Die Rakete wird mit einer Mischung aus Parafin und Sauerstoff angetrieben.

Bild: ZARM
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Biorakete Mit Kerzenwachs ins All

19.04.2016

Die Raumfahrt ist sehr umweltschädlich. Abhilfe soll ein neuer Treibstoff aus Paraffin und Sauerstoff schaffen. Eine Forschungsrakete mit diesem Energieträger hat es jetzt immerhin auf 1500 Meter Flughöhe geschafft.

Einer gewöhnlichen Kerze sieht man es gar nicht an, doch Paraffin als Treibstoff kann ungeahnte Kräfte entwickeln. Wenn die Mischung stimmt. Zusammen mit flüssigem Sauerstoff soll so eine Treibstoffkombination entstehen, die genug Schubkraft entwickelt, um Raketen ins All zu schicken. Dass dies gelingen kann, wollten Studierende am Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen beweisen. Am vergangenen Samstag haben sie einen weiteren Zwischenschritt auf diesem Weg erfolgreich bewältigt, indem sie eine 80 kg schwere und 3,8 Meter lange Forschungsrakete mit Schallgeschwindigkeit auf über 1500 Meter schossen.

Die selbstgebaute Rakete mit Hybridantrieb startete am 16. April um 11:57 Uhr vom europäischen Weltraumbahnhof Esrange in Kiruna in Nordschweden. Das Ziel der Bremer Studierenden ist es eine neuartige Rakete zu entwickeln, die den Ansprüchen einer Raumfahrt 4.0 gerecht wird: dazu zählen Faktoren wie Kostenreduzierung, einfache Handhabung und Risikominimierung für Mensch und Umwelt. Letzteres vor allem durch den Verzicht auf die, üblicherweise in der Raumfahrt eingesetzten, hochgiftigen und explosiven Treibstoffe wie Hydrazin. Was sich simpel anhört, erforderte eine kreative Herangehensweise, einen Wissenstransfer aus den Bereichen der Verbrennungsforschung, Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie.

Im Mittelpunkt der Forschungs- und Tüftelarbeit in Bremen stand der Hybridantrieb. Er musste von Grund auf neu konzipiert und an die Treibstoffkomponenten angepasst werden. 30 Triebwerkstests waren nötig, um das richtige Mischungsverhältnis von Wachs und Sauerstoff zu ermitteln. Um die Kosten für Bauteile so gering wie möglich zu halten, griffen die Studierenden zum 3D-Drucker, fertigte die Schubdüsen aus einer Mischung aus Baumwolle und Harz und stellte teure Ventile zur Regulierung der Zufuhr des Sauerstoffs selbst her. Die Elektronik zur Steuerung der Rakete wurde im Elektrohandel eingekauft. Der Fallschirm, der die Rakete nach ihrem Flug wieder sicher zur Erde bringen soll, stammt aus dem Outdoor-Freizeitbereich. Die Bezugsquellen der Raketenkomponenten stehen im Prinzip jedem offen. Dadurch wollten die Studierenden beweisen, dass die Raumfahrt auch privatwirtschaftlich und mit kleinerem Budget möglich ist. Sie bedarf nur kreativer Ideen.

Bildergalerie

  • Die Studierenden des ZARM-Teams zusammen mit ihrer Rakete

    Bild: ZARM

  • Kurze Zeit später stand die Rakete auf der Abschussrampe. Von dort hob sie am 16. April 2016 erfolgreich ab.

    Bild: ZARM

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