Europa hält stärkste Karte – und nutzt sie nicht

Darum bleibt die „souveräne KI“ in der EU vorerst ein Wunschtraum

Fabriken stehen zwar auf europäischem Boden, aber das geistige Eigentum, die Eigentumsrechte und die Kontrolle liegen woanders.

Bild: iStock, BlackJack3D
13.05.2026

Wirtschaft und Politik diskutieren seit Monaten über die Notwendigkeit und die Voraussetzungen „souveräner KI“ In Europa. Sie loben unter anderem Mistral AI, ein französisches Softwareunternehmen, das in Europa führend im Bereich LLM, also großer Sprachmodelle ist. Ein Blick auf die Hardware zeigt aber, dass Mistral seine KI-Modelle auf Nvidia-GPUs trainiert. Das Ganze läuft auf AWS- oder Azure-Infrastruktur, auch wenn diese „lokalisiert“ ist in Rechenzentren in der EU. Sebastian Scheele, CEO und Gründer von Kubermatic aus Hamburg, erläutert warum die „souveräne KI“ in der EU vorerst ein Wunschtraum bleibt.

„Würde die US-Regierung morgen beschließen, ein Exportverbot für High-End-GPUs nach Europa zu verhängen, wie sie es bei China getan hat, wären die Folgen enorm. Das gesamte europäische Ökosystem für „souveräne KI“ würde innerhalb weniger Wochen an seine Grenzen stoßen.

Monopole im Halbleitergeschäft

Die Ironie dabei? Europa hält bereits die stärkste Karte im Halbleitergeschäft in der Hand. ASML, ein niederländisches Unternehmen, hat ein weltweites Monopol auf die begehrten EUV-Lithografie-Maschinen, auf die jeder fortschrittliche Chiphersteller der Welt angewiesen ist. Mittels EUV (Extreme-Ultraviolet)-Technologie lassen sich besonders feine Transistorstrukturen in Silizium-Wafern realisieren. Die optische Lithographie ist heute die entscheidende Schlüsseltechnologie für die Fertigung immer dünnerer Mikrochips. Ohne die Technologie von ASML ließen sich keine 2-nm-Chips herstellen, nirgendwo auf der Welt. China versucht aufzuholen durch Re-Engineering, ist aber noch nicht so weit.

Ein europäisches Unternehmen besitzt also das unschätzbar wertvolle Know-how und die entscheidende Maschine, um Siliziumchips neuester Bauart herzustellen. In Europa sitzt aber kein einziger Hersteller, der diese Technologie in großem Maßstab nutzt. Das ist so, als würde man die weltweit einzige Hammerfabrik besitzen und jemand anderen dafür bezahlen, mit den gefertigten Hammern, das eigene Haus – oder in diesem Fall die souveräne KI-Infrastruktur – zu bauen.

Eigentumsrechte und Kontrolle fehlen

Der EU Chips Act hat das Ziel gesetzt, den Marktanteil Europas an der weltweiten Chipherstellung bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Intel Magdeburg und TSMC Dresden zeigen jedoch die wahre Situation. Die Fabriken stehen zwar auf europäischem Boden, aber das geistige Eigentum, die Eigentumsrechte und die Kontrolle liegen woanders. Als die Regierungen der Niederlande und Großbritanniens Wingtech aus Nexperia verdrängten, war das der Beweis dafür, dass Eigentum gleich Kontrolle ist. ASML gibt Europa einen Hammer an die Hand, aber mit einem Hammer allein kann man kein Haus bauen. Einfluss auf das weltweite KI-Geschäft bedeutet noch lange nicht KI-Souveränität.“

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