Batterieelektrische Lkw werden von Transportunternehmen mit Praxiserfahrung deutlich positiver bewertet als von Unternehmen ohne eigene Erfahrungen. Das geht aus einer neuen Auswertung des Öko-Instituts im Forschungsprojekt ELV-Live hervor. Dafür wurden mehrere Befragungen aus den Jahren 2021 bis 2026 zusammengeführt und die Einschätzungen von E-Lkw-Unternehmen mit denen der Transportbranche insgesamt verglichen.
Praxiserfahrung korrigiert Branchenvorbehalte
Die Auswertung vergleicht die Erwartungen der Gesamtbranche systematisch mit den Erfahrungen von Unternehmen, die E-Lkw bereits im Regelbetrieb einsetzen. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Lücke zwischen den Erwartungen vieler Unternehmen und den tatsächlichen Erfahrungen der Anwenderunternehmen. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Unternehmen in unterschiedlichen Phasen der Umstellung befinden. Während E-Lkw-Pionierunternehmen bereits Erfahrungen mit dem Betrieb und dem Ausbau eigener Ladeinfrastruktur sammeln, befindet sich ein großer Teil der Branche noch in einer frühen Orientierungsphase.
„Viele Vorbehalte gegenüber E-Lkw entstehen dort, wo eigene Betriebserfahrung fehlt“, sagt Florian Hacker, stellvertretender Bereichsleiter am Öko-Institut. „Für den Markthochlauf kommt es deshalb darauf an, die Erfahrungen der Pioniere schneller in die Breite zu übertragen.“
Zuverlässigkeit und Fahrerakzeptanz besser als erwartet
Die Wahrnehmungslücke zeigt sich besonders deutlich bei der technischen Zuverlässigkeit. 39 Prozent der Unternehmen, die E-Lkw nutzen, geben an, dass diese seltener oder deutlich seltener fehleranfällig sind als vergleichbare Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb. 32 Prozent beobachten keinen Unterschied zwischen den Antrieben. In der Gesamtbranche nehmen dagegen 37 Prozent eine geringere Zuverlässigkeit an, während lediglich neun Prozent eine höhere Zuverlässigkeit erwarten als bei Diesel-Lkw.
Bei der Akzeptanz durch Fahrerinnen und Fahrer ergibt sich ein ähnliches Bild. E-Lkw-Pionierunternehmen berichten überwiegend von positiven Erfahrungen und ausgesprochen hoher Zufriedenheit des Fahrpersonals. In der Gesamtbranche geht hingegen nur jedes zehnte Unternehmen davon aus, dass E-Lkw beim Fahrpersonal beliebter sind als Diesel-Lkw.
Ladeinfrastruktur und Energieversorgung werden zu Wettbewerbsfaktoren
Die Befragungen zeigen, dass sich die Herausforderungen mit zunehmender Marktreife verändern. In der repräsentativen Befragung der Transportbranche wird die Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur häufiger als Haupthürde für die Elektrifizierung des Fuhrparks genannt als die Anschaffungskosten der Fahrzeuge. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Unternehmen bislang nur begrenzte Kenntnisse über ihre eigene elektrische Versorgung besitzen: Mehr als die Hälfte der Befragten kennt die Stromkosten am Depot nicht.
Bei den Pionierunternehmen stellt sich die Situation anders dar. Rund 82 Prozent des Stroms für die E-Lkw wird am eigenen Standort bezogen. Etwa zwei Drittel von ihnen verfügen über eigene Stromerzeugungskapazitäten, beispielsweise durch Photovoltaikanlagen. Dadurch erzielen die Unternehmen im Durchschnitt niedrigere Strompreise am Depot als die Gesamtbranche.
„Die Ergebnisse zeigen, dass die Energieversorgung zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor für den wirtschaftlichen Betrieb von E-Lkw wird“, sagt Jonathan Schreiber. „Während viele Unternehmen noch bewerten, ob und wann sie in die Elektrifizierung einsteigen, beschäftigen sich die Vorreiter bereits mit Fragen der Energieversorgung, des Infrastrukturausbaus und der wirtschaftlichen Optimierung des E-Lkw-Betriebs.“
E-Lkw setzen sich als bevorzugte Technologie durch
Die Auswertung zeigt einen klaren Wandel in der Bewertung alternativer Antriebe. Während wasserstoffbasierte Konzepte in früheren Befragungen noch als besonders aussichtsreich galten, werden batterieelektrische Lkw heute sowohl von der Gesamtbranche als auch von Pionierunternehmen als wichtigste Alternative zum heutigen Diesel-Lkw bewertet. Die Bedeutung von Wasserstoff-Lkw ist im Vergleich deutlich zurückgegangen.
„Die Befragungen zeigen, dass sich die Diskussion in der Branche verändert hat“, sagt Florian Hacker. „Die Frage, welcher alternative Antrieb sich langfristig durchsetzen wird, ist für viele Unternehmen entschieden.“ Die Studien entstanden im Projekt ELV-LIVE, das durch das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen des Förderprogramms „erneuerbar mobil“ gefördert wurde.