Boris Adlung, Sales und Marketing Manager bei Rigol, geht im Interview auf die Rigol-Messtechnik-Strategie ein.

Bild: Rigol

Interview über die Entwicklung der Messtechnik bei Rigol „Messtechnik, die Kunden begeistert"

02.11.2022

Wenn es um Messtechnik geht, gehört Rigol für die Anwender aus dem Industriebereichen und darüber hinaus zu einer wichtigen Anlaufstelle. Im Interview mit Boris Adlung, Sales und Marketing Manager bei Rigol, erläutern wir, was hinter Rigols High End Messtechnik-Strategie steckt.

Rigol hat letztes Jahr die StationMax­Plattform vorgestellt. Damit zielen Sie auf das High-End-Messtechnik-Segment. Was hat Sie dazu bewogen in diesen neuen Marktbereich zu gehen?

Zum einen liegt das an dem deutlich erhöhten Bedarf im Markt und zum Anderen möchten wir den Kunden eine hochwertige Alternative bieten, die den Fokus auf die Kundenapplikationen legt. Wir haben zum Beispiel mit der Oszilloskop Serie DS70000 auf der einen Seite den Schwerpunkt auf die Hardware gelegt (20 GSa/s, 5 GHz Bandbreite, 2 Gptke Speicher, >1 Mio wfms/sek.). Außerdem haben wir gerade für die immer höheren Datenraten Applikationen wie USB2.0 Compliance Test, Echtzeitaugendiagramm, Jitteranalyse oder Echtzeit-Spektrum-Analyse integriert.

Warum ist es für Sie so wichtig, Messsystem-Plattformen mit hauseigenen Chipsätzen zu entwickeln und welche Vorteile bringt das?

Ja das stimmt, in unseren Oszilloskopen nutzen wir selbstentwickelte ASIC Chipsätze. Hier haben wir den Vorteil, dass wir die Abtastrate und Bandbreite sowohl nach oben als auch nach unten wie gewünscht auslegen können. Außerdem entwickeln sich die Chipsätze weiter. Als Beispiel sei der brandneue ASIC Chipsatz „Centaurus“ zu nennen, der anstatt der bisherigen 8 Bit eine Auflösung von 12 Bit ermöglicht. In den Rigol-Oszilloskop-Serien der HDO Klasse ist dieser bereits integriert.

Was sind die herausragendsten Eigenschaften der DS-Systeme?

Das sind definitiv die oben beschriebenen Hardware Eigenschaften und die Applikationsvielfalt. Zusätzlich sind die Systeme sehr einfach zu bedienen und überzeugen mit einem sehr großen Touch Display. Die Hardware die unter anderem bis zu 2 Gpkte Signale erfassen kann erzeugt richtig viele Daten. Um diese schnell und einfach zu übertragen, haben wir das Oszilloskop als FTP Server ausgelegt. Das heißt bei einer Ethernet-Anbindung lassen sich die Daten schnell per „Drag and Drop“ auf den PC ziehen. Das Gerät lässt sich ebenfalls über Web-Control bedienen, bei denen auch Videos und Screenshots aufgenommen und abgespeichert werden können, ohne das irgendein Treiber installiert werden muss.

Womit punktet das DG-System gegenüber den von Mitbewerbern angebotenen Systemen?

Das System bietet eine sehr vielseitige Einsetzbarkeit an. Sowohl auf der realen Signalerzeugung mit dem AWG als auch mit der Generation von komplexen IQ Bandbreiten bis 1.5 GHz, welche auf den gewünschten Träger ausgegeben werden können. Durch die unterschiedlichen Ausgänge (4 Ausgänge mit je 1 x AC, 2 x DC) lassen sich auch differenzielle Signale mit einer hohen Datenrate erzeugen. Die vier Kanäle lassen sich bis in den psek. Bereich synchronisieren. Sprungfrequenzverfahren, Markerausgänge zur Synchronisation von Fremdsystemen als auch die einfache Bedienung des Gerätes stellen eine sehr vielseitige Alternative zu anderen Systemen dar. Konkurrenzsysteme bieten zum Beispiel im Quanten Computer Komplettsysteme an. Wir sehen aber eher einen Bedarf darin, dass Kunden für mehr Flexibilität ein eigenes System mit Einzelmessgeräten aufbauen möchten, um mehr Einfluss auf das Testsetup zu bieten.

Sie setzten beim Multifunktionsgenerator DG70004 auf Modularität. Welche Vorteile bring diese Entwicklung und was hat der Anwender davon?

