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Interview zur IIoT-Kooperation von T-Systems und Siemens „Ich bin kein Freund von Problemlösungen“

12.02.2020

T-Systems und Siemens haben bereits Ende Oktober auf der Digital X eine Partnerschaft in Sachen Industrial-IoT bekanntgegeben. Die beiden Konzerne wollen hierbei gemeinsam Komplettlösungen für Industrieunternehmen anbieten – und das von der Planung bis zur Umsetzung. Tiefere Einblicke in diese Zusammenarbeit gaben, im Gespräch mit A&D auf der SPS, Wilfried Bauer, Vice President Digital Solutions und IoT bei T-Systems, und Kai Brasche, Vice President MindSphere bei Siemens.

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A&D:

Die Idee hinter Ihrer Kooperation klingt sehr logisch. Warum kommt eine solche Partnerschaft genau jetzt? Oder vielleicht sogar: Warum erst jetzt?

Kai Brasche:

Gute Frage, relativ einfache Antwort: Manche Dinge brauchen ein bisschen Zeit. Speziell auf der Siemens-Seite mussten wir mit der Plattform-Entwicklung durchaus erst mal einige Runden drehen, bis wir jetzt in einer skalierbar robusten Landschaft gelandet sind. Nichtsdestotrotz ist die Frage natürlich richtig, warum nicht zwei deutsche, tolle Traditionsunternehmen sich früher gefunden haben. Aber dazu gehört natürlich auch, dass man da die richtigen Anstöße findet. Das ist auf der HMI im letzten Jahr durch entsprechende Gespräche erfolgt. Und dadurch sind wir jetzt heute hier schon so weit, wie wir sind. Und ich meine, in der kurzen Zeit haben wir eine Menge erreicht.

Wilfried Bauer:

Absolut. Und es ist ja auch so: In den letzten zwei, drei Jahren haben wir im IoT-Umfeld sehr viel ausprobiert – gemeinsam mit unseren Kunden. Und so sind wir da jetzt auf einer ganz anderen Ebene. Mit dem, was nun an Erfahrung auf dem Tisch liegt, können wir konkrete Angebote formulieren. Ich glaube, da haben wir sehr viel gelernt innerhalb der T-Systems, und das bringen wir jetzt in die Kooperation mit Siemens ein. Das Ergebnis ist ein ziemlich gutes und komplettes Angebot.

Kai Brasche:

Und dazu muss man auch noch sagen, dass das ganze Thema Reifegrad der Industrie natürlich eine große Rolle spielt. Der Reifegrad, speziell in Deutschland oder im DACH-Bereich, in dem wir ja auch starten wollen, ist jetzt ein solcher, dass man tatsächlich mit solchen Lösungsansätzen voranschreiten kann.

Wilfried Bauer:

Aber ganz bodenständig. Also wir gehen jetzt erstmal nicht in die Luft.

Sie sprechen von vorhandenen Learnings und Ihrem Know-how. Sie bringen ja auch beide Assets mit. Wie genau verzahnt sich dies alles bei Ihrer Kooperation?

Wilfried Bauer:

Eines ist bei allen Kundenprojekten, die wir gefahren sind, immer gleich gewesen: Es fängt irgendwo ganz vorne mit der Datenerfassung an; dann geht es über den Datentransport in eine Plattform; dann in eine Datenverarbeitung in der Plattform; dann in eine Anwendung, in weitere, darüber hinausgehende IT-Systeme, ERP-Systeme und zum Schluss zur Anzeige, im einzelnen Shopfloor beispielsweise. Das sind einfach Kernleistungen, Kernebenen der Kooperation. Die decken wir beide vollständig ab. Wir bringen als T-Systems und Deutsche Telekom die Connectivity-Leistung mit ein, inklusive der Datenverarbeitung und der Integration der Lösung beim Kunden. Siemens – Du wirst es sicher gleich ergänzen – geht mit der Datenerfassung vorweg, die über die Automatisierung geht, und bringt das ganze Plattform-Management ein, insbesondere über die MindSphere. Und das passt sehr gut zusammen, weil wir uns wirklich komplementär zum Kunden hin aufstellen können. Aber wir sind uns beide auch bewusst, dass wir gar nicht umhinkommen werden, einzelne Nischen mithilfe von Partnern zu besetzen – einfach, um unser Angebot zu vervollständigen. Das ist ein offenes System, eine offene Partnerschaft, zwischen diesen beiden Unternehmen hier.

