Neue Regeln sollen den Orbit als globales Gemeingut schützen

Mehr Satelliten, mehr Risiko: Wer macht den Orbit resilient?

Wie orbitale und terrestrische Infrastrukturen resilient zusammenwirken können, stand im Mittelpunkt des IQIB Orbital Science-Policy-Forums.

Bild: iStock, KanawatTH
28.09.2026

Satelliten sind für Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung und Krisenmanagement heute unverzichtbar. Wie sich orbitale und terrestrische Infrastrukturen gemeinsam widerstandsfähig und zukunftsfähig gestalten lassen, diskutierten Fachleute am 24. September 2026 beim „IQIB Orbital Science-Policy Forum“. Ausgerichtet wurde die Fachkonferenz vom IQIB in Kooperation mit der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Welche neuen Chancen und Herausforderungen liegen an der Schnittstelle von Raumfahrt und Gesellschaft? Darüber haben unter dem Dachthema „Resilienz durch orbitale Infrastrukturen“ hochrangige Akteure aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft im Innovation Lab des IQIB disktuiert.

Mit der rasant wachsenden Zahl orbitaler Systeme im erdnahen Weltraum (Low Earth Orbit – LEO) entstehen neue systemische Risiken und kritische Abhängigkeiten, deren Auswirkungen die Gesellschaft als Ganzes betreffen.

„Sich rapide ändernde Randbedingungen in der Natur, in der geopolitischen und in der LEO-politischen Lage stellen enorme Resilienzanforderungen an die Gesellschaft, die neue Innovations – und Kooperationsansätze fordern“, verdeutlichte Dr. Florian Schwandner, Direktor Anwendung und Wissenschaft bei der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

Vorausschauende Begleitung des technologischen Wandels

Genau hier setzt IQIB an: „Seit 30 Jahren steht die Technikfolgenabschätzung im Zentrum unserer Arbeit. Aktuell analysieren wir, welche Auswirkungen Raumfahrtechnologien auf Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Politik haben und welche Chancen möglich sind“, erklärte Roman Noetzel, Geschäftsführer am IQIB. Durch die zusätzliche Expertise im Bereich der Foresight-Methodik sei das Institut in der Lage, Zukunftsszenarien zu analysieren und eine neue, evidenzbasierte Perspektive in den wissenschaftspolitischen Diskurs einzubringen.

Die Ökonomisierung des erdnahen Weltraums

Die Konferenz beleuchtete auch die wirtschaftliche Dynamik im Raumfahrtsektor. Dipl.-Ing. Volker Schmid, Senior-Berater im Vorstandsbereich des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), hob das Potenzial der sogenannten New-Space-Ökonomie hervor: „Eine Ökonomisierung des Low Earth Orbit bietet viele Chancen für Forschung und Wirtschaft, neue und innovative Ideen umzusetzen.“

Um dieses Potenzial nachhaltig zu nutzen, bedarf es branchenübergreifender Netzwerke. Dr. Franziska Zeitler, Abteilungsleiterin Innovation & Neue Märkte bei der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, betonte: „Branchenübergreifende Kooperationen und Technologieentwicklungen erhöhen die Innovationsdynamik signifikant, indem unter anderem Entwicklungszeiten reduziert und Risiken verringert werden“. Eine tragende Rolle als agile „Brückenbauer“ würden hierbei insbesondere Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen.

Weltraum als globales Gemeingut schützen

Ein zukunftsfähiger Orbit erfordert klare politische und rechtliche Rahmenbedingungen. Prof. Dr. Kai-Uwe Schrogl, Sonderberater für politische Angelegenheiten bei der European Space Agency (ESA), ordnete die geopolitische Lage ein: „Resilienz im Weltraum zu verfolgen, ist nicht nur legitim, sondern notwendig. Gleichzeitig müssen wir daran festhalten, das Prinzip der friedlichen Nutzung und den Status des Weltraums als globales Gemeingut zu verteidigen.“

Neues IQIB-Kompetenzzentrum „ZukunftOrbit“

Das Forum bildete zudem den Auftakt für das neue IQIB-Kompetenzzentrum für Raumfahrt, Gesellschaft und Innovationspolitik. „Unter der Dachmarke „ZukunftOrbit“ bieten wir Entscheidungsträgern unabhängige, wissenschaftlich fundierte Analysen und unterstützen so komplexe Entscheidungsprozesse sowie die Entwicklung gesellschaftspolitischer Strategien. Dabei bringen wir unsere Expertise in der Innovations - und Transformationsforschung ein “, sagte Wigand Fleischer, Geschäftsführer am IQIB . Das Portfolio des neuen Zentrums umfasst auch Fortbildungen für Executives sowie das Management komplexer Programme und Initiativen.

Bildergalerie

  • Paneldiskussion zum Thema „Innovation und orbital Ökonomie“ beim IQIB Orbital Science-Policy-Forum in Kooperation mit der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

    Paneldiskussion zum Thema „Innovation und orbital Ökonomie“ beim IQIB Orbital Science-Policy-Forum in Kooperation mit der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.

    Bild: DLR

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