Bei der Herstellung von Kartoffelchips fallen unter anderem Kartoffel- und Stärkereste an, die sich in Biomethan umwandeln lassen.

Bild: Pixabay, Fotorech

Energieträger aus Abfall Reststoffe von Kartoffelchips zu Biomethan umwandeln

19.09.2019

Der Biogasanlagenhersteller Weltec hat kürzlich eine Biomethananlage für den französischen Kartoffelchips-Produzenten Altho fertiggestellt. Aus Produktionsabfällen und Klärschlämmen werden dort stündlich 200 Normkubikmeter aufbereitetes Biomethan gewonnen – ungefähr die Menge Gas, die eine Stadt mit 5.000 Einwohnern verbraucht.

Die Anlage für Altho in St. Gérand, Bretagne, wurde von dem deutschen Unternehmen Weltec und seinem französischen Partner Weltec France geplant und errichtet. Bei der Chipsherstellung fallen dort inklusive der Klärschlämme 22.000 t Reststoffe an. Etwa die Hälfte machen Kartoffel- und Stärkereste sowie andere Produktionsabfälle aus; das restliche Substrat sind die Schlämme des Waschprozesses.

Vom Rohgas zum Biomethan

Die festen und flüssigen Substrate werden zunächst im Eintragsystem Multimix angemaischt und zerkleinert. Nach dieser Vorbehandlung gelangt die Mischung in den 4.436 m3 fassenden Edelstahlfermenter und schließlich in einen ebenso großen Nachgärer. Die Gärreste werden letztendlich direkt von Landwirten aus der Region abgenommen und als Dünger genutzt.

Ebenfalls nachhaltig: das Aufbereitungsverfahren des Biogases zu Biomethan. Zu dessen Konditionierung hat Weltec eine Membrantechnik als Containerlösung integriert. „Darin wird das Rohgas durch spezielle Membranstufen geführt und so von CO2, Wasserdampf und anderen Bestandteilen getrennt“, erklärt Alain Priser, der bei Weltec das Frankreich-Geschäft verantwortet. Die dreistufige Separation habe sich bereits in anderen Weltec-Anlagen bewährt und könne den Methanschlupf auf unter 0,5 Prozent senken.

Durch die vorgeschaltete Verdichtung hat das Methan zudem exakt den richtigen Druck, um sich ohne weitere Kompression ins Erdgasnetz einspeisen zu lassen. Die Separation erfolgt bei Raumtemperatur und ohne Zusatz von Chemikalien. So entstehen aus 400 Normkubikmetern Rohbiogas stündlich etwa 200 Normkubikmeter aufbereitetes Biomethan. „Die unterbrechungsfreie Gaseinspeisung sichern wir in St. Gérand mit unserer selbst entwickelten Lomos-SPS-Steuerung“, ergänzt Priser.

300 Biogasanlagen in 25 Ländern

Altho hält mit seiner Chipsmarke Bret’s über ein Drittel des Marktanteils in Frankreich. Mit der neuen Anlage kann sich der Hersteller seinem Kerngeschäft widmen, gleichzeitig aber das Reststoffaufkommen effizient verwerten. Das ist auch notwendig: Denn viele französische Biogasanlagen-Betreiber kämpfen in ihrem Alltag mit technischen Problemen, wie eine Umfrage der Unternehmervereinigung Association technique énergie environnement (ATEE) ergab. Laut dieser hatten 94 Prozent der Anlagenbetreiber technische Probleme, bei 65 Prozent blieb die Wirtschaftlichkeit hinter den Erwartungen zurück – meistens, weil die Technologie nicht den Anforderungen entsprach.

„Unser Team hat viel Erfahrung im Umgang mit den unterschiedlichsten Substraten und legt jede Anlage technisch individuell aus“, führt Priser aus. „Wir haben in den letzten 18 Jahren über 300 Biogasanlagen in 25 Ländern erfolgreich installiert und in Betrieb genommen. Die Mischung aus Made in Germany in Kooperation mit starken Partnern vor Ort verspricht Sicherheit und Effizienz für unsere Kunden.“

Frankreich forciert seit über einem Jahr die Errichtung von Biomethananlagen; ein Maßnahmenpaket der Regierung soll hier eine unbürokratische und zügige Umsetzung von Projekten begünstigen. Mit der Altho-Tochter Sober beteilige man sich an dieser nachhaltigen Kreislaufwirtschaft, sagt Christophe Chrétien, Geschäftsführer der Biogasanlage von Sober. „Außerdem tragen wir zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen und der Energieabhängigkeit der Region bei.“

Bildergalerie

  • Die Biomethananlage im französischen St. Gérand, Bretagne.

    Bild: Weltec

  • Zur Konditionierung des Biogases zu Biomethan hat Weltec eine Membrantechnik als Containerlösung integriert.

    Bild: Weltec

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