Dr. Klaus Kluger, ist seit 2018 General Manager Central Eastern Europe bei Omron. Daneben fungiert er auch als Vorstandsmitglied des VDMA. Er hat ein Diplom in Chemie und einen Doktortitel in physikalischer Chemie von der Universität Düsseldorf.

Bild: Omron

Dr. Klaus Kluger, Omron Mit Cobots in die Zukunft

18.11.2021

Mensch und Roboter arbeiten dank moderner Cobot-Technik immer enger zusammen. Aber welche Fallstricke gilt es beim Einsatz der kollaborativen Robotik zu vermeiden – und wie ist es um die Zukunftsaussichten der Technologie bestellt?

Die Robotik wird oft fälschlicherweise als „Jobkiller“ gesehen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Wenn sich der Mangel an Arbeitskräften in den kommenden zehn Jahren absehbar auf etwa 5,8 Millionen Arbeitnehmer beläuft, wird die Robotik einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt von Produktivität und Arbeitsplätzen leisten.

Durch die globale Ausrichtung erkennen wir solche Herausforderungen schon frühzeitig und können den notwendigen Wandel in der Robotik aktiv gestalten. Das betrifft vor allem die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, die sich zunehmend fluide gestaltet. Hier bildet die derzeit boomende kollaborative Robotik (Cobots) mit dem damit verbundenen Wegfall der klassischen Schutzzäune einen wichtigen Meilenstein. Aber auch in der mobilen Robotik werden die Geräte zunehmend leistungsfähiger, etwa indem sie auch bewegliche Hindernisse dynamisch erkennen und entsprechend ausweichen.

Insbesondere Cobots sind aber nicht das alleinseligmachende Nonplusultra in der „Fabrik der Zukunft“, sondern ein neues Werkzeug, das andere Technologien sinnvoll ergänzt. Zum einen gilt: Roboter ohne Schutzzaun dürfen aus Sicherheitsgründen nur mit einer sehr begrenzten Geschwindigkeit arbeiten. Wenn man aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund von fehlenden Programmierkenntnissen auf Cobots setzt, ist das ein guter Gedanke, aber wenn es auf Geschwindigkeit ankommt, sollte man eher auf klassische Robotik mit Schutzzaun zurückgreifen.

Zum zweiten arbeiten Cobots in 95 Prozent aller Fälle nicht kollaborativ, sondern kooperativ, also nicht zur gleichen Zeit am Werkstück wie der Mitarbeiter – das für ein solches Szenario notwendige Ausmaß an Koordination zwischen Mensch und Cobot ließe sich mit heutiger Technik schlicht nicht realisieren. Nichtsdestotrotz ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Cobot, nur eben nicht gleichzeitig, sondern sequenziell. Wir müssen uns also bei der Suche nach Anwendungen für Cobots die Frage stellen: „Welche sich ständig wiederholenden Aufgaben kann ich mit verbundenen Augen und einer Hand, die in einem Handschuh steckt, erledigen.“ Auch hier schreitet die Entwicklung sowohl von Greiferlösungen als auch der Bilderkennung weiter voran, sodass sich in den kommenden Jahren die Anwendungsszenarien weiter ausdifferenzieren werden.

Wenn wir einen Blick auf solche zukünftigen Entwicklungen im Bereich Cobots werfen, erkennen wir eines ganz deutlich: Wir werden wegkommen vom rein industriellen Einsatz, hin zu einer breit gestreuten Verwendung in anderen Sektoren. So gibt es etwa in der Medizinbranche ein starkes Interesse, Cobots und mobile Roboter für zeitaufwändige, patientenferne Tätigkeiten wie Desinfektion oder Sterilgut-Transporte einzusetzen. Die Ressource Mensch wird dadurch entlastet und kann wieder näher am Patienten eingesetzt werden.

Immer häufiger gibt es auch Anwendungsbeispiele aus der Gastronomie, also Cobots, die zum Beispiel Essen zubereiten, Eis portionieren oder Fleisch frittieren. Wie so oft ist aber auch hier der asiatische Raum Vorreiter. In Verbindung mit einer mobilen Roboterplattform, bei uns Mobile Manipulator oder MoMa genannt, ergeben sich noch mehr spannende Einsatzfelder. Ich persönlich bin wirklich froh darüber, in dieser spannenden Zeit zu leben und miterleben zu dürfen, wie die Robotik dazu beiträgt, unsere Arbeits- und Lebensqualität zu verbessern.

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