Jürgen Hahnrath, Head of IoT Solutions bei Cisco, beschreibt, wie die Krise die remote-Arbeit verändert und IoT gestärkt hat.

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Was IoT jetzt bewegen kann Sicher remote arbeiten

10.08.2020

In den letzten Monaten hat sich in vielen Bereichen die Art verändert, wie wir arbeiten. Vor allem in der Hochphase der Kontaktbeschränkungen gab es dabei sowohl die Extremsituation, dass ganze Anlagen zum Stillstand kamen als auch die, dass andere an ihre Produktionsgrenzen gehen mussten. Gleichzeitig verändern neue Vorschriften und Schutzmaßnahmen die Art, wie gearbeitet werden kann.

Besonders flexibel auf diese neue Situation können die Betriebe reagieren, die sehr weit fortgeschritten in ihrem IoT-Ausbau sind oder auf Grund ihrer Bedeutsamkeit für das gesellschaftliche Zusammenleben bereits auf die meisten Krisenszenarien vorbereitet sind, beispielsweise Strom- und Wasserversorger.

Doch alle Branchen sollten nicht nur mit Blick auf die aktuelle Situation, sondern auch für die Zukunft daraus Erkenntnisse ziehen und handeln. IoT hilft Unternehmen unter anderem dabei, weitgehend remote zu arbeiten. Die Pandemie deckte deutlich auf, welche Vorteile das bringt und wo Systeme oder Prozesse in der Vergangenheit nur halbgar angeschlossen wurden. Für viele bietet die Krise aber auch die Chance, Pläne umzusetzen, für deren Umsetzung sonst die Zeit fehlt oder die Einschränkungen im Produktivablauf bei der Installation mit sich bringen.

Stillstand ist die Chance für Neuerungen

Aus dem vorübergehenden Stillstand bei Betrieben oder deren Zulieferer ergeben sich zum Teil jetzt Wartungsfenster, die in dieser Größenordnung nur noch selten möglich sind. Dies wiederum erlaubt die Umsetzung größerer Umbauten beziehungsweise Umstellungen, die für die Nutzung von IoT nötig sind. Teilweise wurden und werden daher geplante Pilotprojekte vorgezogen. Dabei hat sich der Fokus darauf, die Grundlagen für IoT zu schaffen und diejenigen zu verbinden, die in Bezug auf IoT noch unverbunden sind, durch die aktuelle Pandemie noch verstärkt.

Jedoch gibt es eine Änderung bei der Art, wie Wartungen und der Ausbau für neue Pilotprojekte stattfinden können. So muss aufgrund der Schutzmaßnahmen in kleineren Teams oder komplett Remote gearbeitet werden. Natürlich hat dies auch die Folge, dass im Rahmen dieser Wartungsfenster noch mehr Möglichkeiten der Remotearbeit geschaffen werden, wenn es die Infrastruktur zulässt. Wer hier vorplant und sich auf ähnliche Situationen vorbereitet, wird flexibler und kann sich mehr Effizienz erschließen.

Viele Pilotprojekte und damit verbundene Innovationen konnten durch den Shutdown deutlich früher durchgeführt werden, da sie durch den Zwangsstillstand nicht länger aufgeschoben werden mussten. Das zeigt, dass es sinnvoll ist, die Zeit richtig zu nutzen. Jetzt, wo viele Produktionen langsam wieder anlaufen, kann auch diese Anfangsphase genutzt werden, um weitere Wartungen durchzuführen oder Pilotprojekte und Aufrüstungen vorzuziehen, die ansonsten noch länger auf sich warten ließen.

Aber: vollausgelastete Produktionsanlagen

Während sich in Branchen wie der Automobilindustrie Wartungsfenster auftaten, entstand durch die stark erhöhte Nachfrage in anderen Branchen, beispielsweise bei der Lebensmittel-Produktion, eine Auslastung an der Kapazitätsgrenze. Hier ist es mittlerweile fast unmöglich geworden, einen Termin für das Aufrüsten der Maschinen zu bekommen, sogar notwendige größere Wartungen sind oft nur mit deutlichem Verzug umsetzbar.

Jedoch müssen sich die Unternehmen an diesem Punkt bewusst sein, wie sie Risiken abwägen. Führt das Aufschieben von geplanten Wartungen nämlich zu einem nicht einkalkulierten Wartungsfall, so ist die Unterbrechung des Betriebs kaum noch aufzuholen. Außerdem werden oft Umrüstungsprozesse erst einmal aufgeschoben, die Produktionsprozesse aber deutlich effektiver oder die Betriebe flexibler machen würden.

