Verfügbarkeit, Preise und Lieferzeiten sind die größten Speicherhürden

Speicher-Engpass zwingt Ingenieure zum Umdenken

Die Speicherknappheit beeinflusst inzwischen Produktdesign und Entwicklungsentscheidungen: Laut einer Umfrage von Memphis Electronic und EETech unter über 100 Ingenieuren haben 95 Prozent ihre Beschaffung oder ihr Produktdesign angepasst. Verfügbarkeit ist damit wichtiger geworden als Leistung oder Preis.

Bild: iStock, DmytroHai
05.11.2026

Memphis Electronic und EETech befragten über 100 Ingenieure in Nordamerika und Europa. Verfügbarkeit schlägt bei der Speicherwahl inzwischen Leistung und Preis. 95 Prozent passten Beschaffung oder Design an, elf Prozent stellten Produkte ein.

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Ob und welche Speicher verfügbar sind, ist inzwischen auch für Hardware-Designer das entscheidende Kriterium bei der Produktentwicklung, vor technischer Leistung oder Preis. Das zeigt eine neue Umfrage, die Memphis Electronic, das Memory Competence Center mit mehr als 35 Jahren Erfahrung im Speichermarkt, gemeinsam mit EETech durchgeführt hat. Die Befragung von mehr als 100 Ingenieuren in Nordamerika und Europa macht deutlich, dass die anhaltenden Lieferengpässe im Speichermarkt längst nicht mehr nur den Einkauf betreffen. Sie beeinflussen inzwischen Produktdesigns, Beschaffungsstrategien und Entwicklungsentscheidungen in der gesamten Elektronikindustrie.

Die Ergebnisse zeichnen einen Markt, der unter erheblichem Druck steht, denn Verfügbarkeit (69 Prozent), Preise (62 Prozent) und Lieferzeiten (46 Prozent) von Speicherprodukten sind die größten Herausforderungen. 95 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr entweder ihre Beschaffungsstrategie, ihr Produktdesign oder beides angepasst. 46 Prozent berichten von einem höheren Entwicklungsaufwand. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) hat Produkte auf Basis derjenigen Speicherkomponenten neu konzipiert, die zuverlässiger erhältlich waren. Fast ein Viertel (24 Prozent) hat Produkteinführungen aufgrund der Marktlage verschoben. Mehr als jeder zehnte Befragte (11 Prozent) stellte Produkte sogar ganz ein.

„Die Ergebnisse deuten auf einen grundlegenden Wandel in der Produktentwicklung hin“, sagt Nikolaos Florous, Global Head of Product Marketing bei Memphis Electronic. „Bisher wählten Ingenieure Speicher vor allem nach Schnelligkeit, Kapazität und Preis aus. Heute sind Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit ebenso wichtig – in vielen Fällen sogar wichtiger. Der Engpass ist längst nicht mehr nur ein Thema für den Einkauf, sondern betrifft inzwischen auch Entwicklung und Produktdesign.“

Flexibilität statt Leistungsoptimierung

Viele Unternehmen reagieren darauf und setzen statt auf optimierte Leistung auf flexiblere Produktdesigns. Knapp 42 Prozent haben ihre Lagerbestände ausgeweitet oder ihre Vorratshaltung erhöht, 39 Prozent alternative Speicherlieferanten qualifiziert und ebenfalls 39 Prozent zu anderen Speicherherstellern gewechselt. 27 Prozent setzten auf ältere oder besser verfügbare Speichertechnologien. Das ist ein deutlicher Beleg dafür, dass neuere Technologien schwer erhältlich sind.

Die Studie zeigt außerdem eine hohe Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Entwicklung ihres Bedarfs. Während die Befragten die aktuelle Marktlage klar einschätzen können, trauen sich nur sechs Prozent eine verlässliche Prognose ihres Speicherbedarfs für die kommenden zwölf Monate zu. Fast ein Drittel hat nur geringes oder gar kein Vertrauen in die eigenen Prognosen.

Diese Unsicherheit erklärt auch, warum klassische Maßnahmen zur Risikominimierung bislang nur begrenzt genutzt werden. Trotz anhaltender Sorgen um die Verfügbarkeit (58 Prozent) und die Preissteigerungen (61 Prozent) haben lediglich 13 Prozent der Befragten langfristige Verträge oder Liefervereinbarungen abgeschlossen.

Strukturwandel statt kurzfristiger Preisdelle

Auf die Frage nach der größten speicherbezogenen Herausforderung im kommenden Jahr nannten die Befragten am häufigsten Verfügbarkeit und Versorgungssicherheit, gefolgt von Preisen, Lieferzeiten und Obsoleszenz. Etablierte und ältere Speicherprodukte wie DDR3, DDR4 und eMMC mit niedriger Speicherdichte wurden deutlich häufiger genannt als neueste Technologien.

„Die Daten zeigen, dass es sich nicht einfach um einen Preiszyklus handelt, der sich von selbst wieder einpendelt“, ergänzt Nikolaos Florous. „Die Folgen der Lieferengpässe wirken sich bereits auf Produktdesigns, Qualifizierungsprozesse und Beschaffungsstrategien aus. Entscheidungen, die unter den heutigen Bedingungen getroffen werden, prägen Produktlebenszyklen noch über Jahre hinweg.“

Über die Studie

Die Studie „2026 Memory Market Study“ wurde von EETech im Auftrag von Memphis Electronic unter Ingenieuren in Europa und den USA durchgeführt, die aktiv mit Speichern arbeiten. Die Ergebnisse basieren auf den Antworten von 105 Befragten (52 Prozent Europa, 48 Prozent USA). Das Konfidenzniveau liegt bei 95 Prozent mit einer Fehlerspanne von ±9,6 Prozent.

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