Hygienic Designvon Produktionsanlagen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

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Hygienic Design Kompromisslos sauber

31.10.2018

Wenn es um das Thema Sicherheit geht, steht die Lebensmittelindustrie ständig im Blickpunkt. Angesichts der Forderungen von den Verbrauchern, der Regierung und den Händlern nach immer strengeren Maßnahmen zur Überwachung des Produktionsprozesses gewinnt das hygienische Design von Produktionsanlagen zunehmend an Bedeutung.

Viele Arten von Lebensmitteln durchlaufen sekundäre Prozesse, bevor das Endprodukt zum Verbraucher gelangt. Diese Prozesse, zu denen beispielsweise das Kochen, die Aufbereitung oder die umfassende Bearbeitung der Rohmaterialien gehören, dienen häufig auch zur Sterilisierung des Produkts. Im Falle von Fleisch und Geflügel gelangt hingegen ein Großteil der Produkte im rohen Zustand zum Endverbraucher. Bei der Verarbeitung, wie beispielsweise dem Wolfen von Fleisch in der Burgerproduktion oder dem Entbeinen und Zuschneiden von Hähnchen, wird zwar die Form der Produkte verändert, doch es erfolgt in der Regel keine sekundäre Verarbeitung. Die Produkte werden roh ausgeliefert.

Aus diesem Grund sind hygienegerechte Produktionsanlagen in der Fleisch- und Geflügelindustrie sehr weit verbreitet. Doch mittlerweile rüsten auch in anderen Branchen immer mehr Hersteller auf hygienegerechte Produktionsanlagen um. Diese Systeme sollen in erster Linie die Lebensmittelsicherheit erhöhen und damit das Vertrauen des Handels stärken, aber auch das Risiko potenzieller Produktrückrufe minimieren.

Was ist hygienisches Design?

Das North American Meat Institute (NAMI) veröffentlichte 2002 erstmals einen Leitfaden mit Prinzipien für hygienisches Design, in dem erklärt wird, was dieses Konzept für Anwender und Hersteller bedeutet. Das Dokument erwies sich für Systemanbieter als nützliche Hilfe bei der Entscheidung, ob das Design eines gegebenen Systems die Anforderungen erfüllt und für den vorgesehenen Einsatzzweck geeignet ist.

Theoretisch kann jeder Anbieter ein Produktinspektionssystem so konstruieren, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine spezifizierte Leistung erbringt. Die Herausforderung besteht jedoch darin, sicher zu stellen, dass das System auch im Dauerbetrieb und über längere Zeiträume hinweg eine gleichbleibend hohe und spezifikationskonforme Leistung liefert. Hygienegerechte Systeme sollten insbesondere im Hinblick auf die extremen Betriebsbedingungen für eine lange Nutzungsdauer ausgelegt sein. Die Robustheit eines Systems ist von entscheidender Bedeutung.

Röntgenstrahlen für Sauberkeit und Schutz

Was den Bereich der Produktinspektion betrifft, so liefert Präzisions-Röntgentechnologie eine optimale Leistung, wenn sie unter wohldefinierten und kontrollierten Bedingungen eingesetzt wird. Nimmt man jetzt noch die für die Einsatzumgebung erforderliche Robustheit und lange Lebensdauer hinzu, so stehen diese Kriterien in scheinbarem Widerspruch. Robustheit und Präzision gehen nicht notwendigerweise Hand in Hand, schließen sich aber auch nicht gegenseitig aus. Sie müssen sorgfältig und in ausgewogener Weise aufeinander abgestimmt sein.

Röntgeninspektionssysteme verfügen beispielsweise über einen Generator zur Erzeugung eines Röntgenstrahls. Dieser durch ein Fenster geleitete Strahl durchquert das Produkt, das Transportband und schließlich den Detektor. Damit keine Röntgenemissionen austreten, ist das System durch ein Gehäuse geschützt. Das Konzept des hygienischen Designs sieht vor, dass die Maschinen jeden Tag sowohl außen als auch innen gründlich gereinigt werden. Dabei müssen jedoch jederzeit der Schutz der Technologie und der sichere Systembetrieb gewährleistet sein. Wenn Hersteller diese unterschiedlichen Anforderungen unter Verwendung anerkannter Konstruktionsverfahren gebührend berücksichtigen, entsteht ein System, das allen Ansprüchen an Hygiene, Langlebigkeit und präzise Inspektion gerecht wird.

Branchenspezifische Vorgaben

Systeme, deren Bauweise den Prinzipien für hygienisches Design des NAMI, der Sanitary Equipment Design Taskforce oder anderer Organisationen entspricht, erfüllen eine Reihe branchenspezifischer Kriterien mit konkreten Vorgaben bezüglich Hygienetauglichkeit. Hierzu zählen beispielsweise Typ und Beschichtung der zu verwendenden Werkstoffe oder die Eliminierung von Bereichen, in denen sich Produktreste ansammeln und somit mikrobiologische Verunreinigungen verursachen können.

