Das Team von Micropsi Industries.

Bild: Micropsi Industries

Geld zur Markteinführung AI-Start-up erhält Investment für neue Robotik-Möglichkeiten

08.11.2018

Das Berliner Robotik-Startup Micropsi Industries gibt heute den Abschluss einer Series A-Finanzierung in Höhe von 5,28 Millionen Euro bekannt. Neuer Lead-Investor ist Project A, auch die bisherigen Investoren Coparion und Vito Ventures sowie industrieerfahrene Business Angels beteiligen sich an der Finanzierungsrunde. Das Gründerteam um den Informatiker Ronnie Vuine wird mit der Finanzierung die Markteinführung seiner Technologie in Europa und den USA umsetzen.

Micropsi Industries hat eine Controller-Box mit entsprechender Software namens MIRAI entwickelt, die die bisherigen Einsatzmöglichkeiten von Industrierobotern stark erweitert. Im wesentlichen lernen MIRAI-gesteuerte Roboter Hand-Auge-Koordination. Dadurch können Roboter Veränderungen bei der Anordnung von Objekten selbständig erkennen und ihre Bewegungen anpassen.

Um Robotern Tätigkeiten zu übertragen, mussten traditionell einzelne Bewegungen Zeile für Zeile programmiert werden — was den Umgang mit Varianzen sogut wie unmöglich macht. Die Technologie von Micropsi Industries ermöglicht es Robotern nun, Bewegungen zu erlernen, die nicht bei jeder Wiederholung gleich ablaufen. Dabei lernt die Software, indem der Roboterarm von einem Menschen geführt wird. Der hohe Programmierungsaufwand für Bewegungen, die für Menschen intuitiv sind, aber für Roboter sehr komplex, entfällt.

Software versteht nach wenigen Stunden den Zweck einer Bewegung

Die vorgeführte Bewegung wird mit einer Kamera aufgenommen und auch die Sensoren des Roboters messen die Bewegung, die sie erfahren. Anhand der so gewonnenen Daten versteht die Software bereits nach wenigen Stunden, welchen Zweck die gezeigte Bewegung erfüllt. Die Software führt diese Erkenntnisse nun dem Roboter zu, der die vorgeführte Bewegung dann selbst imitieren kann. Der große Vorteil hierbei: Der Roboter kann nicht nur wie bislang eine exakt auf den Millimeter genau programmierte Bewegung durchführen, sondern versteht das grundlegende Ziel der Bewegung, auch wenn sich die Umgebung ändert. Dank der Software MIRAI kann der Roboter so Varianzen am Werkstück ausgleichen, indem er eine ähnliche, aber nicht exakt gleiche Bewegung ausführt.

Ein Beispiel: Hängende Kabel zu greifen und dann in die richtige Buchse zu stecken, war bisher für die Roboter-Sensorik ein großes Problem. Das hängende Kabel bewegt sich etwas, ist also nie genau am gleichen Ort. Mit der selbstlernenden Software von Micropsi Industries erkennt der Roboter — nach dem Training — das Kabel und kann den Stecker in einer fließenden, menschenähnlichen Bewegung einstecken.

Neue Einsatzmöglichkeiten durch AI

Hinter dem einfachen Beispiel stecken weitreichende Konsequenzen. Dank der AI von Micropsi entstehen neue Einsatzmöglichkeiten für Roboter: Sie können in dynamischen Umgebungen Aufgaben erledigen und auch an der Seite von Menschen genutzt werden. Naheliegende, bislang für Industrieroboter wenig praktikable Einsatzbereiche sind die Elektronikindustrie, aber auch für Prozesse in der Lebensmittelproduktion sowie im Maschinenbau ist die Software flexibel genug. Es können also Prozesse automatisiert werden, die bisher nicht dafür geeignet waren.

  • GTC Europe, Oktober 2018

  • Hannover Messe, Hannover, April 2019

  • IMTS Chicago, Oktober 2019

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