Phoenix Contact Deutschland GmbH

Haben sich Großes für den Abwasserbereich vorgenommen: Dieter Barelmann (Videc), Joachim Pucker (Phoenix Contact) und Stefan Denzer (Danfoss).

Bild: Phoenix Contact

Automatisierungsinitiative (Ab-)Wasser marsch!

10.03.2015

Die Automatisierung von Wasser- und Abwasseranlagen galt bisher Domäne der Großkonzerne. Nun haben sich vier Spezialisten zusammengeschlossen. Mit welchem Konzept sie den Großen die Stirn bieten wollen, lesen sie hier.

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Als „Feldebene in der Kette“ sieht Stefan Denzer sein Unternehmen Danfoss. Bleibt man im Bild des Sales Manager Water & Energy Central Europe, sind das Software-Unternehmen Videc und die Automatisierer Phoenix Contact und Prozess­techniker Endress+Hauser die anderen Kettenglieder. Unter dem Label „Aqua Automation“ bieten die vier Unternehmen seit einiger Zeit zusammen Automatisierungslösungen für Wasser- und Abwasseranlagen an. „Wir kannten uns schon“, erklärt Videc-Geschäftsführer Dieter Barelmann die Zusammensetzung des Verbunds. „Wir alle agieren erfolgreich im Marktsegment und haben dort auch eine gute Positionierung.“

Aus Gesprächen, die die Automatisierer führten, wenn sie sich wieder einmal auf Branchenmessen über den Weg liefen, kristallisierte sich heraus, dass sich alle vor ähnlichen Herausforderungen auf dem Markt sahen.

„Die logische Weiterentwicklung zum Lösungsanbieter kann man in der Wasserwirtschaft nicht aus einem kleinen Teil heraus machen“, sagt Joachim Pucker, bei Phoenix Contact Head of Industry Management Infrastructure Industry Solutions. „Man mussden kompletten Prozess betrachten, von der Feldebene über die Netzwerktechnik und Steuerungsebene bis zum HMI-Scada-System.“ Und eine durchgängige Kommunikation ließ sich an dieser Stelle am besten im Verbund entwickeln.

Die Vormachtstellung von Großkonzernen spielte in den Überlegungen der vier durchaus eine Rolle, gibt Dieter Barelmann zu. Man grenze sich bewusst ab: „Auch wenn die großen Unternehmen am Markt mit Komplettlösungen und den entsprechenden Preisen dominieren, haben wir in unseren einzelnen Segmenten jeweils eine hohe Fachkompetenz.“ In Summe sei das um einiges mehr, als andere als Komplettlösung präsentierten.

Keine Angst vor dem Branchenprimus

„Kunden können bei uns die Komponenten der Branchenspezialisten verwenden, ohne sich Sorgen zu machen, dass es in der Kommunikation Überraschungen gibt“, beschreibt Stefan Denzer das Konzept hinter Aqua Automation. Über zwei Jahre arbeitete man zusammen an der Abstimmung der Komponenten. Wie brachte man zum Beispiel Feldgeräte von Danfoss mit Phoenix-Contact-Steuerungstechnik und Leittechnik von Videc in Einklang, machte Daten zugänglich, die bisher oft verlorengingen?

Zum Beispiel, indem die Köpfe hinter Aqua Automation auf offene, objektorientierte Standards wie OPC UA setzten. Nach Möglichkeit verwandten sie für Komponenten die nächste, nach oben hin webfähige Produkt-Generation. Die Durchgängigkeit nach unten wurde mit Ethernet-basierten Lösungen wie Profinet optimiert. Joachim Pucker: „Es war wichtig, die Schnittstellen der vielen dezentralen Komponenten einer Kläranlage oder eines Wasserwerks zu definieren. Wir haben einen weiteren Layer darübergelegt. Die Phoenix-Contact-Steuerungstechnik kennt mit dem passenden Funktionsbaustein genau den Danfoss-Frequenzumrichter AquaDrive.“ So lässt sich beispielsweise im Engineering viel Aufwand sparen.

Parametrieren à la USB-Stick

Stefan Denzer nennt einen zweiten Schritt, den man sich zusammen auf die Fahne geschrieben hat: „Mit den vorhandenen Informationsbausteinen möchten wir in der Lage sein, die Geräte über das Steuerungssystem zu parametrieren. Ähnlich wie das ohne weiteres Zutun beim PC geschieht, wenn man Schnittstellenkabel anschließt.“ Muss so in einer Abwasseranlage ein Gerät ausgewechselt werden, erkennt das System nach dem mechanischen Austausch seinen Teilnehmer und bindet ihn an dieser Stelle sofort ein – Parametrierung des Vorgängergeräts inklusive.

