Wie wird aus braunem Herbstlaub grüne Energie? Im Forschungsprojekt „LaubCycle“ arbeiten drei Partner daran, aktuelle Schwierigkeiten bei der Verbrennung der Biomasse zu überwinden.

Bild: Fraunhofer Umsicht

Regionale Energiegewinnung Wie kann Laub zum klimafreundlichen Brennstoff werden?

05.08.2021

Wegen seiner schlechten Verrottungseigenschaften ist Laub in Kompostieranlagen ungern gesehen. Dabei besitzt es viel Potenzial als Brennstoff für Biomassefeuerungen. Welche Vorbehandlungen notwendig sind, um aus Blättern klimaneutrale Energie zu gewinnen, untersucht das Projekt „LaubCycle“.

Nach Hochrechnungen des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht fallen saisonal in deutschen Städten und Kommunen 620.000 bis 740.000 Tonnen Laub an. Das ist mehr als die jährliche Abfallmenge der Millionenstadt Köln.

Um rutschige Straßen, Gehwege und verstopfte Straßenrinnen zu vermeiden, wird Laub von der Straßenreinigung beseitigt. Üblicherweise landet die Biomasse dann auf Kompostieranlagen. Das Problem: Laub hat meist schlechte Rotteeigenschaften und belegt im Herbst und Winter Kapazitäten in den Anlagen.

Das Fraunhofer Umsicht arbeitet im Projekt „LaubCycle“ deshalb an einer alternativen Verwertung. Dabei setzen die Forschenden auf die eigentlich guten Verbrennungseigenschaften des biogenen Reststoffs. Am Ende soll ein neuer nachhaltiger Stoff- und Energiekreislauf entstehen.

Problem: Erde, Steine, Sand

Eine Herausforderung bei der Verbrennung von Laub ist seine inhomogene Zusammensetzung: Neben den Blättern befinden sich auch Erdanhaftungen, Steine oder Sand in den gesammelten Fraktionen. Daraus resultiert ein erheblicher Ascheanteil von bis zu 50 Prozent.

Hinzu kommen – je nach Witterung – ein unterschiedlicher Feuchtegehalt sowie ein saisonal stark abweichendes Aufkommen. Um konstant einen kosteneffizienten und nachhaltigen Brennstoff zu erhalten, werden daher entsprechende Aufbereitungs- und Lagerungsverfahren untersucht.

Wärme und Strom aus Laub

„Das Besondere am ,LaubCycle‘-Ansatz ist, dass Kommunen den Stoffstrom Laub potenziell in einem geschlossenen Kreislauf führen können“, erklärt Dr. Esther Stahl, Leiterin der Abteilung strategische Projekte am Fraunhofer Umsicht. Zum einen kann auf Basis des neuen Brennstoffs lokal und bedarfsgerecht klimaneutrale Energie in Form von Wärme und Strom gewonnen werden. „Hier sehen wir für Kommunen und Entsorgungs- beziehungsweise Aufbereitungsunternehmen einen möglichen Vermarktungsweg an regionale Biomassefeuerungen“, sagt Stahl.

Zum anderen eignen sich die in den Aschen enthaltenen Nährstoffe potenziell als Dünger in Komposten, die auf kommunale, landwirtschaftliche oder private Flächen aufgebracht werden. In „LaubCycle“ untersuchen die Forscher deshalb, „wie ein geschlossener Kreislauf auf Basis von Laub in Kommunen realisiert werden kann“, erklärt Lukas Gosmann aus dem Projektteam. Dazu gehören laut ihm ausführliche Analysen des Laubs und der entstehenden Aschen, Untersuchungen zur Aufbereitung sowie der Einfluss der Laubqualität auf die Emissionen bei der Verbrennung in einer Praxisfeuerung.

Projektpartner und Förderung

Neben dem Fraunhofer Umsicht, das für die Lauberfassungsmethoden, Optimierung von Technologien, Analysen und Bewertungen zuständig ist, sind die Stadt Schortens und das Biomasseaufbereitungsunternehmen Franz-Josef Kipp Teil des Projekts. In Schortens werden Untersuchungen zur Erfassung, Aufbereitung und energetischen Nutzung am Beispiel einer Kommune durchgeführt. Franz-Josef Kipp bringt seine Expertise zur Aufbereitung und Lagerung von Biomassen ein.

Gefördert wird „LaubCycle“ mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) unter dem Förderkennzeichen 03EI5418.

Bildergalerie

  • Ziel von „LaubCycle“ ist ein geschlossener Kreislauf für die Verwertung des Reststoffs Laub.

    Bild: DBFZ

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