Kai Brasche:

Also ich spreche sehr gerne von Building Blocks. Wenn ich im Ende-zu-Ende-Lösungsumfeld unterwegs bin, brauche ich IT-Kompetenzen, die eine Deutsche Telekom / T-Systems hervorragend abdecken kann, und natürlich auch eine starke OT-Marktdurchdringung. Letzteres ist eine Expertise, die wir aus der Siemens-Welt her sehr gut abdecken. Das heißt, wir kommen von oben und unten zusammen.

Welche Sektoren oder welche Branchen adressieren Sie?

Kai Brasche:

Wenn wir vom gesunden deutschen Mittelstand sprechen, ist das im Prinzip genau der Bereich, in dem wir uns tummeln wollen. Maschinen- und Anlagenbau ist erstmal ein Fokus. Aber ich glaube, dass wir mit den Leistungsfähigkeiten beider Unternehmen durchaus noch andere Sektoren mit erschließen können. Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass wir im Bereich Logistik sehr gut zusammenarbeiten. Und im Umfeld der Industrie 4.0 spielen natürlich auch Themen jenseits der Fertigungsprozesse eine Rolle – vor allem weit vorgelagerte. Logistische Prozesse bis hin zur Leistungserbringung am Endkunden, das wird oft und gerne vergessen.

Wilfried Bauer:

Im Grunde genommen können wir mit dem, was wir uns heute an Möglichkeiten über unsere Plattform und unser Gesamtangebot erschlossen haben, gar keine Branche per se ausschließen.

Zurück zur Industrie. Was ist der Kernnutzen, den Sie Industrieunternehmen durch Ihre Kooperation bieten können? Können Sie den definieren?

Wilfried Bauer:

Also unser Angebot ist am Ende ganz klar immer Effizienz. Unser Leistungsversprechen ist, dass wir gerade aus dieser Partnerschaft heraus ein kompletteres oder vollständigeres Angebot geben können. Was natürlich am Ende des Tages zu mehr Effizienz bei unseren Kunden führt. Sei es, dass die Produktion effizienter ist oder sei es natürlich auch, dass ein neuer oder modifizierter Business Case, der dahintersteht, für den Kunden effizienter ist.

Wenn es um Daten geht, gerade natürlich bei End-to-End-Lösungen, spielt Security eine sehr große Rolle. Wer zeichnet von ihnen beiden für dieses heikle Thema verantwortlich?

Wilfried Bauer:

: Beide, würde ich sagen. Da sind wir sicherlich ein Stück weit überlappend unterwegs. Natürlich haben wir, aus der Erfahrung der Deutschen Telekom heraus, einen eigenen, sehr starken Security-Bereich. Schon allein, wie Sie sich vorstellen können, um unsere eigenen Netze abzusichern. Vielleicht weiß man aus der Presse, wie viel tausenden Attacken wir täglich abwehren. Mittlerweile nutzen wir unser Know-How auch im Auftrag für unsere Kunden. Das ist natürlich kein Thema, was wir immer im Detail in die Öffentlichkeit tragen. Aber nur soviel: Wir betreiben für Kunden vom großen Automobilhersteller bis zum mittelständischen Maschinenbauer Security und Sicherheitsanwendungen. Das geht dann natürlich Hand in Hand mit der Hardware-Umgebung, beispielsweise in die Bus-Systeme von Siemens mit rein.

