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Prozessautomation & Messtechnik Die Anlage weltweit im Griff

09.12.2015

Bei Großprojekten in der Prozessindustrie müssen viele Projektbeteiligte miteinander kooperieren. Mithilfe mobiler webbasierter Lösungen lassen sich Informationen schnell und sicher austauschen und Entscheidungen rechtsverbindlich dokumentieren. Die Grundlage dafür ist ein intuitiv bedienbares System, das sämtliche relevanten Daten aufs Tablet bringt.

Morgens, Dienstreise: der aktuelle Projektstatus per Tablet dabei. Mittags auf einer Konferenz: wichtige Unterlagen via Mobilgerät abgezeichnet, damit die Kollegen weiterarbeiten können. Abends im Home Office: tagesaktuelle Anlagedaten für die Präsentation gezogen. Was wie der Aufguss eines Werbespots klingt, ist für Kunden, die mit Comos Mobile Solutions Anlagenprojekte steuern, schon heute Realität. Alle Projektbeteiligten – vom Projektmanager über den externen Dienstleister bis hin zum Anwalt in einer Rechtsabteilung – erhalten über Comos Mobile Solutions jederzeit Projekt- und Anlagendaten, die sie benötigen; ortsungebunden und in Echtzeit, verschlüsselt und über das Mobilgerät direkt in Ihrer Tasche. Mehr noch: Jeder Einzelne benötigt für seine Aufgaben unterschiedliche Daten, Dokumente und mitunter auch die Möglichkeit, diese zu bearbeiten oder zumindest zu kommentieren und mit anderen Projektpartnern abzustimmen.

Schon länger bietet Siemens mit Comos eine Software für ein ganzheitliches Anlagenmanagement über den gesamten Lebenszyklus von Industrieanlagen in der Prozessindustrie. Es handelt sich um ein integriertes, objektorientiertes System, das zum einen die Anlagenplanung und den -betrieb, aber auch die rechtssichere Dokumentation sämtlicher Schritte ermöglicht. Grundsätzlich eignet sich Comos für nahezu jede Branche, wobei die Fokusindustrien Energie und Kraftwerkstechnik, Öl und Gas, Chemie sowie Pharmazie sind. Andere Anlagen, etwa in den Bereichen Food & Beverage, Gas und Solar oder auch Zement und Baustoffe lassen sich aber ebenfalls mit Comos planen, engineeren und managen.

Integrierte, objektorientierte Datenhaltung bedeutet, dass jede Information nur an einer Stelle der Datenbank gepflegt wird und Änderungen in Echtzeit für alle Disziplinen direkt übernommen werden. „Wenn ich etwa im Prozessflussdiagramm einen Parameter ändere, sehe ich das sofort in der Dokumentation und in allen Abfragen, auf die sich die Information auswirkt“, erklärt Thomas Nipkow, Head of Solution Management für Comos Mobile Solutions bei Siemens. „Das minimiert in der täglichen Arbeit Fehlerquellen, weil ich keine Redundanz in der Datenhaltung habe, sondern jede Information nur genau einmal vorhanden ist.“

Individuelle Zugriffsrechte

Das Besondere an Comos ist, so erklärt Manuel Keldenich, Marketing Manager Automation and Engineering, dass das System alle beteiligten Disziplinen mit ein und demselben Tool an einen Tisch bringt: „Die Herausforderung besteht ja darin, dass in einem Projekt viele verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten, die oft unterschiedliche Sprachen und Sichtweisen haben – vom Verfahrenstechniker über den Automatisierer bis hin zum Instrumentierer.“ Und gerade hier habe Comos ein Alleinstellungsmerkmal: „Jeder sieht die für ihn wichtigen Informationen in einer für ihn geeigneten Darstellung.“

So schlägt Siemens gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: „Zum einen stellt ein zentrales Rechte- und Rollenmanagement sicher, dass jeder Projektbeteiligte auch nur die Daten und Informationen zu sehen bekommt, die für seine Augen bestimmt sind, zum anderen geht es gleichzeitig auch darum, dass der Mitarbeiter nicht mit Informationen verwirrt wird, die er gar nicht benötigt“, erklärt Manuel Keldenich einige der Vorzüge der Softwarelösung.

Es ist offensichtlich, dass neben einem sicheren Zugang zu Daten und Dokumenten am Desktop-PC im Büro oder in der Anlage heute auch eine für Mobilgeräte optimierte Lösung benötigt wird, quasi als verlängerter Arm der beteiligten Mitarbeiter. Hier besteht die besondere Herausforderung einerseits in der vernünftigen Reduzierung auf alles, was unterwegs benötigt wird, und andererseits auf einen möglichst einfachen Zugriff, der auch unter erschwerten Bedingungen (Zeitdruck, schlechte Internetverbindung etc.) genutzt werden kann. Mit Comos Mobile Solutions unterstützt Siemens das weltweit vernetzte Arbeiten mit projekterprobten Werkzeugen und trägt diesen Herausforderungen Rechnung. Alle Beteiligten erhalten damit über webbasierte Services und mobile Endgeräte Zugriff auf für sie relevante Informationen.

Volle Kraft auf intuitive Nutzerführung

Comos WebView ist eine browserbasierte Lösung, die übersichtlich rein lesenden Zugriff auf Anlagedaten und Dokumente ermöglicht, zum anderen kann mit der Lösung WebPQM das Ändern und Kommentieren von Daten, das Aus- und Einchecken von Dokumenten sowie das Freigeben von Revisionsschritten einfach und webbrowsergestützt vorgenommen werden. Beide Lösungen sind mit dem Release der Version 2.0 nun auch über touchfähige Endgeräte, wie Tablet-PCs nutzbar. Mithilfe von selbst definierten Leistungskennzahlen (KPIs) lässt sich der Projektfortschritt übersichtlich darstellen. Dies kann entweder individuell oder projektübergreifend in Form eines Dashboards abgebildet werden. Das ist für einzelne Projektbeteiligte genauso hilfreich wie für Projektleiter oder Betreiber.