Schutzmaßnahmen machen Remote-Zugang unabdingbar

Unabhängig von der Branche und der Auslastung der Unternehmen sollte nun ein Fokus bei IoT-Lösungen auf Remotezugänge gelegt werden. Wird in den Unternehmen vor Ort gearbeitet, so dürfen in vielen Firmen nicht wie gewohnt Techniker oder Anlagenbauer in die Betriebe kommen.

Das heißt, es muss möglichst viel per Fernzugriff zu sehen und beheben sein. Bei komplexeren Anlagen muss der Remote-Access dafür allerdings strukturell eingeplant werden. Da bisher stark auf den Techniker vor Ort gesetzt wurde, ist dies allerdings nur in wenigen Fällen geschehen.

Die Praxis zeigt, dass es aufgrund des nicht vorgesehenen Remote-Zugangs in Notfällen zu provisorischen Lösungsansätzen auf Kosten der Sicherheit kommt, zum Beispiel eine nicht ausreichend abgesicherte Remote-Verbindung über einen im schlimmsten Fall ebenfalls ungesicherten Computer. Was aus reiner Sicherheitsbetrachtung auf gar keinen Fall eine Option darstellt, ist im tatsächlichen Notfall oft die einzige Möglichkeit, schnell zu agieren. Das zeigt, dass ein sicherer und strukturierter Remotezugang, der protokolliert und streng überwacht ist, in der heutigen Zeit unabdingbar ist.

Herausforderung bei der Planung eines Remote-Access

Bei der strukturellen Einplanung des Fernzugriffs muss auch das Mensch-Maschine-Interface abgedeckt sein. Allerdings stellt hier der Konflikt zwischen dem Sicherheitskonzept des Fertigungsanlagenbetreibers und der aus der Ferne erfolgenden Kommunikation des Maschinenwartungsunternehmens eine erhebliche Herausforderung dar.

Denn damit ein Techniker auch aus der Ferne effizient arbeiten kann, braucht er einen Zugriff, über den er auf gleichem Niveau interagieren kann als ob er direkt vor Ort am Gerät arbeiten würde. Allerdings bedarf es hierfür eines mehrstufigen Sicherheitssystems, das auch eine ausreichende Demilitarisierte Zone (DMZ) beinhaltet, auf die von außen zugegriffen werden kann. Hier ist es für die Übersicht des Technikers oder Anlagenbauers von Vorteil, wenn Daten einer Maschine aggregiert und gesammelt werden und während des Remote-Access leichter abrufbar sind.

Pandemie Pläne und IoT: Ein Thema von Morgen

Die meisten Betriebe können die Produktion mit relativ leichten Anpassungen der Sicherheitskonzepte wie gewohnt wieder aufnehmen, dagegen wäre es ein Fehler, nun einfach unverändert weiter zu machen. Die Corona-Pandemie zeigt uns, was passieren kann und wie unvorhersehbar derartige Ereignisse sind.

Umso wichtiger ist es, sich nun besser vorzubereiten und neue Maßstäbe in der Strategie anzusetzen. Dazu gehört die Frage, was den Produktionsfluss stoppen oder verändern kann, und wie darauf zu reagieren ist, und vor allem auch die Sicherheit der Mitarbeiter und Dienstleister. Es ist klar, dass für die Zukunft neue Konzepte benötigt werden.

Wichtig dabei ist, dass entsprechende IoT-Lösungen nicht einfach nur als reine Vorsichtsmaßnahmen zu sehen sind. Vielmehr sind diese Lösungen eine Investition, die schnellere und effizientere, vielleicht auch bequemere Prozesse sowie höhere Servicelevel zur Folge haben und den Zusatzvorteil bieten, dass diese neuen Technologien gleichzeitig eine gute Vorbereitung auf Krisenfälle sind.

Gleiches gilt für Pilotprojekte und Aufrüstungen oder den Ausbau der Anlagen. Auch hier steht im Vordergrund, dass der Betrieb moderner, zukunftsfähiger und effektiver wird. Im Zusammenhang mit IoT bedeutet dies, dass Unternehmen neue Innovationen vorbereiten und sich zugleich für Krisen absichern, denn die dafür nötigen Mittel überschneiden sich stark.

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