Kai Brasche:

Hier geht es ja auch um die Definition von Schnittstellen und Übergabepunkten. Das haben wir aber alles schon vortrefflich diskutiert. T-Systems, kommt immer ein bisschen mehr aus der IT-Ebene und wir aus der OT-Ebene. Das ist alles natürlich absolut abgesichert. Allerdings muss man dazu sagen: Wenn wir über innovative Themen sprechen – wir revolutionieren ja im Prinzip. Das ist ja Industrielle Revolution 4.0. Dann bedingt das zwangsläufig, dass man sich mehr öffnet. Und diejenigen, die früher in sogenannten Trusted Areas unterwegs gewesen sind, können das nicht mehr länger tun. Die Daten müssen einfach da raus. Ansonsten kann ich diese Prozesse nicht steuern. Das heißt also, je mehr ich diese Themen öffne, umso mehr steigt auch der Bedarf an Security. Egal, was man tut: Je mehr ich mich öffne, umso mehr steigt auch das Risiko. Aber ich glaube, unsere beiden Unternehmen sind vortrefflich in der Lage dazu, nicht nur Minimalsicherheit darzustellen, sondern wirklich mit entsprechend hochqualitativen Tools und Sets an Tools von Ende zu Ende Sicherheit anzubieten, und zwar nach Standard. Definitiv!

Wilfried Bauer:

Lassen Sie uns ein Beispiel ansehen, um ein Gefühl für unsere Partnerschaft zu bekommen. Der ganze Bereich Building Information Management, BIM abgekürzt - ist ja aktuell in aller Munde. In letzter Konsequenz geht es hier um den Digital Twin von jedem Gebäude, das betrieben wird. Sei das nun eine Fabrikationshalle oder ein Bürogebäude. Und der spannende Case für uns ist, gemeinsam mit unserem Kunden ein Komplettangebot darzustellen. Von Sensor und Aktor, also konkret gesprochen zum Beispiel Lichtschalter oder Lichtquelle im Gebäude. Bis hin zur gesteuerten Lüftungstechnik oder zum Tracking dort, wo es notwendig ist. Beispielsweise für Rettungskräfte in diesem Gebäude. Das lässt sich alles in dieser Kooperation abbilden: Über das, was a) in der Plattform gehosted wird, aber b) halt auch an Daten, und da kommt jetzt eine Telekom wiederum ins Spiel, in diese Plattform hineingespielt wird. Denn es nützt nichts, nur eine nette IT-Infrastruktur im Hintergrund zu haben. Es müssen natürlich auch entsprechend breitbandig und nahezu von jedem Ort, Daten eingespielt werden können. Das ist genau die Kombination, die unsere Partnerschaft bietet.

Mal ganz praktisch: Wie groß musste ein Projekt mindestens sein, damit es für Ihre Kooperation interessant ist?

Das ist nach unserer Auffassung eigentlich gar nicht das Thema. Weil im Augenblick geht es erstmal darum zu zeigen, dass diese Partnerschaft sinnvoll ist. Wir in diesem Raum wissen dass sie sinnvoll ist. Aber mnach Außen ist es noch zu beweisen. Und das kann man natürlich auch über kleinere Cases tun. Also wir denken in der Größenordnung nicht daran, dass wir jetzt sofort einen VW revolutionieren. Sondern das kann durchaus auch ein Anbieter oder ein Kunde aus dem gesunden deutschen Mittelstand sein. Das ist aktuell sogar der Kern, unsere Zielgröße.

Wie darf ich mir auf der Zeitachse eine Kooperation vorstellen? Beginnen Sie auch mit Beratungsleistungen? Also beispielsweise Maturity-Workshops, dann Co-Creation oder Ähnliches?

Wilfried Bauer:

Ja, das ist bei uns übrigens auch ein Learning aus den letzten zwei, drei Jahren. Es ist in diesem Bereich sehr schwer, mit einer Standard-Leistung in einem Standard-Offering nach draußen zum Kunden zu gehen. Egal, ob alleine oder mit Partnern. Oft beginnt die eigentliche Lösungsfindung ja erst, wenn man über einen beratenden Ansatz mit dem Kunden ins Gespräch kommt. Und insofern haben wir explizit vorgesehen, gemeinsam einen beratenden Ansatz zu haben. Dabei wollen wir durchaus auch in Zyklen über mehrere Monate mit dem Kunden zur Problemlösung finden. Oftmals ist es so: Zu Beginn der Gespräche liegt das Problem gar nicht auf dem Tisch. Wichtig ist im Grunde, dass es, wenn wir fertig sind, einfacher geworden ist und nicht komplizierter.