Darüber hinaus existieren konkrete Spezifikationen bezüglich des eigentlichen Systembetriebs in Form anerkannter Verfahren für Inspektion, Wartung und Reinigung. Hersteller müssen immer wieder aufs Neue entscheiden, welches Maß an Hygiene und Sauberkeit für eine spezifische Betriebsumgebung am besten geeignet ist, um den Schutz der Verbraucher und des Markenrufs zu maximieren, die Konformität mit gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen sicherzustellen und gleichzeitig die Rentabilität zu wahren.

IP69 ist keine Garantie

In der Lebensmittelindustrie eingesetzte Produktionssysteme müssen sich vor allem durch einfachen Zugang und hohe Reinigungsfreundlichkeit auszeichnen. Darüber hinaus dürfen sie keine Bereiche aufweisen, in denen sich Fremdkörper oder mikrobiologische Verunreinigungen ansammeln können. Diese Herausforderungen sollten bereits zu Beginn der Entwicklungsphase berücksichtigt werden. Insbesondere ist darauf zu achten, dass vor, während und nach der Systemreinigung schnell überprüft werden kann, ob das Verfahren ordnungsgemäß und vollständig ausgeführt wurde. Moderne Systeme weisen weitestgehend glatte Oberflächen für eine schnelle Sichtprüfung auf, was zu kürzeren Reinigungszyklen und höherer Verfügbarkeit beiträgt.

Hygienegerechtes Design wird häufig fälschlicherweise mit der Schutzart IP69 gleichgesetzt. IP69 gibt jedoch lediglich den Grad des Eindringschutzes an und darf nicht mit hygienischem Design verwechselt werden. Systeme mit Schutzart IP69 sind nicht automatisch hygienegerecht und umgekehrt müssen hygienegerechte Systeme nicht notwendigerweise in Schutzart IP69 ausgeführt sein – auch wenn in diesem Anwendungsbereich mit Blick auf die intensive Nassreinigung häufig eine Kombination beider Merkmale gefordert wird, um eine langjährige Nutzungsdauer sicherzustellen. Die Schutzart gewährleistet, dass während der vorgeschriebenen Nassreinigung weder Wasser noch Fremdkörper in Schaltschränke und Gehäuse eindringen. Einige unserer Systeme sind in Schutzart IP69 ausgeführt, entsprechen aber nicht den Standards für hygienisches Design. Umgekehrt weisen jedoch alle unsere hygienegerechten Systeme die Schutzart IP69 auf. Das Verständnis dieses feinen, aber bedeutsamen Unterschieds ist überaus wichtig.

Der richtige Designansatz

Eagle verfolgt im Hinblick auf den Designprozess einen eigenen Ansatz. Während viele Anbieter versuchen, in allgemeinen Verpackungsanwendungen eingesetzte Systeme so anzupassen, dass sie auch für den Betrieb unter rauen Umgebungsbedingungen geeignet sind, hat Eagle einen anderen Weg gewählt. Mehrere unserer Systeme, die speziell für den Einsatz in höchst anspruchsvollen Umgebungen und Anwendungsbereichen vorgesehen sind, wurden bewusst von Grund auf in Übereinstimmung mit den NAMI-Richtlinien für hygienisches Design entwickelt.

Es macht keinen Sinn, ein vorhandenes System durch Modifikationen an einen Einsatzzweck anpassen zu wollen, für den es ursprünglich nicht entwickelt wurde. Wesentlich effektiver ist hingegen die Verwendung eines Systems, das unter Beachtung spezifischer Richtlinien von Organisationen wie NAMI, NSF und EHEDG speziell für einen bestimmten Anwendungsbereich konzipiert wurde.

Auf diese Weise erhalten Anwender ein robustes Produkt, das exakt auf ihre individuellen betrieblichen Anforderungen abgestimmt ist. Bei einem Vergleich von zweckgerichteten Systemen und solchen, die nachträglich angepasst wurden, treten erhebliche Unterschiede zutage. Ein nachträglich angepasstes System mag zwar in der Anschaffung günstiger sein, doch speziell für einen gegebenen Einsatzzweck entwickelte Systeme zeichnen sich durch deutlich geringere Gesamtbetriebskosten aus, weisen eine längere Lebensdauer auf und bieten dem Endnutzer ein wesentlich höheres Wertschöpfungspotenzial.

Viele Anwender sind sich der Anforderungen bewusst, aber zuweilen herrscht die vorgefasste Meinung, dass Produktinspektionssysteme nur dann optimale Resultate liefern können, wenn der Hersteller erhebliche Kompromisse im Hinblick auf hygienisches Design eingeht. Dies ist keineswegs der Fall. Von Beginn an unter hygienischen Gesichtspunkten entwickelte Systeme erfüllen die Anforderungen an einen hygienegerechten Betrieb. Die Tatsache, dass es sich um Inspektionstechnik handelt, bedeutet nicht, dass geltende Standards aufgeweicht oder Erwartungen heruntergeschraubt werden müssen.

Bildergalerie

  • Es sollte ein System verwendet werden, das speziell für einen bestimmten Anwendungsbereich konzipiert wurde.

    Bild: Eagle Product Inspection

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