MITSUBISHI ELECTRIC EUROPE B.V (Factory Automation)

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Nachgefragt: Wie angesagt ist Augmented Reality? Endlich Freiheit für die Hände

17.10.2018

Augmented Reality für den Service und die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen gilt vielen als Paradebeispiel für eine Industrie-4.0-Anwendung. Doch wie sieht die Praxis aus? Lesen Sie in unserer Umfrage, wo und wie AR-Technik heute schon den Arbeitsalltag erleichtern kann.

Die Vorteile von Augmented Reality (AR) sind offensichtlich: Nicht immer müssen teure Servicetechniker vor Ort sein und selbst Laien können mit Hilfe von Datenbrillen & Co. bestimmte Wartungen durchführen. Aber wollen Betreiber von Maschinen und Anlagen die Reparaturarbeiten und Servicemaßnahmen überhaupt selbst erledigen? Und welche Funktionen erwarten die Kunden von einer AR-Ausrüstung und welche Lösungen werden für die Industrie angeboten? Diese Fragen haben wir Anbietern von AR-Technik gestellt:

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  • „Führende Hersteller nutzen vor allem in kritischen Phasen des Fertigungsprozesses immersive Virtual-Reality-Technologien. Mit ihnen lassen sich 3D-Modelle in Lebensgröße überprüfen und Probleme im Produktdesign und den Fertigungsprozessen einfacher entdecken. Setzt man zusätzlich Augmented Reality (AR) ein, lassen sich mehrere Personen, Modelle gleichzeitig betrachten und kommentieren. So können die Fertigungsexperten Kollegen aus der Produktentwicklung und der Konstruktion bei der Überprüfung von Modellen unterstützen, gemeinsam Probleme identifizieren und lösen – bevor die Produktion beginnt. Nach Produktionsstart hilft AR außerdem den Montagearbeitern, schneller und genauer zu arbeiten. Natürlich erwarten die Kunden dabei eine AR-Ausrüstung ohne Schnittstellenprobleme. Delmia Apriso, unser MOM-System, etwa lässt sich problemlos mit der Microsoft Hololens kombinieren.“

    Klaus Löckel, Management Director EuroCentral, Dassault Systèmes

    Bild: Dassault Systems

  • „Die Frage, ob Unternehmen AR im technischen Kundenservice einsetzen wollen, stellt sich gar nicht. Der Fachkräftemangel erfordert es. Mithilfe von AR kann auch ein weniger versierter Mitarbeiter komplexe Reparaturen durchführen, indem ihn ein Experte per Videoeinblendung durch den Prozess führt. Außerdem können sich Techniker im Sichtfeld ihrer AR-Brille Anleitungen anzeigen lassen, etwa welches Drehmoment für eine Schraube nötig ist. Das spart Zeit und Kosten und erhöht die Sicherheit. Etliche Unternehmen nutzen solche Anwendungen bereits in einer Pilotphase. Künftig wird AR auch verstärkt im Fortbildungsbereich zum Einsatz kommen. Entscheidend für den Erfolg sind Daten aus Konstruktion und Produktion. Wer diese Daten richtig nutzt, kann daraus passgenaue Lösungen stricken.“

    Stefan Labenski, Geschäftsführer, Axians NEO Solutions & Technology

    Bild: Axians NEO Solutions & Technology

  • „AR kann mehr als vorhandene Objekte mit virtuellen Informationen verknüpfen: Daten werden dank AR zielgruppengerecht bereitgestellt und nutzbar gemacht. Im Servicefall ist Zeit bares Geld. Nicht immer ist – weltweit betrachtet – sofort ein Fachmann vor Ort. Mit Hägglunds InSight Live stellt Bosch Rexroth für Anlagenbetreiber eine Lösung bereit, die überall auf der Welt Remote-Support für hauseigene Wartungsteams ermöglicht. Über AR können Rexroths Produkt- und Systemexperten Techniker vor Ort direkt unterstützen. Nötig sind lediglich eine rudimentäre Internetverbindung sowie ein Smartphone, Tablet-PC oder Laptop. Denn InSight Live funktioniert auch bei nur geringer Bandbreite. Ein Mobilfunknetz genügt, um eine Verbindung für die virtuelle Echtzeit-Unterstützung aufzubauen.“

