Bei der Eröffnung der Luftzerlegungsanlage in Röthenbach, von links nach rechts: Jens Waldeck, Geschäftsleiter Linde Gas Region Zentraleuropa, Linde-Vorstandsmitglied Dr. Christian Bruch, Betriebsleiter Christoph Krauß und Linde-Vorstandsmitglied Eduardo Menezes.

Bild: Linde

Bedarf an Flüssiggasen decken Neuer Luftzerleger versorgt Nürnberger Region

23.05.2019

Am 21. Mai 2019 feierte Linde die offizielle Eröffnung einer neuen Luftzerlegungsanlage am Standort Röthenbach an der Pegnitz. Mit dem Neubau passt das Unternehmen seine Produktionskapazitäten an die starke Nachfrage nach Flüssigsauerstoff und Flüssigstickstoff in der Metropolregion Nürnberg sowie im Süden Deutschlands und angrenzenden Ländern an.

Durch die neue Luftzerlegungsanlage in Röthenbach sollen die dort ansässigen Kunden auf kurzen Wegen zuverlässig versorgt werden. Mehr als 50 Millionen Euro flossen in das Unterfangen. Laut Linde zählt sie zu den modernsten Anlagen des Unternehmens. Sie ist zudem die erste weltweit, die nach dem Zusammenschluss der Linde AG und Praxair unter dem Dach der Linde PLC eröffnet wurde.

Viele Gäste, darunter Kunden und Geschäftspartner sowie Klaus Hacker, Bürgermeister der Stadt Röthenbach an der Pegnitz, waren der Einladung gefolgt. Die Anlage wurde von den Linde-Vorstandsmitgliedern Dr. Christian Bruch und Eduardo Menezes sowie von Jens Waldeck, Geschäftsleiter Linde Gas Region Zentraleuropa, eröffnet.

Dichtes Versorgungsnetz mit Kundennähe

Auf dem 34.000 m2 großen Areal wird neben Flüssigsauerstoff und Flüssigstickstoff auch Trockeneis produziert. Durch die verkehrsgünstige Lage in unmittelbarer Nähe zum Autobahnkreuz A3 und A9 können die Gase per Lkw auf kurzen Wegen zu den Kunden transportiert werden. Zu den Abnehmern zählen unter anderen Großkunden in der Chemie- und Elektronikindustrie, Nahrungsmittelhersteller sowie mittelständische Unternehmen aus verschiedensten Branchen.

Beim Neubau handelt es sich um die erste Anlage weltweit, die nach dem erfolgreichen Zusammenschluss der Linde AG und Praxair zur Linde PLC offiziell in Betrieb genommen wurde. „Das neue Unternehmen wird die Stärken von Linde und Praxair nutzen, um gemeinsam unseren Kunden ein noch umfassenderes Angebot an Produkten und Lösungen anzubieten“, sagt Jens Waldeck anlässlich der Eröffnung.

Die neue Luftzerlegungsanlage unterstreiche die strategische Bedeutung der Region für Linde. Zudem schaffe sie durch das dichte Versorgungsnetz größere Kundennähe, fährt Waldeck fort. „So stellen wir sicher, dass unsere Kunden absolut zuverlässig mit Gasen höchster Qualität versorgt werden, die sie für ihre Prozesse benötigen.“

Täglich über 700 t Flüssiggas

Die Luftzerlegungsanlage in Röthenbach zeichnet sich durch eine effiziente und flexible Betriebsweise aus, die schnelle Anpassungen an den jeweiligen Produktionsbedarf erlaubt. Mit einer Nennleistung von etwa 30.000 Normkubikmetern Luft pro Stunde sollen täglich über 700 t Flüssiggase produziert werden.

Gesteuert und überwacht wird die Technologie von Spezialisten im Linde Remote Operations Center (ROC) im sachsen-anhaltinischen Leuna. Sie arbeiten dabei eng mit den Mitarbeitern vor Ort in Röthenbach zusammen.

Hintergrundinformationen zu Luftzerlegungsanlagen

Mit der Erfindung der Luftverflüssigung im Jahr 1895 legte Carl von Linde die Basis für die sogenannte rektifikative Luftzerlegung. Auch die neue Luftzerlegungsanlage in Röthenbach an der Pegnitz beruht auf diesem 1902 patentierten Verfahren.

Umgebungsluft ist ein Gasgemisch aus Stickstoff (78 Prozent), Sauerstoff (21 Prozent), Argon (0,9 Prozent) und weiteren Edelgasen. Wird Luft verflüssigt, kann sie mittels Rektifikation in ihre Bestandteile zerlegt werden.

Kurzgefasst laufen dabei folgende Prozessschritte ab: Die Luft wird zunächst verdichtet und dann mit Wasser vorgekühlt in einem Adsorber von Feuchtigkeit und in der Luft enthaltenen Verunreinigungen wie Staub, Kohlendioxid und Kohlenwasserstoffen befreit. Anschließend wird die Luft durch Wärmeaustausch und Expansion so weit abgekühlt, dass sie sich teilweise verflüssigt. Dazu muss ein Temperaturbereich von -170 bis -193 °C erreicht werden. Erst dann kann die Zerlegung der flüssigen Luft erfolgen.

Hierfür werden die unterschiedlichen Siedepunkte ihrer Bestandteile genutzt. Da die Siedepunkte verhältnismäßig nah beieinanderliegen (Sauerstoff bei -183 °C, Stickstoff bei -196 °C), muss die Destillation in einem mehrstufigen Prozess in einer Rektifikationssäule durchgeführt werden. Am kalten Kopf der Rektifikationssäule sammelt sich gasförmiger Stickstoff und am wärmeren Boden flüssiger Sauerstoff. Am Ende dieses Prozesses werden die flüssigen Gase aus der Rektifikationssäule entnommen und zur Weiterverwendung in Flüssigtanks gelagert.

Bildergalerie

  • Auf dem 34.000 m2 großen Areal der Luftzerlegungsanlage wird neben Flüssigsauerstoff und Flüssigstickstoff auch Trockeneis produziert.

    Bild: Linde

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