Doch wie bringen sich die Macher des Systems gegenseitig auf den aktuellsten Stand? Dieter Barelmann: „Im Prinzip geht es darum, dass man eine genaue Versionierung fertigt, dass man sich sehr genau ansieht, welchen Stand man bei den einzelnen Bereichen gegeneinander abzugleichen hat.“ Basis dafür ist unter anderem die von Phoenix Contact betriebene Bibliothek Waterworx, in der Änderungen in den Geräten erfasst und im nächsten Schritt an das Leitsystem übergeben werden.

Anwenderfreundliche Bibliothek

Zum Einsatz kam die Bibliothek erstmals im Wasserwerk Langenau der Landeswasser Stuttgart. Darüber hinaus ist die Kläranlage Warendorf für Aqua Automation in den letzten beiden Jahren zum Entwicklungspartner von Funktionen und Durchgängigkeit geworden. Auch andere Unternehmen steuerten erste Anwendererfahrungen bei. Inzwischen ist das System sowohl in der Wasserversorgung als auch in der Abwasserbehandlung im Einsatz. Konkrete Namen wollen die Automatisier aber nicht nennen – zumindest nicht, solange man sich noch in der „Produktisierungsphase“ befindet.

Was nicht heißt, dass man Aqua Automation nicht aktiv auf dem Markt platzieren könnte: Auf Eigenveranstaltungen halten Vertreter von Danfoss, Phoenix Contact, Videc und Endress+Hauser Vorträge. Zum Beispiel erklären sie, wie das Thema Energieeffizienz und die ISO 50001 im Abwasserbereich umgesetzt werden können.

Durch den kontinuierlichen Austausch mit Planungsbüros, Anlagenbauern, Systemintegratoren und Betreibern entwickelt sich das ganzheitliche System ständig weiter. Eine anwenderfreundliche Umsetzung sowie Minimierung der Inbetriebnahme- und Instandhaltungszeiten wird durch das untereinander abgestimmte System möglich. Dieses Konzept vertreten alle Partner durchgängig und übergreifend als Entwicklungsgrundlage des Systems. Auf der Hannover Messe werden auf den einzelnen Ständen der Partner jeweils Anwenderbeispiele präsentiert.

Auch aus einem anderen Grund ist die Hannover Messe für das Projekt wichtig: Dort wollen die vier Unternehmen ihre „Exekutive“ ausbauen. „Wir alle sind ja Komponentenlieferanten, keine Projekteure im Einzelnen“, erklärt Stefan Denzer. „Also bleibt für uns die Frage offen, wer das System am Ende des Tages beim Kunden umsetzt.“ Bestehende Kontakte zu Planern, Systemintegratoren und Anlagenbauern sollen zu diesem Zweck ausgebaut werden, man will sie in den Entwicklungsprozess einbinden und bei der Umsetzung unterstützen.

Kontakte ausbauen

Für die Zukunft haben sich die Macher der Aqua Automation auf die Agenda gesetzt, die Interoperabilität weiterzuentwickeln. Wasserwirtschaft ist in Deutschland schließlich Retrofit-Geschäft – neue Anlagen werden derzeit nicht gebaut. Joachim Pucker: „Der Kunde hat also schon Geräte im Einsatz, die es gilt, ins System einzubinden. Ein Vorteil unseres Systems liegt ja in der Offenheit in Bezug auf Schnittstellen. Aber auch da kann man das Spektrum der Geräte erweitern.“

„Eines der großen Themen wird in Zukunft auch IT-Security sein“, fügt Dieter Barelmann hinzu. Schließlich tritt in diesem Jahr noch das verschärfte Sicherheitsgesetz in Kraft, unter das auch der Bereich Wasser und Abwasser fällt. „Hier werden wir uns neuen Fragen stellen und Antworten finden.“ – Und zwar vom Feldglied bis in die Steuerungsebene.

Bildergalerie

  • „Die logische Weiterentwicklung zum Lösungsanbieter kann man in der Wasserwirtschaft nicht aus einem kleinen Teil heraus machen.“ – Joachim Pucker, Phoenix Contact.

    Bild: Phoenix Contact

  • „Die großen Unternehmen dominieren mit Komplettlösungen zwar den Markt, aber wir haben in unseren einzelnen Segmenten jeweils eine hohe Fachkompetenz.“ – Dieter Barelmann, Videc.

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  • „Kunden können bei uns die Komponenten der Branchenspezialisten verwenden, ohne sich Sorgen zu machen, dass es in der Kommunikation Überraschungen gibt.“ – Stefan Denzer, Danfoss.

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