    Holger Hübing, Vertrieb und Branchenmanagement Hägglunds, Bosch Rexroth

    Bild: Bosch Rexroth

  • „Es gibt viele Unternehmen – vor allem in sicherheitsrelevanten Branchen – die Ihr Know-how intern halten und Aufgaben lieber selbst erledigen. Die Datenbrillen unterstützen dort nicht nur die Mitarbeiter, sondern erhöhen auch die Qualität und Genauigkeit der Services. Gerade in Branchen wie Luftfahrt, Automotive, Medizin oder Militär, die eine hohe Genauigkeit fordern, sind Datenbrillen eine oft angefragte Unterstützung. Einer unserer Kunden hat eine Datenbrille für ein großes Luftfahrt-Unternehmen entwickelt. Wichtig war in diesem Projekt, dass das Kameramodul eine fokussierbare und austauschbare Optik (M12 Mount) mitbringt, der Sensor ein besonders stabiles Bild ohne Artefakte liefert und rauscharm ist. Gefragt war auch eine niedrige Latenz im Stream von der Kamera bis zum PC / Display.“

    Dr. Christopher Scheubel, IP & Business Development, Framos

    Bild: Framos

  • „Im alltäglichen Gebäudemanagement von Öl- und Gas-Anlagen stellen Instandhaltungskosten eine der höchsten Betriebsausgaben dar. Viele Instandhaltungsarbeiten werden von einem auf Papier basierten Arbeitsauftrag angestoßen. Die Arbeit selbst benötigt oft klobige Bedienungsanleitungen, Schaltpläne und Checklisten. Durch die Verwendung einer Anzeige, bei der man nicht dauernd nach unten schauen muss und die Hände frei hat, wird die Arbeit deutlich effizienter. So spart man Zeit, Geld, und verringert Nachbearbeitungen, da der Mitarbeiter relevante Daten allein durch seine Stimme abrufen kann. Er kann somit mühelos auf Daten wie Temperatur, Dokumente wie PDFs und Videos sowie Workflows, das heißt Schritt-für-Schritt-Anleitungen, zurückgreifen.“

    Vincent Higgins, Director of Technology and Innovation, Honeywell Connected Plant

    Bild: Honeywell

  • „Im Kern geht es bei AR darum, Expertenwissen leichter zugänglich und Unsichtbares sichtbar zu machen. Die Motivation, selbst eine Maschine oder Anlage mit Hilfe von AR wieder in Betrieb zu nehmen, schätze ich als sehr hoch ein – zumal dadurch viel Zeit und Kosten gespart werden können. Und natürlich lernen Betreiber auch jedes Mal dazu. Da AR und VR digitale Technologien sind, ist dieses Wissen jederzeit von jedem Ort der Welt wieder abrufbar oder mit Hilfe von KI sogar hinsichtlich Strukturierung und Präsentation optimierbar. Eine sehr interessante, zukünftige Anwendung ist im Bereich MRK zu finden: Hier kann AR dazu dienen, die geplanten Tätigkeiten der Maschine sichtbar zu machen, zum Beispiel, in dem eine Bewegung vorher angekündigt wird oder der Roboter signalisiert, dass er ein bestimmtes Teil greifen will, aber nicht erreichen kann. Somit wird der Roboter zum wirklichen Co-Worker, der mit seinen menschlichen Kollegen kommuniziert. Technisch gibt es für AR mehrere denkbare Funktionen: Techniker vor Ort können sich mit entsprechenden Experten per Videotelefonie über Smart Glasses oder mit einem anderen Endgerät wie Smartphone oder Tablet vernetzen. Ein weiterer Anwendungsfall: Das Einblenden von Maschinendaten durch das „Scannen“ von entsprechenden Markierungen wie QR-Codes an der Maschine, um zum Beispiel den Zustand der Maschine abzurufen. Denkbar sind auch ergänzende oder gar komplette Trainings in einem VR Raum. Dazu finden sich die Schulungsteilnehmer und der Lehrer in einem virtuellen Schulungsraum wieder. Dieser ist mit sehr teurem oder seltenen virtuellen Schulungsequipment ausgestattet ist. AR oder VR hilft dabei, auch komplexe und nicht anfassbare Dinge begreifbar darzustellen – seien es Koordinatensysteme und Pfade bei einer Roboterprogrammierung oder Strömungslinien bei Flugzeugen. Man kann mit diesen Technologien die Wirklichkeit um eigentlich unsichtbare Elemente ergänzen.“

