht und Altersgruppen von Unternehmensentscheidern, nach sechs NACE-Wirtschaftszweigen sowie nach Nielsen-Regionsverteilung von Unternehmen zusammen.