Wenn man sich zum Beispiel den Bereich Quanten-Computer anschaut dann ist die Anzahl der Quanten momentan noch relativ gering. Die Entwicklung zielt aber darauf ab, eine höhere Rechenleistung zu erzeugen. Das heißt mehr Quanten sind erforderlich. Sobald sich hier die Anzahl der Quanten in Zukunft erhöht, können auch mehrere DG70004 miteinander synchronisiert werden, um die Kanalanzahl zu erhöhen. Hier ist das Feature der Systemmodularität besonders wichtig.

Beim HF-Tastkopf der Serie PVA8000 setzen Sie erstmals auf einen eigen­entwickelten ASIC (Gamma-Phoenics). Warum?

Dieser Front-End ASIC ist bereits seit längerem verfügbar. Wir haben diesen aktiven HF Tastkopf (bis 7 GHz) aber erst zusammen mit dem 5-GHz-Oszilloskop der DS70504 auf den Markt gebracht, da er nur hier Sinn macht. Ziel ist es, auch eigene Tastköpfe herzustellen, die eine Messung mit einer sehr hohen Linearität über den definierten Frequenzbereich ermöglichen. Außerdem haben wir beim Tastkopf unterschiedliche Anschlussköpfe (single ended, differenziell, unter anderem auch mit Lötspitzen) entworfen, die alle Bestandteil des Standardzubehörs bei der PVA8000 Serie sind.

Welchen Stellenwert spielt die User Experience (UX) bei der Entwicklung Ihre Messsysteme?

Wie man bereits an dem Design der letzten Jahre erkennen kann, spielt das für Rigol eine sehr große Rolle. Die Kunden sollen Freude haben, mit den Messgeräten zu arbeiten. Da ist nicht nur die einfache logische und schnelle Bedienung wichtig, sondern es muss sich gut anfühlen. Bei der DS70000 Serie haben wir optoelektronische Drehencoder zur Bedienung eingebaut. Neben der quasi abreibungsfreien Eigenschaft wird nicht nur die Lebensdauer erhöht, sondern auch ein deutlich angenehmeres Bedienen ermöglicht. Wir haben ebenfalls das Ausfahren des Displays in einem gewünschten Winkel ermöglicht, was sehr gut bei den Kunden ankommt.

Lässt sich das Paradigma in der Messtechnik: mehr Leistung, bessere Bedienung, kleinere Systeme in allen Bereichen aufrecht erhalten oder sehen Sie da Grenzen?

Je kleiner ein Messgerät ist, desto mehr Kompromisse müssen eingegangen werden. Es gibt Grenzen. Für alle Hersteller. Je komplexer und umfangreicher eine Messaufgabe wird, desto eher empfehle ich, nicht so viel Wert auf die Größe eines Messgerätes zu legen, sondern mehr auf die Funktion. Rigol versteht allerdings den Bedarf von kompakteren Geräten bei manchen Mess­aufgaben (gerade in der Produktion). Hier bieten wir zum Beispiel für einige Geräte Rack-Mount Lösungen (wie das DS8000-R, bis zu 2 GHz Oszilloskop) an. Der Kompromiss hierbei: Kein Display. Der Kunde kann das Gerät dann aber über zum Beispiel Web-Control, Software oder über eine Maus und einen angeschlossenen Monitor über die integrierte HDMI-Schnittstelle bedienen.

Was wären für Sie die drei wichtigsten Kriterien bei der Kaufentscheidung eines Messgerätes und warum?

Die Applikation die benötigt wird, muss einfach und nach dem Kundenwunsch auszuführen sein. Die meisten Benutzer haben immer weniger Zeit und immer mehr Arbeit deshalb muss ein Messgerät einfach und schnell einzustellen sein. Da die Messaufgaben meist dieselben sind, sollte das Gerät auf einen Zustand abgespeichert werden, den das System nach Neustart sofort wieder einnehmen kann. Sehr guter Service und Support – wie es bei Rigol der Fall ist – ist ebenfalls eine wichtige Kaufentscheidung.

Wie sieht bei Rigol die Roadmap in Bezug auf Produkte, Services oder Technologien aus?

Wir haben vor kurzen unser neues 12 Bit Oszilloskop auf dem Markt gebracht. Sehr zeitnah wird im Bereich HF, auf der Generatorseite, die außergewöhn­liche Produkt-Serie DSG5000 veröffentlicht. Selbstverständlich entwickeln wir unsere Systeme DS70000 / DG70000 des StationMAX Programms weiter. Technologisch werden wir weiterhin auf unsere Chipsetentwicklung aufbauen und entsprechend Geräte auf dem Markt bringen. In unserem Service haben wir gerade erst zusätzliches Personal eingestellt, um unsere Kunden noch besser bei Reparatur oder Kalibrieranfragen zu supporten.

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