    Christian Tarragona, Senior Vice President in der Forschung und Entwicklung, Kuka

    Bild: Kuka

  • „Nach unserer Erfahrung im Markt tun sich viele Anwender in der Industrie mit dem Einsatz von VR-Brillen schwer. Die Ursache liegt einerseits in dem fehlenden Tragekomfort für den Anwender, andererseits in den verhältnismäßig hohen Anschaffungskosten für ein Unternehmen begründet. Die Situation wird sich im Laufe der Zeit sicherlich verbessern. In der Zwischenzeit bietet sich alternativ der Einsatz von Tablets oder Smartphones mit hochauflösenden Kameras an. Der Austausch von Bildern, Video-Live-Screens und Dokumenten zwischen Kunde und Techniker wird dadurch schnell und unkompliziert und reicht häufig aus, um das bestehende Problem zu lösen. Der Service kann so vom Kunden direkt vor Ort gemäß Anleitung ausgeführt werden oder er wird zu einem OEM oder Hersteller ausgelagert. Wir haben solch ein Serviceprojekt bereits aufgesetzt und erwarten eine erhebliche Reduzierung von ungeplanten Serviceeinsätzen.“

    Thomas Lantermann, Senior Solution Consultant Factory Automation EMEA, Mitsubishi Electric

    Bild: Mitsubishi Electric

  • „Viele unserer Kunden aus der Fertigungsindustrie haben schnell erkannt, dass sie mit einer AR-Option für den Self-Service die Loyalität ihrer Endkunden steigern können, vor allem wenn sie ihre eigenen Service-Teams nicht immer gleich „um die Ecke sitzen“ haben können. Ihre Endkunden sind ebenfalls begeistert, wenn sie im Falle von kleineren Störungen oder anstehenden Wartungsarbeiten nicht jedes Mal auf einen externen Servicetechniker warten müssen. So können sie die Geräte oder Maschinen alleine schnell wieder zum Einsatz bringen und sparen zudem Zeit und Kosten. Allein deshalb ist die Nachfrage groß. Ob die Blutanalysegeräte von Sysmex, USV-Systeme von Schneider Electric oder Baumaschinen von Caterpillar, in all diesen Bereichen ist dies bereits gängige Praxis.“

    Stephan Ellenrieder, Senior Vice President Zentral- und Osteuropa sowie Geschäftsführer Deutschland, PTC

    Bild: PTC

  • „Wir setzen innovative AR-Technologien ein, um unser Digital-Services-Angebot für Industriekunden weiter zu verbessern. Mit Remote-Unterstützung können etwa Services auf der Anlage noch effizienter durchgeführt werden. Eine konkrete Anwendung ist „Remote Assisted Collaboration“ mittels Service-Tablet und Datenbrille. Dies ermöglicht dem Siemens-Experten den visuellen Zugriff auf die Systeme vor Ort. Der Techniker auf der Anlage wird von einem Siemens-Experten aus der Ferne unterstützt. Die Datenbrille ermöglicht die freihändige Arbeit an den Systemen. Markierungen, Text-Labels oder transparente Bilder werden im Gesichtsfeld des Servicetechnikers angezeigt. Die AR-Technologie kommt nicht nur bei der Instandhaltung zum Einsatz, sondern auch beim Engineering und bei der Inbetriebnahme. Zudem bieten wir auch Endanwendern und Solution-Partnern die Möglichkeit, diese Technologien einzusetzen.“

    Alexander Storl, Produktmanager für Remote Services, Siemens

    Bild: Siemens

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