Bald läuft die EEG-Förderung aus, was jetzt zu tun ist haben wir Experten der Branche gefragt.

Bild: VDMA; Hans-G.Unrau; BWE, Silke Reents; Foto Grothues; iStock, instamatics

Umfrage: Was nach dem EEG kommt Post-EEG: Fluch oder Segen?

29.08.2019

Im Jahr 2020 läuft für viele Windenergieanlagen die EEG-Förderung aus. Welche Chancen und Risiken sich Anlagenbetreibern dann bieten und welche Bedeutung dies für das Energiesystem hat, haben wir bei Experten der Windenergiebranche genauer erfragt.

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  • Matthias Zelinger, Energiepolitischer Sprecher des VDMA, Geschäftsführer VDMA Power Systems: Das EEG hat Investitionssicherheit geboten, kostensenkendes Volumen ermöglicht und Deutschland eine wettbewerbsfähige industrielle Basis sowie großes System-Know-How gebracht. Neue Erlösströme wie Power Purchase Agreements, die Kombination mit Power-to-X-Technologien, aber auch ein erhöhter Output durch Flottenerneuerungen und Retrofit werden künftig zu wesentlichen Wirtschaftlichkeitsbausteinen. Ein faires System von Steuern, Umlagen und Abgaben, das ein Level Playing Field zwischen fossil befeuerter und erneuerbarer Stromerzeugung ermöglicht, ist ein Muss. Noch ist aber fraglich, ob ein Markt mit großen regulatorischen Risiken langfristige Investitionen erlaubt. Alternativ zum Ende des Vergütungssystems sollte ein System geprüft werden, das Risiken ebenso wie Gewinne teilt.

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  • Daniel Hölder, Geschäftsführer, BayWa r.e. Clean Energy Sourcing: Bald läuft die EEG-Förderung für die ersten bestehenden Windparks aus und es erfolgt der schrittweise Übergang von neuen Erneuerbaren-Energie-Anlagen in den freien Markt, via PPA. Das bietet große Chancen für unterschiedliche Anlagen. Für neue Solaranlagen haben wir erfolgreich erste PPA umgesetzt – also langfristige Abnahmeverträge, die über eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren die Refinanzierung von Anlagen ganz ohne Förderung ermöglichen. Der deutsche PPA-Markt steht noch am Anfang, förderfreie Solarparks mit PPA sind aber bereits heute umsetzbar. Für Betreiber von bestehenden Windanlagen, deren Förderung demnächst endet, ergeben sich mehrere Perspektiven: Das Repowering, mit dem Ziel einer erneuten 20-jährigen Förderung. Der Weiterbetrieb außerhalb der Förderung, basierend auf 2- bis 5-jährigen Abnahmeverträgen oder der Rückbau der Anlage. BayWa r.e. bietet das und auch die Übernahme von Altanlagen.

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  • Hermann Albers, Präsident, Bundesverband Windenergie: Neben dem Repowering ist ein Weiterbetrieb technisch häufig möglich. Steigende Börsenstrompreise sowie die deutlich wachsende Nachfrage nach CO2-freiem Strom aus der Industrie machen einen Weiterbetrieb zunehmend interessant. Die Chancen, dass ein nennenswerter Teil der betroffenen Anlagen sich zunächst für fünf, vielleicht sogar zehn Jahre weiterbetreiben lässt, wachsen. Der Handel über die Leipziger Börse macht aus unserem wertvollen Windstrom derzeit Graustrom. Damit kann die CO2-Freiheit vom Endkunden nicht genutzt werden. Bei Anlagen die nicht mehr im EEG stehen, besteht dieser Nachteil nicht. Die Rahmenbedingungen zur bilanzierbaren Direktbelieferung müssen sich verbessern, dann kann auch in Deutschland ein PPA-Markt entstehen, wie wir ihn in vielen anderen Ländern bereits sehen.

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  • Marc Kohlenbach, Head of Sales Germany, Statkraft Markets: Wir beobachten ein erhöhtes Interesse von Seiten der Industrie, den Energiebedarf auf nachhaltige Füße zu stellen. Die Industrie kontraktiert bereits jetzt Energielieferungen für das Jahr 2021. Sprich, für Betreiber eines Windparks ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die Stromabnahme für 2021 und darüber hinaus zu sichern. Hier unterstützen wir mit Verträgen, die mit festen Preisen und Chancen auf Mehrerlöse finanzielle Sicherheit für einen langfristigen Weitertrieb der Windparks garantieren. Mit unserer Vermarktungskompetenz im Bereich Grünstrom und einem breit aufgestellten Industriekundennetzwerk machen wir die Abnahme erneuerbarer Energie planbar und entwickeln ganzheitliche Lösungen. So ermöglichen wir es, Industrieunternehmen mit Grünstrom aus deutschen Windparks planbar und zuverlässig zu beliefern. Das wiederum senkt den CO2-Fußabdruck und hilft dabei Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

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