Kai Brasche:

Ich speziell bin überhaupt kein Freund von Problemlösungen. Grundsätzlich haben die ganzen Anlagen doch schon lange Jahre gut funktioniert, so, wie sie sind. Am Ende wollen wir natürlich Ergebnisse erzielen. Wir müssen sehen, dass wir gemeinsam das richtige Geschäftsmodell beim Kunden entwickeln – in einer frühen Phase, und dann über einen entsprechenden Business Case belegen, dass es sinnvoll ist. Und das ist natürlich ganz hervorragend geeignet dafür, dass es beide Unternehmen zusammen tun. Hier sprechen wir von einem Thema, das am Markt vortrefflich falsch gemacht wird – bis heute – von vielen, vielen Unternehmen. Jeder spricht separat und isoliert mit einem Kunden zu komplexen Themen, obwohl er genau weiß, dass er alleine nicht das ganze Thema lösen kann.

Wie stelle ich mir das praktisch vor? Aus Kundensicht: Kommt da ein gemischtes Team aus Ihren beiden Unternehmen auf mich zu?

Wilfried Bauer:

Ja, genau so einfach ist es! Wir sind gerade dabei, das zu organisieren. Jetzt haben Konzerne große Strukturen und kleine Strukturen, und wir müssen schauen: Wie kommen die alle übereinander? Das ist schon herausfordernd. Aber vor allem finden wir dabei heraus, dass wir gar nicht so unterschiedlich sind. Die DNA unserer beiden Unternehmen, ist doch sehr vergleichbar. Wir sind momentan dabei die Teams zu bilden. Die bilden wir regional aber auch über die Branchen heraus aus. Und es kommen im ersten Schritt schon mal zwei Kollegen – der eine in magenta, der andere in grün. Und wir gestalten dann die Themen wirklich gemeinsam. Bis zu dem Punkt, an dem wir ganz klar sagen können: Wer wird welchen Leistungsanteil im Projekt haben. Wir werden sicher nicht auf Dauer jedes Einzelthema als Pärchen bearbeiten.

Kai Brasche:

Genau. Und man muss natürlich dazu sagen: Aus Vertriebssicht heraus ist es relativ einfach, weil beide unsere Unternehmen immer offene Türen haben für die anderen Seite. Eine Rolle spielt aber auch der Reifegrad. Wir haben mittlerweile gerade in der Industrie einen Reifegrad, bei dem im Prinzip die Anforderungen, aus der Kundensicht, so groß sind, dass eine wahre Freude da ist, ja, wenn dann jemand kommt, der hier Hilfe anbieten kann, Idealerweise ein solches Pärchen, wie du es gerade beschrieben hast. Und wir wollen ja letztendlich nicht einfach nur Geschäfte machen. Wir wollen ja auch an der Stelle sinnvolle Dinge gemeinsam mit dem Kunden tun. T-Systems und Siemens haben gemeinsam ja auch einen einen gewissen Vertrauensbonus. Den haben wir uns verdient über die Jahrzehnte. Und das ist ganz klar ein Punkt, der uns das Leben einfacher macht und unsere Kunden sich viel wohler fühlen lässt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildergalerie

  • Wilfried Bauer, Vice President Digital Solutions und IoT bei T-Systems, spricht gemeinsam mit Kai Brasche, Vice President MindSphere bei Siemens über die Partnerschaft der Unternehmen in Sachen Industrial-IoT.

  • Kai Brasche, Vice President MindSphere bei Siemens, spricht gemeinsam mit Wilfried Bauer, Vice President Digital Solutions und IoT bei T-Systems über die Partnerschaft der Unternehmen in Sachen Industrial-IoT.

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