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Schnittstelle zwischen Energie- und Immobilienwirtschaft Blick über den Tellerrand werfen

13.06.2017

Die Anforderungen der Immobilienwirtschaft werden immer individueller und differenzierter. Dies stellt bisherige Dienstleister vor neue Herausforderungen und zwingt sie zu einer neuen Agilität. Sie müssen ihre Produkte und Dienstleistungen für die Branche zukünftig stärker vernetzen, um Doppelinvestitionen zu vermeiden und Synergiepotenziale auszuschöpfen.

Noch hängen in den meisten Kellern analoge Stromzähler. Der aktuelle Zählerstand lässt sich über ein Rollenzählwerk ablesen, den Momentanverbrauch kann der Nutzer an der Geschwindigkeit der Drehscheibe erkennen. Mehr Informationen liefert der Zähler nicht. Doch bald werden diese Stromzähler Geschichte sein, ähnlich den Telefonen mit Wählscheibe. Die Zukunft gehört den intelligenten Zählern, die digital Mess­daten erfassen und an den Versorger übertragen können. Die für die Datenerfassung und -übertragung eingesetzten Smart-Meter-Gateways (SMGW) werden zukünftig auch für andere Zwecke verwendet, etwa für das Submetering.

Dieses Zusammenwachsen von Smart Metering und Submetering führt auch die immobilien- und energiewirtschaftlichen Prozesse stärker zusammen. Grundlage hierfür werden eine immer intelligentere, stärker vernetzte Infrastruktur in den Immobilien sowie internetbasierte Datenplattformen, die flexibel Daten für verschiedene Anwendungen bereitstellen können. Nur offene, verknüpfbare Systeme werden in der Lage sein, den sich immer schneller wandelnden Anforderungen zu entsprechen. Es gilt, in neuen Wertschöpfungsketten und Partnerschaften zu denken.

Smart-Meter-Gateway steht im Mittelpunkt

Die einheitliche, vernetzte Infrastruktur muss Zähler, Sensoren, Aktoren und ganze Systeme von Drittanbietern einbinden und vernetzen. Neben Smart Metering und Submetering werden auch Smart Home und Smart Building zusammenwachsen und die benötigte Infrastruktur zur klima­intelligenten Steuerung der Immobilien bilden. Die Standardisierung im Smart Metering und den daran anschließenden energiewirtschaftlichen Kommunikationsprozessen der verschiedenen Marktrollen können hierfür als Vorbild und Ankerpunkt dienen. Das SMGW wird sich zum Kristallisationskern für eine Vielzahl weiterer Dienste entwickeln, die eine sichere und effiziente Kommunikation in das Gebäude hinein benötigen.

Das Gegenstück zur einheitlichen, vernetzten Infrastruktur rund um den Smart-Meter-Gateway werden internetbasierte Datenplattformen sein, die die in den Immobilien erhobenen Daten mit anderen Datenquellen zentral zusammenführen. So können Daten zu Gebäuden, Wohnungen, verbauter Infrastruktur und Nutzern sowie Verbrauchsinformationen und sonstige Messdaten zentral für verschiedenste Anwendungsfälle zur Verfügung gestellt werden.

Schnellere Abrechnung der Heizkosten

ERP-Systeme und wohnungswirtschaftliche Software-Lösungen sind für diesen Zweck allerdings oft noch nicht ausgelegt. Gerade die in großen Mengen anfallenden Messdaten stellen eine besondere Herausforderung dar. Hier haben Anbieter, die ihren Ursprung im Energiedatenmanagement haben, einen klaren Vorteil. Das Hamburger Unternehmen Kalorimeta (Kalo) hat die zukünftige Bedeutung sowie das Potenzial dieses Weges erkannt. So kooperiert Kalo mit Eon für das gemeinsame Produkt Immoservice: Hier werden smarte, fernauslesbare Strom- und Gaszähler von Eon und Submeter von Kalo installiert. Eon übernimmt ebenfalls die Stromlieferung für Allgemeinstrom und für Leerstände sowie die Erdgaslieferung.

Durch automatisierte Zählerfernauslesung und Rechnungsstellung sowie Datenaustausch zu Energieverbrauch und -kosten zwischen Eon und Kalo können die Prozesse für die ordnungsgemäße Heizkostenabrechnung stark beschleunigt und die Gebäudeeigentümer und Verwalter vom Koordinationsaufwand zwischen Versorger und Wärmemessdienst entlastet werden. Das spart Zeit und Geld. Weiter arbeiten Kalo und Eon mit dem Unternehmen Power Plus Communication (PPC) bei der Entwicklung zur Integration der Submeter-Infrastruktur am Smart Meter Gateway zusammen.

Raum für Entwicklungen

Darüber hinaus gibt es viele Ansätze für Dienstleistungen an der Schnittstelle zwischen Immobilien- und Energiewirtschaft, die vernetzte Infrastruktur und zentrale Datenplattformen nutzen können: Im Submetering werden die von Wärmemessdiensten erhobenen Verbrauchsdaten der Nutzer bislang ausschließlich zum Zweck der Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung verwendet. Allerdings könnten die Daten leicht zur Erhöhung der Transparenz für die Nutzer eingesetzt werden und somit Bewusstsein und energieeffizientes Verhalten fördern, idealerweise gleich gemeinsam mit den Stromverbrauchsdaten über eine gemeinsame Anwendung.

Bei Auszug von Mietern können die erhobenen Messdaten der Brennstoffzähler und aus dem Submetering verwendet werden, um schnell zu bestimmen, ob die geleisteten Abschlagszahlungen für die Begleichung der Heiz- und Warmwasserkosten genügen. So kann sofort ein fairer und transparenter Interessenausgleich zwischen Vermieter und Mieter hergestellt werden – ohne Risiko für beide Seiten.

Kooperationen in anderen Bereichen denkbar

Stehen die Zählerstände der Stromzähler ebenfalls zur Verfügung, lassen sich Mieterwechselprozesse weiter vereinfachen. Manuelle Ablesungen und Ummeldungen beim Grundversorger können entfallen beziehungsweise vollständig automatisiert werden. Mit zusätzlicher Erfassung der erzeugten Wärmemenge und einigen Daten aus dem hydraulischen Verteilsystem lassen sich Heizungsanlagen erheblich energieeffizienter betreiben – unter maßgeblicher Verwendung bereits vorhandener Messinfrastruktur. Diese Informationen lassen sich ebenfalls leicht zur Legionellenprophylaxe verwenden.

Bereits diese Beispiele verdeutlichen das große Potenzial des anbieterübergreifenden Datenmanagements. Zudem sind weitere Lösungen denkbar – nicht nur an der Schnittstelle zwischen Immobilien- und Energiewirtschaft, sondern auch in den Bereichen Sicherheit, altersgerechte Assistenzsysteme, E-Health und Smart Home. Voraussetzungen hierfür sind jedoch die Kooperationsbereitschaft der etablierten und neuen Anbieter, die Einigung auf Kommunikationsstandards sowie die Sicherstellung von Datenschutz und Datensicherheit über qualifiziertes Datenzugangsmanagement.

Bildergalerie

  • Vernetzung, sichere Kommunikation und Datenmanagement sind die Zukunft der Digitalisierung von Prozessen, Kundenbeziehungen und Geschäftsmodellen an der Schnittstelle zwischen Immobilien- und Energiewirtschaft.

    Bild: Kalorimeta

  • Vernetzte Infrastruktur, offene Datenplattformen und Flexibilität in den Anwendungen sind die Zukunft der Immobilienwirtschaft.

    Bild: Kalorimeta

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