Protonen, die im Kristallgitter hüpfen, können Aufschlüsse über das Verhalten von Brennstoffzellen liefern.

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Effizientere Energiegewinnung Das Geheimnis der Brennstoffzelle gelüftet

23.06.2017

Empa-Forschern ist ein wichtiger Schritt zu einer effizienteren Energieumwandlung von Wasserstoff gelungen: Sie haben die Wanderung von Wasserstoff-Ionen in Kristallen entschlüsselt.

Bei elektrochemischen Energiespeichern und -wandlern wie Batterien und Brennstoffzellen spielen Elektronen und Ionen als Ladungsträger die Hauptrolle. Für Brennstoffzellen ist die Protonenleitfähigkeit entscheidend. Protonen, also positiv geladene Wasserstoff-Ionen, entstehen aus Wasserstoff, mit dem die Brennstoffzelle betrieben wird.

Den Protonen auf der Spur

Der Empa-Physiker Artur Braun und Qianli Chen, Doktorandin an der ETH Zürich, führten an der Swiss Spallation Neutron Source (SiNQ) des Paul Scherrer Instituts (PSI) Neutronenstreuungsexperimente durch, die die Beweglichkeit von Protonen im Kristallgitter dokumentieren. Dabei beobachteten sie, dass die Protonenbewegungen in keramischen Brennstoffzellen weit komplexeren Gesetzmäßigkeiten gehorchen, als bisher angenommen: Die Wanderung der Protonen erfolgt gemäß dem so genannten Polaronen-Modell.

Das Modell beschreibt, wie Elektronen sich durch einen dielektrischen Kristall zwängen und dabei andere Atome aus ihrer Position drücken. Dies vermindert die Geschwindigkeit der Elektronen. Polaronen sind also Bewegungswellen im Kristall, deren Ausbreitung sich wie die Flugbahn eines Teilchens beschreiben lässt. Sie können abgelenkt und gespiegelt werden.

Hüpfende Protonen: Mythos wird Wirklichkeit

Das Elektron-Polaron ist längst eine Säule der theoretischen Physik und in der Fachwelt unbestrittene Grundlage für angewandte Modellrechnungen. Im Gegensatz dazu war die Existenz eines Wasserstoff-Polarons – also ein von Position zu Position hüpfendes Wasserstoff-Ion – bislang nur spekulative Theorie.

Das könnte sich nun ändern: Braun und Chen konnten anhand von Versuchen mit Yttrium-dotierten Barium-Ceroxid- und Barium-Zirkonoxid-Kristallen die Existenz des Proton-Polarons belegen. Diese Kristalle sind in trockenem Zustand nichtleitend. Setzt man sie einer Wasserdampfatmosphäre aus, dann bilden sich im Inneren der Kristallstruktur OH-Gruppen. Freiwerdende Protonen können dann wellenartig wandern. Das Oxid wird dadurch ionisch leitend.

Leitfähigkeit erzwingen mit Hitze und Hochdruck

Den Beweis für die Wellen von Wasserstoff-Ionen fanden Braun und Chen, indem sie die Kristalle unter verschiedenen Hochdruckbedingungen und bei Temperaturen von bis zu 600 °C untersuchten.

Ergebnis: Die Leitfähigkeit nimmt bei Temperaturen zwischen 220 und 520 °C genau in dem Maße zu, wie es Modellrechnungen für die Gitterschwingungen des Kristalls vorhersagen. Die Protonen sind also zunächst im Kristallgitter gebunden und beginnen bei Erwärmung im Konzert der Gitterschwingungen durch den Kristall von einer OH-Gruppe zur nächsten zu hüpfen. Setzt man den Kristall mit einer Spezialpresse hohem Druck aus, bleibt weniger Platz für die Protonen-Sprünge – die Leitfähigkeit nimmt wieder ab.

Damit ist bewiesen, dass das Polaronen-Modell nicht nur für Elektronen, sondern auch für Protonen gilt. "Und wer weiß, womöglich gilt die Theorie auch für andere Ionen wie Lithium", spekuliert Empa-Forscher Braun.

Upgrade für Brennstoffzellen

Die Erkenntnisse der Empa-Forscher könnten Hinweise für die Materialwahl von Brennstoffzellen und Wasserstoffspeichern geben und damit die Energieversorgung der Zukunft beeinflussen.

Aber auch das Verhalten von keramischen Isolatoren lässt sich nun besser abschätzen: Isolieren sie auch an feuchter Außenluft unter hohen Temperaturen noch gut? Oder entstehen Kriechströme, die auf Polaronen-Leitung zurückzuführen sind?

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