SCHURTER AG ELECTRONIC COMPONENTS

Mit Auszugssicherungen lassen sich Stromausfälle aufgrund von herausgezogenen Kabeln verhindern.

Bild: iStock, JochenK

Überblick: Auszugssicherungen Es bleibe Licht

22.02.2017

Auszugssicherungen sind ein bewährtes Mittel gegen das unbeabsichtigte Entfernen von Kabeln und Steckern. Welche Techniken es gibt und welche Vor- und Nachteile sie haben, lesen Sie hier.

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In Deutschland kommen Stromausfälle sehr selten vor. Viel öfter sind Anlagen und Geräte ohne Strom, weil ein Kabel oder Stecker aus Versehen entfernt wurde. Solche Missgeschicke können gerade für Gebäude und Anlagen, die auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen sind, etwa Krankenhäuser, schlimme Folgen haben.

Zugentlastung und Auszugssicherung gibt es zum Beispiel in der HF-Mess- und Labortechnik bereits sehr lange. Meist haben Geräte in diesem Bereich frontseitige Kleinsignalsteckverbindungen, bei denen eine Auszugssicherung standardmäßig integriert ist; zum Beispiel bei BNC-Steckverbindern mittels Bajonett-Verschluss. Viele Stecksysteme enthalten bereits eine Lösung für das Problem der Zugentlastung. In den meisten Fällen wird sie auf mechanischem Weg herbeigeführt.

Bei der rückseitigen Stromversorgung ist das leider nicht so einfach. Das liegt daran, dass weltweit geräteseitig im 1-Phasenbereich nahezu ausschließlich Steckvorrichtungen nach IEC 60320 verwendet werden. Das ergibt an sich durchaus Sinn, denn dadurch wird höchste Kompatibilität gewährleistet. Jedoch sehen diese IEC-Steckverbindungen eine Zugentlastung oder Auszugssicherung an der Gerätesteckvorrichtung selbst nicht vor. Es gibt etliche Ansätze zur Lösung dieses Problems.

Die Briden- und Clip-Lösung erscheint auf den ersten Blick nicht State-of-the-Art, aber sie erfüllt kostengünstig ihren Zweck. Das Gerätekabel, nicht der Stecker oder die Dose, wird bei dieser Lösung mittels einer Bride oder einem Clip am Gehäuse festgeschraubt. Dadurch ist ein versehentliches Abstecken praktisch unmöglich. Vor allem wenn eine Installation nur selten umplatziert und neu gesteckt wird, ergibt diese Variante Sinn.

Der Klassiker der Auszugssicherung ist die mittels Sicherungsbügel. Dieser ist am Gerätestecker montiert und wird über die Gerätesteckdose gedrückt. Das System ist relativ simpel aber trotzdem sehr effektiv. Es muss, abhängig vom Steckertyp und der Vielzahl von Formen an Gerätesteckdosen, lediglich die richtige Wahl der Bügelform getroffen werden. Stimmen Bügel und Gerätesteckdose nicht zu 100 Prozent überein, findet keine Zugentlastung statt. Wenn Geräte oft transportiert und mit immer wieder wechselnden Kabeln gesteckt werden, ist dies nicht die ideale Lösung.

V-Lock: Genau angepasst, aber platzintensiver

In der Medizintechnik oder bei Data Centern sind Techniken wie V-Lock oder SecureLock sehr beliebt. Bei ihnen sind Stecker und Dose genau aufeinander abgestimmt. Die Installation solcher Auszugssicherungen beginnt mit der Herstellung einer stabilen Verbindung zwischen Dose und Stecker. Ein Nocken auf der oberen Seite der Steckdose rastet in die dafür vorgesehene Öffnung am Gerätestecker ein. Das verhindert zuverlässig ein unbeabsichtigtes Ausziehen des Netzkabels. Der Entriegelungsmechanismus benötigt allerdings etwas Platz und ist die Schwachstelle dieser Systeme. Wenn IEC-Steckdosenleisten mit einer sehr hohen Packungsdichte eingesetzt werden, kann es zu Platzmangel kommen. Je nachdem wie die Dosen angeordnet sind, lassen sich dann andere Systeme nur noch schwer einsetzen. Aus diesem Grund sollte man bei diesen Systemen die Anordnung der Kabel ganz genau planen, damit man noch an den Entriegelungshebel herankommt. Er sitzt beim V-Lock oben und beim SecureLock seitlich.

Ein großer Vorteil dieser Systeme besteht darin, dass sich die Steckvorrichtungen geräteseitig mit Features, wie Netzfiltern und Sicherungshaltern bestücken lassen. Aber auch Kombinationen mit hohem IP-Schutz sind umsetzbar.

Im Gegensatz zu diesen beiden Systemen können bei den Systemen IEC-Lock oder Auto-Lock, Standard IEC-Dosen oder IEC-Stecker verwendet werden. Ein Nachteil ist, dass die Verriegelungsmechanismen mechanische Kräfte auf die spannungsführenden Stifte im Stecker ausüben. Wie bei V-Lock und SecureLock muss auch bei ihnen der Platzbedarf der Entriegelungsmechanismen, die aus der Steckverbindung herausragen, berücksichtigt werden. Der Vorteil dieses Systems besteht darin, dass es sich universell verwenden lässt und nur geringe Kosten anfallen, da nur eine Seite der Verbindung vom Standard abweicht.

Exotisches System

Ein Exot unter den Auszugssicherungen ist zLock. Sie besitzt sowohl auf der Stecker- wie auch auf der Dosenseite des Kabels eine Verriegelung; einmal eine Stift/Nocken- und einmal eine Spannverriegelung. Das macht sie einzigartig. Sie lässt sich mit Standard-IEC-Dosen und -Steckern verwenden und prädestiniert sich dadurch für den Einsatz als beidseitig zugfeste Weiterverbindung zwischen zwei IEC-Normsteckvorrichtungen.

Ein weiteres System ist Plug Lock. Der Zwischenraum zwischen Stecker und Dose wird bei ihm durch das Überstülpen von Plug Lock Inserts über die IEC-Steckvorrichtung geschlossen. Sind beide Teile sehr passgenau gefertigt, kann die Montage einen beträchtlichen Kraftaufwand erfordern. Das kann sogar zu einem Ermüdungsbruch führen. Ist allerdings genügend Spiel vorhanden, sind solche Inserts eine schnelle und kostengünstige Variante zur Auszugssicherung.

Wertigkeit nicht vergessen

Die beste Lösung für alle Fälle gibt es nicht. Wie immer kommt es auf das Anwendungsgebiet an. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist die Wertigkeit. Ingenieure sollten sich fragen, ob ein günstiger Auszugsschutz wirklich reicht.

Bildergalerie

  • Bei V-Lock sind Dose und Stecker genau aufeinander abgestimmt. Außerdem kann das System mit Netzfiltern ausgestattet werden. Es hat allerdings auch Nachteile.

    Bild: Schurter

  • Der IEC-Lock besitzt eine clever gelöste Verriegelung, die allerdings auch einen Nachteil hat. Der Verriegelungsmechanismus übt nämlich mechanische Kräfte auf die spannungsführenden Stifte aus.

    Bild: Schurter

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