Kann der zunehmende Ausbau von Monoverbrennungsanlagen für Klärschlämme zu einem Schweinezyklus führen? In einer Studie behandelt trend:research vier mögliche Marktszenarien.

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Massiver Zubau von Monoverbrennungsanlagen Angst vor Schweinezyklus in der Klärschlammentsorgung

09.01.2019

Bereits heute wird die Verwertung von Klärschlämmen für die landwirtschaftliche Nutzung durch verschärfte Grenzwerte stark eingeschränkt. So werden besonders die in den kommenden Jahren in Kraft tretenden Verpflichtungen zur Phosphorrückgewinnung die Verwertungswege weiter in Richtung der thermischen Verwertung, insbesondere der Monoverbrennung, verschieben. Eine Studie zeigt mögliche Szenarien zur Marktentwicklung bei der Klärschlammentsorgung bis 2030.

Zurzeit sind in Deutschland 23 Monoverbrennungsanlagen zur Klärschlammverwertung mit einer Gesamtkapazität von etwa 620.000 t Trockensubstanz (TS) in Betrieb. Es ist jedoch ein massiver Zubau geplant: 33 Neubauprojekte für Monoverbrennungsanlagen mit einer Gesamtkapazität von über einer Million Tonnen TS sollen gebaut werden.

Der überwiegende Teil befindet sich noch in der Planungs- beziehungsweise Genehmigungsphase, bei den ersten Projekten hat der Bau bereits begonnen. Die meisten Kapazitäten werden derzeit in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern geplant, wobei insbesondere in Niedersachsen hohe Kapazitäten notwendig sind, da dort derzeit noch ein sehr hoher Anteil der Klärschlämme in der Landwirtschaft verwertet wird.

Alternativen zur Monoverbrennung weiterhin interessant

Das kommunale Klärschlammaufkommen wird bis 2030 weiterhin leicht sinken. Im Jahr 2016 waren es 1,77 Millionen t TS; bis 2030 wird sich diese Menge auf etwa 1,71 Millionen t TS reduzieren. Im Gegensatz zu den geringen Veränderungen des Aufkommens werden sich bis 2030 vor allem die Verwertungswege neu ausrichten.

Welchen Anteil die Monoverbrennungsanlagen dann schließlich an der zukünftigen Klärschlammentsorgung haben, hängt einerseits von der Entwicklung der Phosphorrückgewinnung und andererseits von einer möglichen weiteren Einschränkung der stofflichen Verwertung ab. Insgesamt ist die weitere Nutzung der Mitverbrennung und auch der landwirtschaftlichen Verwertung als wahrscheinlich einzustufen. Diese Verwertungswege sind kostengünstiger als die Monoverbrennung, und somit bekundeten die befragten Kläranlagenbetreiber Interesse, diese Wege weiterhin zu nutzen.

Fallende Preise und unausgelastete Anlagen sind mögliche Folgen

Die vielen Neubauprojekte lassen die Angst vor einem sogenannten Schweinezyklus aufkommen. Getrieben wird diese Angst laut trend:research unter anderem von den Dienstleistern und Planern, die mit Strategien, Konzepten und Planungen für Neubauprojekte Geld verdienen – aber auch von den Anlagenbauern, deren Durststrecke in Deutschland inzwischen so groß ist, dass dann notwendige Ressourcen teilweise gar nicht mehr vorhanden sind.

Neben den 33 offiziellen Neubauprojekten für Monoverbrennungsanlagen ist im Markt von fünf weiteren potenziellen Projekten die Rede. Falls diese Projekte weiterverfolgt werden, steigert sich – bei Annahme einer durchschnittlichen Neubaukapazität - die Gesamtkapazität der Monoverbrennungsanlagen um 150.000 t TS. Das entspricht etwa 10 Prozent des Gesamtmarktes oder 15 Prozent des bisherigen Neubauvolumens.

Konsequenzen können dann fallende Preise und unausgelastete Anlagen sein. Das war Mitte des vergangenen Jahrzehnts beispielsweise im Bereich der Ersatzbrennstoffkraftwerke der Fall, als Mengen plötzlich stark zurück gingen und Projekte nicht mehr rechtzeitig aufgehalten werden konnten. Der Markt für thermische Verwertung ist dadurch nachhaltig beeinflusst worden.

Die vollständige, 402 Seiten umfassende Studie kann kostenpflichtig bei trend:research angefragt werden:

Details zur Studie

Bildergalerie

  • Geplante und im Bau befindliche Klärschlamm-Monoverbrennungsanlagen in Deutschland.

    Bild: trend:research

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