„Bis zum Ziel von 65 Prozent Erneuerbaren 2030 ist es noch ein weiter Weg“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

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Anstieg um fünf Prozentpunkte Erneuerbare Energien deckten 48 Prozent des Stromverbrauchs

19.10.2020

In den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 haben Erneuerbare Energien mit knapp 48 Prozent fast die Hälfte des Bruttoinlandsstromverbrauchs gedeckt. Das entspricht einem Anstieg um fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Zu verdanken ist der Anstieg des Anteils der Erneuerbaren Energien am Bruttoinlandsstromverbrauch in den ersten drei Quartalen, vor allem den für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien günstigen Wetterverhältnissen der vergangenen Monate. Insbesondere im ersten Quartal konnte deutlich mehr Strom aus Wind erzeugt werden als im Vorjahr, bei Wind an Land 7 Prozent und Wind auf See 10 Prozent mehr. Ungewöhnlich viele Sonnenstunden sorgten zudem für einen deutlichen Anstieg der Stromerzeugung aus Solarenergie um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Stromverbrauch ging coronabedingt zurück

Jedoch lässt sich die prozentuale Zunahme der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch nicht allein auf eine stärkere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen zurückführen: Diese trägt etwa zur Hälfte des Anstiegs der Erneuerbaren-Quote bei. Die andere Hälfte des Anstiegs ist auf den gesunkenen Stromverbrauch zurückzuführen. Dieser ging, vor allem coronabedingt, in den ersten drei Quartalen 2020 um knapp 5 Prozent zurück. Die Erneuerbaren-Quote wird als Anteil am Stromverbrauch gemessen. Daher führt ein geringerer Verbrauch allein schon zu einem Anstieg der Erneuerbaren-Quote.

„Die Zahlen machen deutlich: Bis zum Ziel von 65 Prozent Erneuerbaren 2030 ist es noch ein weiter Weg“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen wir eine ambitionierte EEG-Novelle. Der aktuelle Entwurf enthält bereits viele richtige Ansätze, aber an einigen Stellen muss noch nachgeschärft werden. Das gilt zum Beispiel für die Themen Eigenversorgung, ausgeförderte Anlagen und den Umgang mit einer Stromeinspeisung bei negativen Börsenpreisen. Eine weitere Gefahr für die Zielerreichung liegt in der Entwicklung des Bruttostromverbrauchs. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet mit einem kaum veränderten Stromverbrauch im Jahr 2030. Das ist jedoch nicht realistisch, wenn wir von bis dahin 10 Millionen Elektrofahrzeugen und einem steigenden Strombedarf in Wärmemarkt und Industrie ausgehen. Ins EEG gehört deshalb ein Mechanismus, mit dem zeitnah und flexibel bei Zubaumengen und Ausschreibungsvolumina nachgesteuert werden kann.“

„Dass der Ökostromanteil wächst, ist eine gute Nachricht“, betont Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW, gibt aber gleichzeitig zu bedenken: „Die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch sehr viel Arbeit vor uns liegt. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien muss künftig mit weit größerer Dynamik als bislang fortgesetzt werden, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Dies ist nicht nur eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung des aktuell in der Diskussion befindlichen ambitionierteren EU-Klimaschutzziels von mindestens 55 Prozent Treibhausgas-Emissionsreduktion bis 2030 gegenüber 1990. Auch die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ebenso wie die europäische Wasserstoffstrategie verlangen einen wesentlich schnelleren Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, der deutlich über die bislang verfolgten Mengenziele hinausgehen muss. Deutschland sollte dafür jetzt die erforderlichen Weichenstellungen vornehmen.“

Die Erzeugungszahlen im Einzelnen

In den ersten drei Quartalen 2020 lag die Bruttostromerzeugung bei 414 Milliarden kWh – ein Rückgang von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in diesem lang sie in den ersten drei Quartalen bei 446,7 Milliarden kWh. Insgesamt wurden gut 192 Milliarden kWh Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt, im Quartal 1-3 2019: 181,9 kWh. Davon stammten gut 76 Milliarden kWh aus Onshore-Wind, knapp 46 Milliarden kWh aus Photovoltaik, gut 37 Milliarden kWh aus Biomasse (einschließlich biogenen Siedlungsabfällen), fast 19 Milliarden kWh aus Offshore-Wind und gut 14 Milliarden kWh aus Wasserkraft. Aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie wurden knapp 222 Milliarden kWh erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es 264,9 Milliarden kWh.

Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten

Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in den ersten drei Quartalen 2020 beträgt knapp 48 Prozent. Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und steht im Einklang mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien. Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab.

Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Sie umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge, also auch die exportierten Strommengen. Der Anteil erneuerbarer Energien in den ersten drei Quartalen 2020 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt gut 46 Prozent, 2019 lag er bei 40,7 Prozent.

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