Frank Thelen: Ab jetzt wird für eine Markenverpackung eine Konformitätserklärung benötigt. Willkommen in Europa 2026! Denn es gilt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) unmittelbar in allen 27 Mitgliedstaaten – kein nationales Umsetzungsgesetz mehr, sondern direkt geltendes EU-Recht. Was heißt das konkret: Jede Packung mit eigener Marke ist plötzlich ein Stück Regulierung – Spezifikation, Recyclingklasse, Kennzeichnung, Dokumentation.
Für E-Commerce-Verpackungen kommt zusätzlich die Leerraumbegrenzung: Im Gesetzgebungsverfahren war zunächst von maximal 40 Prozent die Rede; die finale Verordnung sieht ab 2030 eine Obergrenze von 50 Prozent mit genau definierter Berechnungsmethodik vor. Wer darüber liegt, ist nicht mehr konform. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 200.000 Euro und faktische Vertriebsverbote, wenn die Verpackung nicht regelkonform ist oder die Registrierungen fehlen. Das heißt: Nicht nur Ärger mit Behörden, sondern im Zweifel Stopp für den gesamten Versand.
Klar ist: Wir produzieren zu viel Müll. Rund 40 Prozent des Kunststoffs in der EU landet in Verpackungen – das müssen wir angehen. Das Ziel, weniger Wegwerfplastik und mehr Recycling zu erzwingen, ist richtig. Aber der Weg ist falsch! Ein Konzern setzt dafür ein Compliance-Team an, schreibt Prozesse, kauft Software, holt Berater. Ein Start-up mit 15 Leuten setzt dafür seinen einzigen Ops-Menschen ab, der eigentlich am Produkt arbeiten sollte. Statt neue Features zu shippen, werden nun Recyclingklassen geprüft, Leerraumquoten berechnet und Registrierungsnummern abgeheftet.
Wir regulieren in Europa das Gründen kaputt. Nicht mit einem großen Gesetz, sondern mit hundert kleinen. Jedes einzelne klingt vernünftig, jede Maßnahme hat ein Umweltziel auf der Folie. In Summe führt es aber dazu, dass niemand mehr Lust hat, hier ein Unternehmen aufzubauen, das physische Produkte verschickt.