Der Anwender erhält über die webbasierten Lösungen Zugriff auf sämtliche Datenbankobjekte wie Werte, Kennzahlen, Queries (Abfragen), Reports, Arbeitsschichten oder Dokumente – auch ohne eigene Comos-Installation. Anders als Comos selbst, das sich vorrangig an Projektbeteiligte mit ausgeprägtem technischen Hintergrund richtet, eignen sich die Comos Mobile Solutions besonders für Projektbeteiligte etwa aus der Einkaufsabteilung oder der Rechtsabteilung. Diese erhalten so die für sie relevanten Informationen – und das in einer Form, die sie aus anderen Web-Anwendungen gewohnt sind. „Zusätzlich steht in der neuen Version eine kontextsensitive Hilfe zur Verfügung, um Nutzer, die nicht täglich mit dem System arbeiten, abzuholen“, erklärt Thomas Nipkow.

Über die Oberfläche von Comos WebPQM können berechtigte Nutzer dank der sogenannten edierbaren Web-Attribute die zu liefernden Daten über die Web-Oberfläche direkt in die Comos-Datenbank eingeben. Das bedeutet, dass sich bislang notwendige Massenexporte von Daten, der Transfer über Excel-Vorlagen oder Dokumentenaustausch per E-Mail in Zukunft erübrigen. Alle Projektbeteiligten arbeiten auf einer einzigen, konsistenten Datenbasis. Das beschleunigt Arbeitsabläufe, vermeidet sowohl Fehler als auch Doppeleingaben und sorgt für ein durchgängiges und sicheres Datenhandling. Zudem bleibt die permanente Nachverfolgbarkeit und Dokumentation aller Änderungen gewährleistet. Sämtliche Prüf- und Freigabeschritte bei Revisionen sind damit lückenlos dokumentiert. Insbesondere bei Projekten mit vielen externen Beteiligten hat sich diese Lösung in der Praxis schon als sehr vorteilhaft bewiesen.

Verbesserungen in der Bedienung

Die wichtigsten Neuerungen zielen vor allem auf eine bessere Bedienbarkeit und Nutzung via Touch ab: „Sämtliche Elemente der Bedienerführung orientieren sich nun stärker als bisher an der Touch-Bedienung“, berichtet Thomas Nipkow. Deswegen habe man sich auch von der klassischen Baumstruktur verabschiedet. Die GUI basiert auf HTML5 und ist somit für sämtliche Mobilbetriebssysteme und alle aktuellen Mobil-Browser gleichermaßen geeignet. Das Dashboard lässt sich jetzt noch individueller gestalten und ermöglicht Teams und Einzelnutzern einen schnelleren Überblick über die wichtigsten technischen Daten und Performanceindikatoren.

An die von Windows bekannte Kacheloptik mit übersichtlichen Einstiegsmöglichkeiten wurde die Startseite angepasst, die den Nutzer schnell zu den jeweiligen Projektthemen führt. Über Quicklinks lässt sich direkt auf einzelne Anlagenteile oder Ansichten zugreifen. Praktisch: Diese lassen sich einfach per E-Mail verschicken und ermöglichen es den Projektbeteiligten, anderen sehr gezielt Daten zugänglich zu machen.

Voraussetzung für die Nutzung der Comos Mobile Solutions ist der Comos Web Server. Dieser erlaubt einen hoch performanten Datenzugriff über das Internet. Den einzelnen Applikationen auf Anwenderseite dient er jeweils als Schnittstelle zur stationären Comos-Datenbank und kann per verschlüsseltem SSL-Zugang (Secure Socket Layer) und zum Beispiel VPN (Virtual Private Network) erreicht werden.

Unterm Strich zeigen die Comos Mobile Solutions, wohin die Entwicklung in der Betreuung von Anlagenprojekten gehen muss, will man mit der sich wandelnden Arbeitswelt Schritt halten: hin zu möglichst einfach gehaltener Bedienung, individueller Anpassbarkeit und sicherer Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten. Dass diesem Geschäftsbereich bei Siemens ein wichtiger Stellenwert zukommt, steht außer Frage. „Die Möglichkeiten, die mit den mobilen Geräten einhergehen, werden zunehmen. Und das haben wir natürlich auch, was die Weiterentwicklung unseres Angebots angeht, auf dem Schirm, verspricht Thomas Nipkow. Themen wie „Mobile Maintenance“, die Virtual Reality Visualisierung als Teil eines „Digitalen Zwillings“ von Anlagen oder auch „Augmented Reality“ sind Entwicklungen die vom Markt in naher Zukunft, wenn nicht schon jetzt, gefordert werden und die man auch bei Siemens im Rahmen der Digitalisierungsausrichtung intensiv betrachte und in Entwicklungsprojekte mit einfließen lasse.

Bildergalerie

  • Die Comos Mobile Solutions ermöglichen schnellen Zugriff auf alle relevanten KPIs einer Anlage. Die Bedienung ist so einfach wie Surfen im Web.

    Bild: PhotoAlto/Frederic Cirou

  • Praktisches Tool: Mit Hilfe von Quicklinks lassen sich einzelne Seiten und Ansichten an andere Nutzer gezielt weitergeben.

    Bild: Siemens

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